Ein kleiner Verlag in Lübeck hat den "Atlas der wahren Namen" herausgegeben, in dem alle Orte nach ihrer etymologischen Herkunft benannt sind. Eine schöne Spielerei für alle mit Interesse an Sprache und Geschichte.
Ein Urlaub auf den Inseln der Schleuderer kann wunderschön sein, aber zunächst muss der Reisende das Land der vielen Flüsse und das Land der Männer und Wanderer durchqueren.
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Wo liegt die Stadt der Göttlichen? (© Grafik: Kalimedia Verlag Lübeck)
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Oder soll es lieber auf die Insel der Wohlgenährten gehen? Dann führt der Weg durch das Land der Langbärte und das ganze Kälberland bis zum Meer des gnädigen Gottes.
Wir befinden uns nicht in der Welt eines durchgeknallten Fantasy-Autors, sondern mitten in Europa. Das Kälberland ist Italien, der Name ist abgeleitet vom lateinischen Wort vitulus (Kalb).
Das Land der Langbärte ist die Lombardei, benannt nach den Langobarden (Langbärte). Der Name der Balearen ist auf die Steinschleudern zurückzuführen, mit denen sich die Einwohner einst gegen Eindringlinge wehrten - das altgriechische Verb ballein heißt schleudern.
Im "Atlas der Wahren Namen", herausgegeben von einem Zwei-Mann-Verlag in Lübeck, werden geographische Bezeichnungen in die deutsche Sprache übersetzt, indem deren etymologische Bedeutungen anstelle des bekannten Namens in die Karte eingetragen sind.
Statt Sahara steht in der Karte Sandmeer, abgeleitet aus dem arabischen es-sahra (Sandmeer). Birmingham heißt Bärenschutzdorf, Tunesien ist das Land der Schlangendame, Moskau der Ort, wo getauscht wird, Berlin ist die Sumpfstadt und München heißt Einsiedeln.
Der liebevoll gemachte Atlas ist eine schöne Spielerei für Leser, die Spaß an der Sprache und Interesse an Geschichte haben. Namen von Orten entstanden meistens aus topographischen Gegebenheiten, durch Eigenheiten von Völkern oder der jeweiligen Herrscher - und nicht zuletzt aus mythologischen Gründen. 1500 übersetzte Namen von Städten, Ländern, Gewässern und Landschaften sind zu entdecken, die Erklärungen stehen auf der Rückseite.
Bei der Gedankenreise mit dem Finger auf der Karte hat man manchmal das Gefühl, in einer fremden Welt zu sein. Viele Orte klingen so, als lägen sie auf dem mythischen Kontinent Mittelerde aus der Roman-Trilogie "Herr der Ringe": Dunkelfurt (Erfurt), Wühlwasserdamm (Rotterdam), Mutigenland (Thüringen).
In anderen Gegenden hat man den Eindruck, die legendäre Donald-Duck-Übersetzerin Erika Fuchs hätte mitgedichtet. In Großbritannien finden sich Orte, die in der Nähe von Entenhausen angesiedelt sein könnten: Dunkelwasserburg (Cardiff), Dickpfuhl (Liverpool) und Brusthügelburg (Manchester).
(SZ vom 03.07.2008/mcs)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Monaco = Einsiedeln: Ja - München (Monaco di Baviera) = Einsiedeln: Nein.
Nur vordergründig ist das unlogisch: Der alte Räuberfelsen am Mittelmeer war eine Gründung der Griechen zu Marseille (Massalia) und beherbergte zuerst einen Tempel des Herakles Monoikos (steht schon beim Geographen Strabon), des "Alleinwohners" - woraus dann Monaco wurde. Der nicht ganz so alte Markt "apud Munichen" (1158) lag "bei den Mönchen", also bei Konventsbrüdern, die eben nicht allein lebten (sonst wären es ja Eremiten), sondern in klösterlicher Gemeinschaft (also Coenobiten). Zwar ist das lateinische "monachus" aus dem Griechischen entlehnt und bedeutet "allein lebend", hat aber einen anderen Wortstamm. Mönche (wahrscheinlich aus Schäftlarn) waren sicher nicht in München "hauptamtlich gemeldet" - an eine (Tegernseer) Filiation auf dem Petersbergl glauben wohl nur noch die dortigen Prälaten. "Bei den Mönchen" heißt somit: dort, wo Land und Gut (mitsamt Bauern) der Mönche liegen. Also war München keine Einsiedelei; denn es liegt nicht in der Einöde - wie etwa Stift Einsiedeln (Schweiz), das wiederum (H)Eremus hieß. Und Held Herkules, der Monoikos? Dieser Single-Macho wurde den Münchner Hofdamen erst von einem erzfrommen Wittelsbacher zum andächtigen Staunen präsentiert - aber nur an der Wand, als Teppichlöwenbändiger.
