Tierversuche Schwein gehabt

An verletzten Schweinen sollten US-Soldaten in der Oberpfalz die Versorgung von Verwundeten üben. Aufgrund massiver Kritik wurden die Pläne jetzt aufgegeben.

Nach heftiger Kritik von Tierschützern und Bürgern werden Sanitäter der US-Armee in Grafenwöhr auf umstrittene Tierversuche verzichten müssen. Das Militär wollte auf dem Truppenübungsplatz in der Oberpfalz Tiere absichtlich schwer verletzen, damit ihre Streitkräfte die Versorgung von Kriegsopfern möglichst realitätsnah üben können.

Der Deutsche Tierschutzbund hatte gestern geschockt auf das Vorhaben reagiert und von "grausamen und unnötigen Experimenten" gesprochen. Als Versuchstiere wollte die Armee vor allem Schweine und Ziegen einsetzen, die nach den Ausbildungsrunden schließlich eingeschläfert werden sollten.

Eine Firma aus Brandenburg, die auf chirurgische und intensivmedizinische Seminare spezialisiert ist, war für die geplanten Versuche engagiert worden .

Laut der oberpfälzischen Regierung hatte das Unternehmen einen Antrag auf die Versuche nach dem Tierschutzgesetz gestellt.

Der Deutsche Tierschutzpräsident Wolfgang Apel war dagegen von Anfang an überzeugt, dass die Richtlinien des Gesetzes dadurch verletzt würden: "Hier liegt ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor."

"Es ist unfassbar, dass hier Tiere leiden sollen, obwohl es bereits eine Reihe von Alternativmethoden gibt, um rettungsmedizinische Fähigkeiten tierversuchsfrei zu erlernen", gab auch Tessy Lödermann vom bayerischen Tierschutzbund zu bedenken.

Worüber Tierschützer sich empören, ist in der Forschung schon seit der Antike gebräuchlich - Experimente mit Schweinen. Die Allesfresser sind dem Menschen von ihrer Anatomie her ähnlicher als viele denken:

Schweine als "Crash-Test-Dummies"

Ein Großteil ihrer Organe haben die gleiche Größe und Form wie die des Menschen, ihr Verdauungstrakt ist mit dem menschlichen vergleichbar und ihr Herz-Kreislauf-System zeigt eine ähnliche Anfälligkeit für Arteriosklerose.

Bis Mitte der 1990-er Jahre wurden Schweine beispielsweise als lebende "Crash-Test-Dummies" in der Autoindustrie eingesetzt, bevor durchgehend elektronische Puppen zur Verbesserung der Sicherheitsstandards hinter das Steuer gesetzt wurden.

Doch Schweine- für Menschenleben zu opfern, sorgt immer wieder für Empörung. Erst im vergangenen Januar mussten österreichische Forscher ein Experiment im Ötztal wegen massiver Proteste abbrechen.

Sie hatten 29 narkotisierte Schweine unter einer Schneemasse begraben, um zu beobachten, wie die Tiere sterben. Die Studie sollte neue Anhaltspunkte liefern, nach wie langer Zeit Lawinenopfer endgültig für tot erklärt werden könnten.

Schließlich musste nun auch die US-Armee der öffentlichen Kritik nachgeben und hat heute ihren Antrag auf die Tierversuche in Grafenwöhr zurückgezogen.