Forscher haben unter Grönlands Eispanzer bis zu einer Million Jahre alte Spuren von Wald gefunden. Die Insel hat also bereits Erwärmungen unbeschadet überstanden. Auch in Zukunft?
Was auf der Erde geschah, bevor es Menschen gab, die berichten konnten, schließt man aus Versteinerungen und Knochen. Doch diese Zeugnisse der Erdgeschichte ließen die eisbedeckten Regionen an Nord- und Südpol außen vor.
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So könnte zumindest Süd-Grönland vor einer Million Jahre ausgesehen haben. (© Foto: Science/Bent Jærdig Knudsen)
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Kilometerdicke Gletscher schienen dort alle Lebensspuren zerquetscht zu haben. Nun öffnet eine Analysemethode aus der Genetik quasi ein Fenster in die Vergangenheit der Polarregionen.
Inmitten des grönländischen Eispanzers gelang es Forschern, eine bis zu eine Million Jahre alte Waldlandschaft zu rekonstruieren - anhand des Erbgutes von Pflanzen und Tieren, das in mikroskopisch kleinen Hautzellen am Grund des Eises lag.
Die Geschichte Grönlands muss nun umgeschrieben werden, was sich etwa auf Klimaprognosen auswirken könnte. Vermutlich lässt sich mit der Methode aus der Genetik auch in der Antarktis, ja sogar auf anderen Planeten nach Lebensspuren fahnden.
Das unterste Stück eines zwei Kilometer langen Eiszylinders, der 1981 aus dem Grönlandeis gebohrt wurde, schien eigentlich unbrauchbar zu sein. Es konnte nicht wie der übrige Bohrkern für Klima-Rekonstruktionen genutzt werden. Eske Willerslev von der Universität Kopenhagen erkannte jedoch, dass der scheinbar wertlose Eiszylinder wertvolle Informationen enthielt.
Kiefern, Schmetterlinge und Fliegen
Mit einem internationalen Forscherteam gelang es Willerslev, aus Staubkörnern im Eis das Erbgut urzeitlicher Tiere zu ermitteln - mit der so genannten Polymerase-Kettenreaktion, einer Methode, die eigentlich zur Untersuchung des menschlichen Erbgutes dient. Das Ergebnis wird heute im Wissenschaftsblatt Science veröffentlicht (Bd. 317, S. 111, 2007).
Willerslev und seine Kollegen entdeckten in dem schmutzigen Eis eine längst untergegangene Welt: Wo Südgrönland heute von einem mehr als zwei Kilometer dicken Eispanzer bedeckt ist, sah es früher aus wie heute vielerorts in Schweden.
In Wäldern aus Eiben, Kiefern, Erlen, Fichten und Weiden schwirrten Schmetterlinge, Motten, Käfer und Fliegen umher. Auf bunten Wiesen wuchsen Rosen, Korbblütler wie Löwenzahn und Schmetterlingsblütler wie Wicken. Die Pflanzenarten zeigen, dass im Sommer zuweilen mehr als zehn Grad geherrscht haben.
Dass die Lebensspuren tatsächlich am Ort der Bohrung abgelagert wurden, schließen die Experten aus dem Zustand des Eises, der belegt, dass sich der Gletscher in jener Region nicht bewegt hat. Das Eis liegt dort in einer Mulde.
Wann Südgrönland von Wald bedeckt war, können die Experten allerdings nicht eindeutig sagen. Zwar ermittelten sie anhand von vier verschiedenen Bestimmungsmethoden das Alter des urzeitlichen Erbgutes. Es bleibt dennoch eine große Unsicherheit: Zwischen 130.000 und einer Million Jahre alt sind demnach die Lebensspuren. Wahrscheinlich liege ihr Alter aber zwischen 450.000 und 800.000 Jahren, schreiben die Forscher.
Stabiler als gedacht
Das neue Bild von der Vergangenheit Grönlands könnte im Hinblick auf den Klimawandel eine gute Nachricht sein. Denn als eine der größten Gefahren einer fortschreitenden globalen Erwärmung hatten Klimaforscher das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes ausgemacht - das Schmelzwasser lasse den Meeresspiegel schlagartig ansteigen.
Doch der Eispanzer ist stabiler als angenommen; er hat der neuen Studie zufolge seit mindestens 130.000 Jahren Bestand. "Wäre Südgrönland seither eisfrei gewesen, hätten jüngere Ablagerungen die älteren ersetzt", sagt Michael Hofreiter vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig, Mit-Autor der Studie.
Das Grönlandeis hat demnach mindestens eine Warmphase überstanden, in der die Temperaturen deutlich höher lagen als heute: die Eem-Warmzeit, die vor 125000 Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Weil der grönländische Eispanzer dieser Hitzeperiode widerstanden habe, könne er vermutlich auch eine künftige Erwärmung aushalten, folgern die Forscher.
Nun hoffen Hofreiter und seine Kollegen mit Hilfe der Gentechnik auch in der Antarktis am Boden von Eisbohrlöchern Lebensspuren zu entdecken. Dafür müssten die Wissenschaftler allerdings noch viel älteres Erbgut entschlüsseln als in Grönland - die Antarktis ist seit mehr als 30 Millionen Jahren von Eis bedeckt.
(SZ vom 6.7.2007)
Linke mit neuer Führung
@ likewise: eine Analogie
Wo soll die Analogie sein?
weil damals nicht ganz Südgrönland eisfrei war, sondern nur die Küste. Erik der Rote war nicht im Landesinneren
Ihr Artikel verschweigt, dass unter anderem durch die überlieferungen von Erich dem Roten bereits seit längerem bekannt ist, dass Südgrönland nicht immer von dicken Eisschichten bedeckt war. Dieser fand hier auf dem Weg nach Amerika mit seinem Gefolge einst eine grüne Landschaft vor und siedelte sogar vorübergehend auf Grönland. Daher stammt auch der Name dieser Insel, denn er bedeutet nichts anderes als "Grünland"!
