Die Testperson glaubte, hinter ihren beiden Mitspielern würden sich echte Menschen verbergen. In Wahrheit spielte sie mit einem Computer. Dabei kam es immer wieder zu Situationen, in denen die beiden computergesteuerten Spieler einander minutenlang den Ball zuwarfen und den Probanden ignorierten. Der fühlte sich ausgeschlossen und traurig, wie er später angab.
Anzeige
In genau diesen Momenten machte Eisenberger Aufnahmen vom Gehirn der Versuchsperson und stellte fest, dass ein bestimmter Teil des limbischen Systems, der vordere Gyrus cinguli, besonders aktiv war. Dasselbe Gehirnareal läuft bei jungen Meerschweinchen auf Hochtouren, wenn man sie von ihrer Mutter trennt.
Trauer ist egoistisch
"Trauer ist ein eher egoistisches Gefühl", sagt Tobias Deschner. Um zu trauern muss man sich nicht in die Situation eines anderen Wesens hineinversetzen können oder die Folgen einer Handlung oder eines Geschehens verstehen. Diese im Fachjargon "Theory of mind" genannte Fähigkeit vermuten Wissenschaftler nur bei wenigen Tieren, darunter Schimpansen und Orang-Utans.
Doch ein Hund, der um seinen toten Besitzer trauert, muss nicht unbedingt begreifen, dass er ihn nie wieder sehen wird und dass der Tod etwas Endgültiges ist. Sein Verhalten ist möglicherweise lediglich Ausdruck von Verunsicherung und Verwirrung über die ungewohnte Situation.
Ob die Elefanten im Samburu-Nationalpark ein Verständnis vom Tod haben, kann auch Fritz Vollrath, Zoologe an der University of Oxford und Mitautor der Untersuchung, nicht beurteilen. Es gibt allerdings eine Studie, die darauf hinweist, dass Elefanten speziell die Überreste von Artgenossen betasten.
Knochen von anderen großen Pflanzenfressern und künstliche Objekte, die Wissenschaftler den Tieren im Amboseli-Nationalpark in den Weg legten, erregten ihr Interesse kaum. Das Betasten der Knochen mit dem Rüssel kann nach Ansicht von Vollrath einen ganz praktischen Grund haben: Informationen über die Todesursache zu sammeln und etwa dort, wo ein Elefant von einem Raubtier angefallen wurde, in Zukunft besonders aufmerksam zu sein.
Auf jeden Fall hatten die Elefanten im Samburu-Nationalpark nach dem Tod ihrer Anführerin Eleanor allen Grund, sich gestresst, allein gelassen und schutzlos zu fühlen - also all jene Emotionen zu haben, die als Ursprung von Trauer gelten.
Denn eine erfahrene Matriarchin sichert in kritischen Situationen das Überleben der Familie, sagt Fritz Vollrath, etwa weil sie weiß, wo es in Trockenzeiten noch Wasser gibt. Tatsächlich verlor Eleanors Familie nach dem Tod der Anführerin zwei Kälber und zerfiel in einzelne Splittergruppen.
Sie sind jetzt auf Seite 5 von 5
(SZ vom 19.08.2006)
Neue Nutzungsbedingungen