Jetzt wäre die Tür offen für Komiker aus den Flachfernsehkanälen:
Darmstadt: großes D und kleine armstadt,
Pforzheim: großes P und kleines ...
Aber mal ' ne wichtige Frage: Wie kommt es dass ausgerechnet aus einer Einsiedelei München entstanden sein soll ? Kaum zu glauben !
Nie sollst Du mich befragen, sprach der reisige Ritter Lohengrin zu seiner neugierigen Elsa - aus gutem Grund. Sein Name sei "Flammen-Wut" - ach was, nur scheinbar; da aber aus dem altfranzösischen Loherangrin entlehnt: "Charaktermaske aus Lothringen". Ob ein Name also die Wahrheit spricht ("veriloquium nominis" nannten die alten Mönche diese Erkenntnis), ist Sache guter Recherche - andernfalls gähnen die etymologischen Abgründe, lauert um die Ecke der Firlefanz-Teufel. Dem in die Fänge geraten ist dieser amüsante "Atlas" (aus Lübeck, dem lieblichen - oder doch vom "Lügenbach"?), auf dessen Schultern manche Unterteufel sich breitmachen und das Allerlei zum Allotria entstellen. Beispiele gefällig?
1. Mißachtung der Ortsgründersprache: Birmingham ist kein "Bärenschutzdorf", sondern: Heim des Barmo-Clans (Bermingeham) - Mami, schreit der genervte Anglist, ich will zurück in Deinen Schoß (ahd. barm).
2. Reinfallen auf Ortslegenden: Erfurt heißt bis ins späte Mittelalter Erphesfurt - die Furt des Erpho. Erphes ist Genitiv des althochdeutschen Personennamens, der im frühmittelalterlichen Thüringen sehr gut bezeugt ist. Der Fluß Gera = Erphesa ("die Dunkle") - hübsch erfunden.
3. Völkische Usurpation: Das uralte (venetisch/umbrische) Ravenna(Adria) heißt nur bei deutschtümelnden Sagenfritzen "Raben" - die Rabenschlacht dort schlug viel später Dietrich von Bern, der als König Theoderich in Verona (= Bern!) saß. Germano-Fimmler haben früher auch das gallo-romanische Cambrai zu "Kammerich" umfirmiert.
4. Veraltete Etymologie: Frankreich ist nicht "Freienreich", sondern Reich der Frechen (*frekja, jüngere Lit. benutzen!); bei den Franken gab es jede Menge Unfreie.
5. Fremdsprache auf Verdacht angewandt: Kalifornien als "heißer Ofen" - jubelt der Philologe. Aber: Die Dame Kalephurnia (lat. Calpurnia) kommt in spanischen Eroberer-Schwänken als leichtlebige Herrin der Insel der seligen Nackten vor - als Conquistadoren so Indianerinnen auf der (noch unbenannten) Halbinsel California (Mexiko) sahen, war das Mißverständnis passiert.
6. Verdeckte Politik-Huberei: "Die Vereinigten Staaten der mächtigen Kämpfer" - von wegen! Amerika ist nach dem Literaten Amerigo Vespucci benannt worden - der wiederum trägt den langobard.-fränkischen Namen Haimrich, was "reich an Gütern bedeutet". Also sind die Amis höchstens heimstark (und somit kampfschwach in schweren Auswärtsspielen).
Ich fahre so gern nach Busendorf (bei Berlin), da gibt es guten Spargel...
Du hast Feuchtwangen vergessen :P
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