Treibhausgase Wie Dinosaurier-Pupse das Klima veränderten

Man möchte sich das eigentlich nicht vorstellen: Die riesigen Sauropoden wie Apatosaurus und Brachiosaurus haben gigantische Furze und Rülpser von sich gegeben. Dabei wurde so viel Methan frei, dass sich die Erde erwärmte. Auch moderne Wiederkäuer geben das Treibhausgas ab.

Das dürfte die Meldung des Jahres für alle Sechsjährigen sein: Die riesigen pflanzenfressenden Dinosaurier wie der Brachiosaurus und der Apatosaurus haben wahrscheinlich gigantische Pupse und Rülpser ausgestoßen. Und zwar so viele, dass sich durch sie das Klima vor 150 bis 65 Millionen Jahren verändert hat. Ihre methanhaltigen Winde hätten demnach ausgereicht, um die Atmosphäre deutlich zu erwärmen, vermuten Wissenschaftler.

Das Skelett eines Apatosaurus im Fundidora Park in Monterrey, Mexiko. Haben solche Tiere dafür gesorgt, dass sich das Erdklima verändert hat?

(Foto: REUTERS)

Mehr Methan als alle modernen Methanquellen zusammengenommen, sollen die langhalsigen Sauropoden zu ihrer Zeit produziert haben, berichten die Forscher um Dave Wilkinson von der John Moores University in Liverpool im Fachmagazin Current Biology. Und das gelte sowohl für natürliche als auch für menschengemachte Quellen.

Allein die Fürze der Sauropoden könnten ausgereicht haben, um die Urzeit-Atmosphäre mit zwei bis vier Methanteilchen pro einer Million Luftmolekülen (zwei bis vier parts per million, ppm) angereichert zu haben, schätzen die Wissenschaftler. Heute liegt der gesamte Methangehalt der irdischen Lufthülle bei rund 1,8 ppm.

"Ähnlich wie Kühe und andere heutige Pflanzenfresser trugen sie wahrscheinlich Mikroben in ihrem Darm, die ihnen dabei halfen, die pflanzliche Nahrung zu verdauen", schreiben Wilkinson und seine Kollegen. Bei dieser Verdauung entstand Methangas, das die Sauropoden - wie die modernen Kühe - durch Pupsen wieder abgaben.

Methan ist ein starkes Treibhausgas, das in der Atmosphäre rund 30 Mal stärker erwärmend wirkt als Kohlendioxid. Heute gilt die Landwirtschaft - und vor allem die Rinderhaltung - daher als einer der treibenden Kräfte für den Klimawandel.

Für ihre Berechnungen gingen die Forscher davon aus, dass pro Quadratkilometer Fläche rund zehn Sauropoden - etwa Apatosaurier - von jeweils etwa 20 Tonnen Gewicht lebten. War deren Methanausstoß ähnlich dem der heutigen Kühe, dann hätte ein einziger dieser Urzeitriesen bereits 2675 Liter Methan pro Tag abgegeben. Bei zehn Tieren entspreche dies 6,9 Tonnen täglich pro Quadratkilometer.

"Daraus ergibt sich eine Methanproduktion von 520 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit, wenn man dies auf die Hälfte der damals bewachsenen Landfläche hochrechnet", schreiben die Forscher. Dieser Wert entspricht der gesamten jährlichen Methanproduktion der modernen Welt. Zum Vergleich: Heutige Wiederkäuer wie Kühe, Giraffen oder Ziegen erzeugen rund 50 bis 100 Millionen Tonnen Methan weltweit.

"Unser einfaches Rechenmodell zeigt, dass die Sauropoden vermutlich eine wichtige Rolle dabei spielten, das Klima im Jura und in der Kreidezeit so warm zu halten", sagen Wilkinson und seine Kollegen.

Mit gut 20 Metern Länge und bis zu 70 Tonnen Gewicht gelten die Sauropoden als die größten Landtiere der Erdgeschichte. Auf stämmigen Beinen bewegten sich die langhalsigen Riesen gemächlich durch die Ebenen des Jura und der Kreidezeit und weideten Pflanzen ab.

Es könne im Laufe der Erdgeschichte auch noch andere Zeiten gegeben haben, in denen Tiere das Klima über ihren Methanausstoß beeinflussten, mutmaßen die Forscher.