Das ist zwar immer noch viel mehr Strom als beispielsweise bei der Grundwassergewinnung notwendig ist. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung, wie Entsalzungsexperten finden. Letztlich soll die Aufbereitung von Meerwasser beim Stromverbrauch und den Kosten mit anderen Methoden der Trinkwasseraufbereitung mithalten können.

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"In Zukunft könnte sich die Meerwasserentsalzung als Schlüsseltechnologie erweisen", sagt Knauf. "Durch achtlosen Verbrauch und versiegende Quellen wird Wasser immer knapper." Es sei absehbar, dass die Frage der Trinkwasserversorgung "grundsätzlich neu gestellt werden" müsse.

Tankerladungen aus Marseille

Mehr als eine Milliarde Menschen haben heute keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, besonders Afrika und Asien leiden unter Wasserknappheit. Und längst ist der Trinkwassermangel auch in Europa angekommen. Im Frühjahr dieses Jahres versiegten in Barcelona die Wasserspiele wegen akuter Knappheit.

Auch der Brunnen vor der Kathedrale Sagrada Familia wurde stillgelegt; über das Mittelmeer mussten riesige Tanker aus Marseille frisches Wasser bringen. Mittlerweile hat auch die katalanische Küstenstadt mit dem Bau einer Entsalzungsanlage begonnen.

Wie ein Bremsklotz auf die Technikbegeisterung wirkt allerdings eine Studie der Umweltstiftung WWF aus dem vergangenen Jahr. Sie kommt zu dem Schluss, dass Meerwasserentsalzung auf Dauer keine geeignete Lösung des Wasserproblems sei.

Der Energieverbrauch sei zu hoch, außerdem verändere sich der Salzgehalt des Meeres in den Küstenbereichen durch die zurückgeleitete Sole. Das habe negative Folgen für Fischbestände, Korallen und Wasserpflanzen.

Viele Vertreter von Wasserversorgungsunternehmen tun diese Vorwürfe als unberechtigt ab: Nach ein paar Metern sei das Salzkonzentrat im Meer nicht mehr nachweisbar. WWF-Wasserexperte Martin Geiger stimmt im Prinzip zu. Das sei aber nur der Fall, wenn die Sole weit vom Land entfernt ins Meer geleitet werde, schränkt er ein.

Kraftwerk für die Wasserfabrik

Häufig aber gelange sie direkt an der Küste ins Wasser - und das habe sehr wohl Folgen für die Umwelt. Laut Geiger ist die Ableitung zudem nur ein Teil des Problems. "Auch das Grundwasser wird angezapft, die Strömungen in der Nähe der Küste verändern sich", so Geiger. "Wirkt alles zusammen, kann das möglicherweise verheerende Schäden ausrichten."

Für solche Bedenken aber ist es in manchen Regionen inzwischen längst zu spät. Die öffentliche Wasserversorgung Saudi Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate wird bereits fast zu 100 Prozent durch Meerwasserentsalzung gedeckt. Wie Perlen einer Kette reihen sich in einzelnen Küstenabschnitten die Anlagen aneinander.

Trotzdem laufen viele Staaten im Nahen Osten dem schnellen Fortschritt bei der Wasserentsalzung hinterher. Wenn eine Anlage nach mehrjähriger Bauzeit in Betrieb genommen wird, ist sie häufig schon veraltet.

Um möglichst viel Wasser zu gewinnen, stellt man mittlerweile meist Anlagen der sogenannten Ko-Generation auf: Zu den Entsalzungsfabriken werden gleich Kraftwerke gebaut, die genügend Energie für Entsalzung Stil liefern. In Japan etwa produzieren acht Nuklearreaktoren fast ausschließlich Energie und Wärme für die Trinkwasseraufbereitung aus dem Meer.

Mit Hilfe solcher Anlagen könnte theoretisch jede Küstenregion ihre Wasserprobleme mindern, sagt Claus Mertes vom Lobbyverein DME. Je nach Technik aber kosten 1000 Liter Trinkwasser noch zwischen 60 und 80 Cent.

Brunnen zu bohren und zu filtern, ist nur halb so teuer. Mertes vermutet jedoch, dass sich die Preise weiter annähern: "Es dauert nicht mehr lange, bis auch in Deutschland Meerwasserentsalzungsanlagen gebaut werden."

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(SZ vom 28.08.2008/gal)