Im Streit um die Bremer Affenversuche zeigt sich ein ethisches Dilemma: Der Mensch bringt Tiere um - einfach weil er da ist und lebt.
Kleine Quizfrage: Wer steckt hinter dem Verein Neuland, der am 25. April dieses Jahres unter dem Motto "Sommer, Sonne und Bratwurst" in Berlin die 8. Bratwurstmeisterschaft abhielt, auf dass Fleischer um den Titel des Schöpfers der kreativsten Bratwurst konkurrieren? Richtig: Einer der drei Trägervereine ist der Deutsche Tierschutzbund (DTB). Im Vorstand von Neuland sitzt Wolfgang Apel, Präsident des DTB.
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Sind Affenversuche wirklich armselig, wie es eine Kampagne des Deutschen Tierschutzbundes behauptet? (© dpa/obs/Deutscher Tierschutzbund e.V.)
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Nächste Frage: Wer rief anlässlich des Internationalen Tags des Versuchstieres am 24. April dieses Jahres mal wieder zum Ende aller Versuche auf? Richtig: Tierschutzpräsident Wolfgang Apel, im Nebenberuf Vorstand der Fleischvermarktungsorganisation Neuland.
Eine freundliche Bezeichnung für eine solche Haltung ist: weltanschauliche Flexibilität.
Nichts gegen den Verein Neuland, der allem Vernehmen nach mit Erfolg versucht, eine artgerechte Tierproduktion zu fördern. Die Unverfrorenheit liegt in der Annahme, man könne ohne logischen Systemabsturz gleichzeitig Würstchen grillen und gegen Tierversuche protestieren. Dabei handelt es sich nicht nur um eine verschrobene Einzelmeinung, sondern die offizielle Position einer Organisation mit 800.000 Mitgliedern.
Der Prozess um die Affenversuche des Bremer Hirnforschers Andreas Kreiter ist deshalb ein Anlass, um diese weit verbreitete Haltung zu diskutieren. Seit gestern nämlich verhandelt das Bremer Verwaltungsgericht darüber, ob die Gesundheitsbehörde dem Forscher verbieten darf, weiterhin an den Gehirnen von Makaken zu experimentieren. Es wird ein Urteil von bundesweiter Bedeutung werden, weil hier die Grenzen der Forschungsfreiheit definiert werden. Kein Wunder, dass Tierrechtler derzeit wieder ihre Kampagnen intensivieren.
Gerne werden dann die Zahlen zitiert: So wurden in den Laboren Deutschlands im Jahr 2008 knapp 2,7 Millionen Tiere in Versuchen eingesetzt, darunter 2,3 Millionen Mäuse, Ratten und andere Nagetiere. Größere Tiere wie Schweine (13102), Rinder (6288), Schafe (4810), Pferde und ihre Verwandten (598), Hunde (445), Katzen (803) oder Affen (2285) sind relativ selten vertreten.
Starke Belastungen sind eher selten
Im Standardversuch werden Mäusen Substanzen injiziert. Dann nimmt man ihnen Blut oder Harn ab, am Ende werden sie eingeschläfert und seziert - große Schmerzen entstehen dabei nicht. Eher selten kommt es zu starken Belastungen, dann etwa, wenn die Versuchsziele den Einsatz von Schmerzmitteln verbieten oder die Tiere als chronisches Krankheitsmodell dienen. Allerdings erlaubt das Tierschutzgesetz solche Versuche nur, wenn mit ihnen wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. Sie müssen so wie alle Versuche den Behörden gemeldet und von ihnen genehmigt werden.
Aufschlussreich zur Einordnung des Themas ist aber vor allem der Vergleich mit der Fleischproduktion: "Rekordproduktion!" jubelt das Statistische Bundesamt in seiner Frühjahrsmeldung zum Thema. Rund 60 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde wurden demnach im vergangenen Jahr in Deutschland geschlachtet. Beim Geflügel meldet das Amt nur das Gewicht des erzeugten Fleisches: Hühner, Enten und Truthühner brachten 7,7 Millionen Tonnen auf die Waage. Anders als bei Tierversuchen prüft hier niemand, ob die Tötung eines Tieres zu rechtfertigen ist: Guter Appetit ist immer Grund genug.
