Abkehr vom Pariser Abkommen Trump verhöhnt die Opfer der Erderwärmung

Der Klimavertrag sei gegenüber den USA "sehr ungerecht", behauptet Donald Trump. Dieser Satz ist eine Beleidigung.

Kommentar von Christoph Behrens

Natürlich sind mal wieder die anderen schuld. "Ausländische Lobbyisten" würden sich danach sehnen, "dass diese Vereinbarung unser glorreiches Land knebelt und auf den Boden wirft", behauptete Donald Trump in seiner Rede, in der er die Abkehr der USA vom Pariser Klimavertrag bekannt gab. Vordergründig argumentierte der Präsident mit all den Arbeitsplätzen, die er damit retten wolle. Doch das Grundmotiv der Rede war ein anderes. Die "Bottom Line", die Quintessenz, sei doch, "dass das Abkommen von Paris sehr unfair ist, im höchsten Maße zu den USA", sagte Trump.

Was strengere Umweltstandards oder erneuerbare Energien für die US-Wirtschaft bedeuten, für Metallarbeiter in Detroit oder Kohlekumpel in den Appalachen, darüber darf und muss ein US-Präsident reden. Den Kampf gegen die Erderwärmung aber als "unfair" zu bezeichnen, zeugt von blankem Hohn gegen die meisten Menschen der Erde.

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Der Kampf gegen den Klimawandel ist ein Gerechtigkeitsprojekt. Das Perfide an der Erderwärmung ist, dass vor allem die ärmsten Menschen, die am wenigsten dafür verantwortlich sind, am meisten unter den Folgen leiden. Reiche Länder wie die Niederlande oder die USA können Dämme gegen steigende Meeresspiegel bauen. Ein armes Land wie Bangladesch kann das nicht so einfach. Die Bewohner der Entwicklungsländer bekommen die Folgen einer heißeren Erde am krassesten zu spüren. Den prognostizierten Dürren, Überschwemmungen, dem Verlust von Ackerland und Fischgründen haben sie kaum Geld oder Technik entgegenzusetzen, häufig bleibt nur die Flucht.

Mit dem Klimaabkommen von Paris akzeptieren die weiter entwickelten Staaten, dass sie bislang am meisten zur Erderwärmung beigetragen haben, und dass sie zugleich am meisten von der Industrialisierung profitierten, deren Treibhausgase nun die Atmosphäre aufheizen. Sie erkennen an, dass eine historische Schuld gegenüber den Armen besteht, die zwar wenig vom Reichtum der Welt abbekommen, aber die Folgen ihrer Ausbeutung am eigenen Leib spüren. Der Vertrag von Paris ist auch ein Mechanismus, diese Schuld zu begleichen und die perverse Regel auszuhebeln, wonach die Ärmsten den Dreck schlucken müssen, den die Reichen produzieren. Dazu enthält das Vertragswerk Elemente, um fortschrittliche Energietechnik weiterzugeben und die Entwicklungsländer beim Aufbau von schützender Infrastruktur zu unterstützen.

Wenige Staaten haben in den vergangenen Jahrzehnten auf größerem Fuß gelebt als die Vereinigten Staaten von Amerika. Würden alle Bewohner der Erde so leben wie US-Bürger, bräuchte man fünf oder mehr Erden, um den Hunger nach Ressourcen zu stillen.

Man kann also argumentieren, dass die Klimaschulden der USA besonders groß sind. Mit dem plumpen Ausstieg aus dem Vertrag von Paris hat Trump klargemacht, dass ihn diese Schuld nicht im Geringsten interessiert.

Das ist eine bittere Nachricht für die Welt, überraschend ist sie nicht. Schon während seiner Karriere als Geschäftsmann hat Trump oft gezeigt, dass seine Vorstellung von Gerechtigkeit darin besteht, dass die Stärksten im Recht sind, ihre Interessen auf Kosten der Schwachen durchzusetzen. 1980, als Trump ein historisches Gebäude in Manhattan abreißen ließ, um an der 5th Avenue den ikonischen Trump Tower zu errichten, beschäftigte er einen Trupp illegaler polnischer Einwanderer. Die "polnische Brigade", wie die Truppe bald genannt wurde, schuftete in Zwölf-Stunden-Schichten ohne Helm, die Bezahlung erfolgte unregelmäßig. Selbst im tiefsten Winter mussten die Arbeiter häufig auf der Baustelle übernachten. Als die Sache ans Licht kam, behauptete Trump, nichts von den Arbeitsbedingungen gewusst zu haben, und gab die Schuld einem Subunternehmer. Ähnlich war es, als einer seiner Golfplätze nach heftigen Regenfällen überlief und die Wasserversorgung der Stadt Aberdeenshire gefährdete. Wie bekannt wurde, hatte Trump den Umweltskandal noch selbst befeuert, indem er den Wasserspiegel der künstlichen Teiche einige Meter höher legte als erlaubt, damit diese hübscher aussahen. Auch da fühlte sich Trump zutiefst ungerecht von den Behörden behandelt und wollte von einer eigenen Schuld nichts wissen.

Der Glaube, "unfair" behandelt zu werden, ist ein Grundpfeiler von Trumps Karriere. Fatal, dass er diesen Wahn jetzt auf Kosten des Weltklimas auslebt.

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