Hilfsorganisationen halten das für verantwortungslos: "Als Land mit der drittstärksten Wirtschaftskraft der Welt und mit großen Forschungskapazitäten muss Deutschland die öffentliche Förderung für Tuberkulose, Malaria und Tropenkrankheiten massiv erhöhen", fordert Oliver Moldenhauer von Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation will dieses Jahr etwa 18 Millionen Euro in vernachlässigte Krankheiten stecken.
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Ein Armutszeugnis
Die Studie deckt außerdem eine Schieflage bei der Verwendung der Mittel auf: "Staatliche Finanzierungen zeigen eine starke Tendenz, sich auf wenige Krankheiten zu fokussieren", heißt es im Bericht.
Von den 2,5 Milliarden Dollar ist ein Großteil in nur drei Krankheiten geflossen: in Tuberkulose, Malaria und Aids/HIV. Andere Krankheiten mit hoher Sterbewahrscheinlichkeit wie Lungen- und Hirnhautentzündung, schlimme Durchfall- und Wurmerkrankungen oder Leishmaniose und das Dengue-Fieber bleiben oft unbehandelt.
Auch für die Pharmabranche ist die Studie ein Armutszeugnis. "Die Finanzierung bleibt das Gebiet von Staat und Philanthropen", so die Autoren. Knapp 91 Prozent der Ausgaben stammten 2007 von Staat oder Privatpersonen. Konzerne stecken ihre Milliarden lieber in den x-ten Cholesterinsenker als in einen Tuberkulose-Schnelltest.
"Die Bedürfnisse ärmerer Ländern werden weitgehend ignoriert, da unversicherte oder arme Patienten für Konzerne kein attraktiver Markt sind", sagt Pharma-Kritiker Moldenhauer. Das zeigen auch die Zulassungen: Zwischen 1974 und 2004 wurden 1556 neue Wirkstoffe genehmigt, berichtete die Zeitschrift Lancet. Nur 21 davon bekämpfen Tropenkrankheiten.
Allerdings gibt es Unterschiede im Verhalten der Konzerne. Europäische Hersteller wie Glaxo Smith Kline, Novo Nordisk, Novartis und Sanofi Aventis verschafften laut einer niederländischen Studie den Patienten in armen Ländern besseren Zugang zu Medikamenten als US-Konkurrenten wie Pfizer oder Schering-Plough.
Das hat die Stiftung Access to Medicine gemessen und eine Rangliste der Firmen erstellt. Diese basiert auf acht Kriterien, etwa der Anstrengung der Firma, den Zugang zu Präparaten zu vergrößern, der Höhe der Forschungsmittel für vernachlässigte Krankheiten, der Patentpolitik und einer fairen Preispolitik. Deutsche Konzerne liegen - wie ihre Regierung - mit ihrem Bemühen weit hinten: Bayer Schering landete auf Platz neun und Merck auf Rang 13.
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(SZ vom 20.03.2009/mcs)
Demonstrationen in Hamburg
1) Wo ist denn die Grafik? In der Printausgabe?
2) Um die Beträge angesichts unterschiedlicher 'Staatsgröße' vergleichen zu können, wurde kürzlich etwas unglaublich praktisches erfunden: Die Prozentrechnung. Ggf sollte sich der Redakteur einmal damit auseinandersetzen.
3) Wirklich sinnvoll ist es allerdings nur, die Entwicklungshilfe-Ausgaben im Verhältnis zum Gesamt-Staatshaushalt zu vergleichen. Denn Krankheiten sind ja nur ein Problem - und nicht alle Geberländer sollten sich auf dasselbe Problem konzentrieren.