Da muß ich wohl was korrigieren...
Ich bin kein Klimawissenschaftler und kann daher keine allzu fundierte Haltung zu Fragen der Klimaerwärmung annehmen. Dennoch kann ich einige Dinge festhalten:
Es gibt keinen ernstzunehmenden Experten, der unserer CO2-Produktion NICHT einen wichtigen Stellenwert bei der Klimaerwärmung einräumte. Seine Wirkung als Treibhausgas ist bekannt und läßt sich sehr gut einschätzen. Die Frage der Sonnenaktivität läßt sich weitaus schlechter einschätzen, weil es schlicht keine Möglichkeit gibt, diese über die letzten Jahrhunderte oder Jahrtausende, geschweide denn Jahrmillionen zu rekonstruieren und so die Folgen einer erhöhten Sonnenaktivität zu ermessen. Fakt ist, daß seit Beginn der Industrialisierung und der damit verbundenen erhöhten CO2-Produktion eine stetige, anfangs nicht sehr deutliche, inzwischen aber kaum verkennbare Veränderung des Klimas einhergeht. Fakt ist ferner, daß auch bei früheren starken Klimaerwärmungen der CO2-Anteil in der Atmosphäre anstieg. Ob das verursachend der Fall war oder sich in der Folge ergab, dürfte sich vorerst nicht klar ergründen lassen, so fein sind Meßverfahren und die untersuchten Proben nicht, vor ist es nach wie vor nicht sehr leicht, etwa Eisproben aufs Jahr oder wenigstens Jahrhundert genau zu datieren. Dazu kommt, daß eine Erderwärmung zu Beginn nicht gleichmäßig erfolgen muß und auch heutige Prognosen gehen davon aus, daß manche Regionen nach Erderwärmung möglicherweise sogar kühler sein könnten als davor.
Fakt ist aber auch, daß CO2 eine wichtige Rolle im Klima spielt und daß dieser Faktor sich relativ leicht beeinflussen läßt, indem wir z.B. weniger CO2 produzieren, was ja, angesichts unserer begrenzten und stark abnehmenden Ressourcen an fossilen Energieträgern auch aus praktischen Gründen sinnvoll wäre. Also, selbst für den, in der Fachwissenschaft inzwischen kaum noch diskutierten Fall, daß das CO2 nicht URSACHE der Klimaerwärmung wäre, könnten wir immerhin recht einfach einen wichtigen, der Erwärmung verstärkenden Faktor positiv beeinflussen, damit mindestens Zeit gewinnen und die resultierenden Probleme auf ein Mindestmaß reduzieren. -- Das sollte jedem vernunftbegabten Menschen einsichtig sein. Daher frage ich mic
Ich bin kein Klimawissenschaftler und kann daher keine allzu fundierte Haltung zu Fragen der Klimaerwärmung annehmen. Dennoch kann ich einige Dinge festhalten:
Es gibt keinen ernstzunehmenden Experten, der unserer CO2-Produktion einen wichtigen Stellenwert bei der Klimaerwärmung einräumt. Seine Wirkung als Treibhausgas ist bekannt und läßt sich sehr gut einschätzen. Die Frage der Sonnenaktivität läßt sich weitaus schlechter einschätzen, weil es schlicht keine Möglichkeit gibt, diese über die letzten Jahrhunderte oder Jahrtausende, geschweide denn Jahrmillionen zu rekonstruieren und so die Folgen einer erhöhten Sonnenaktivität zu ermessen. Fakt ist, daß seit Beginn der Industrialisierung und der damit verbundenen erhöhten CO2-Produktion eine stetige, anfangs nicht sehr deutliche, inzwischen aber kaum verkennbare Veränderung des Klimas einhergeht. Fakt ist ferner, daß auch bei früheren starken Klimaerwärmungen der CO2-Anteil in der Atmosphäre anstieg. Ob das verursachend der Fall war oder sich in der Folge ergab, dürfte sich vorerst nicht klar ergründen lassen, so fein sind Meßverfahren und die untersuchten Proben nicht, vor ist es nach wie vor nicht sehr leicht, etwa Eisproben aufs Jahr oder wenigstens Jahrhundert genau zu datieren. Dazu kommt, daß eine Erderwärmung zu Beginn nicht gleichmäßig erfolgen muß und auch heutige Prognosen gehen davon aus, daß manche Regionen nach Erderwärmung möglicherweise sogar kühler sein könnten als davor.
Fakt ist aber auch, daß CO2 eine wichtige Rolle im Klima spielt und daß dieser Faktor sich relativ leicht beeinflussen läßt, indem wir z.B. weniger CO2 produzieren, was ja, angesichts unserer begrenzten und stark abnehmenden Ressourcen an fossilen Energieträgern auch aus praktischen Gründen sinnvoll wäre. Also, selbst für den, in der Fachwissenschaft inzwischen kaum noch diskutierten Fall, daß das CO2 nicht URSACHE der Klimaerwärmung wäre, könnten wir immerhin recht einfach einen wichtigen, der Erwärmung verstärkenden Faktor positiv beeinflussen, damit mindestens Zeit gewinnen und die resultierenden Probleme auf ein Mindestmaß reduzieren. -- Das sollte jedem vernunftbegabten Menschen einsichtig sein. Daher frage ich mich, was diese ganze unvernünftige Diskussion
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