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Versuche an Affen sind aus ethischen Gründen zu verbieten. Es gibt keine Rechtfertigung für diese Experimente. Versuche an Affen liefern keine Ergebnisse, die vorbehaltlos auf den Menschen übertragen werden können. Versuche an Affen führen in der Forschung nicht weiter und müssen deshalb auch aus methodischen Gründen abgeschafft werden. Denn die falschen Rückschlüsse, die aus Tierexperimenten gezogen werden, dienen nicht selten der Rechtfertigung, für den Menschen schädliche Produkte oder Technologien auf den Markt zu bringen. Wir brauchen nicht mehr Tierversuche, sondern neue, intelligente Lösungsansätze. Tierversuchsfreie Forschungsmethoden bieten solche Möglichkeiten. Deshalb müssen finanzielle und personelle Mittel, die bisher ganz selbstverständlich in Tierexperimente geflossen sind, für eine tierversuchsfreie Forschung freigegeben werden.
Liebe Kommentatoren, es schein mir ja so als ob ihr Gegener von Tierversuchen seid und nur wieder auf den Teil eingeht wo über Tierversuche an Affen geredet wird. Leider habt Ihr übersehen worum es wirklich geht, nämlich den Vergleich von Haltungen in verschiedenen Branchen. Ich habe gesehen wie mit Tieren im Schlachthof und in Labors umgegangen wird und muss euch sagen werdet Vegetarier. Die Viehhaltung beginnt schon sehr grausam ab dem ersten Tag der Geburt, Kälbchen werden sofort von ihrer Mutter getrennt und mit Milchersatzmitteln gefüttert da die gute Milch der Mutter für den Mensch bestimmt ist. Die Kälbchen werden gesammelt in ein kleines Gehege vor dem Bauernhof gesperrt, damit passanten sich die Tiere anschauen können. Gut denk man sich, das ist doch nicht so schlimm aber worauf ich hinaus will ist das es in Laboratorien Vorschriften gibt wieviel Platz Tiere mindestens haben müssen und in der Landwirtschaft kümmert sich niemand darum. Macht doch mal ein Praktikum im Schlachthof und ich verspreche euch, danach werdet ihr nicht mehr gegen Tierversuche sein sondern Gegner der kommerziellen Viehzucht. Wir freuen uns alle immer wenn bei ALDI & Co. das Fleisch billiger wird, aber das ist nur möglich wenn man bei der Haltung wieder Einsparungen gemacht hat. Ich bin KEIN Mitarbeiter der Pharmabranche und möchte mein Arbeitsplatz verteidigen, ich bin einfach nur realistisch. Wenn Tierschützer denken sie tun Gut daran, hierzulande gegen Tierversuche zu kämpfen, haben sie die Rechnung nicht zu Ende gedacht. Dann werden die Versuche eben irgendwo in Asien oder Amerika gemacht und da haben die Versuchstiere kein so ein "Luxusleben" wie in unseren Laboren. Klar muss man festlegen wo die Grenzen sind und was einen sinnvollen Nutzen hat, aber grundsätzlich gegen Tierversuch zu sein ist dumm.
Die Welt ist nicht nett - um zu dieser Erkenntnis zu gelangen ist der vorliegende Artikel sicherlich entbehrlich, denn sie ist so alt wie die Menschheit. Die implizierte moralische Konsequenz erscheint mir jedoch verhängnisvoll: Es ist dem Menschen prinzipiell nicht möglich ein Leben ohne Schuld zu führen, folglich sei es auch zwecklos danach zu streben. Diese Form des Fatalismus ist natürlich Wind in den rhetorischen Segeln jener, welche ihr unmoralisches Handeln zu entschuldigen suchen. Selbstverständlich rechtfertigt die Notwendigkeit, zum Zwecke der Selbsterhaltung, andere Lebewesen zu schädigen oder zu töten nicht im geringsten rücksichtsloses und maßloses Verhalten! Für diese Einsicht bedarf es die vom Autor angeführte Romantik nicht. Entsprechend hinfällig sind die folgenden Ausführungen unserer Unfähigkeit zum moralischen Umgang mit unserer Umwelt. Zudem letztere zu leichtfertig gewählt wurden: Da Tiernahrung aus Fleischabfällen hergestellt werden, tragen diese gegenwärtig nicht ursächlich zur Tötung von Tieren bei. Es ist selbstverständlich besser den Tod von 500.000 Tieren durch Mähmaschinen in Kauf zu nehmen, als 60 Millionen "Nutztiere" des reinen Vergnügens wegen zu schlachten. Und natürlich würden die von der Jagd befreiten Rehe nicht den Wald zerstören, wenn wir den größtenteils ausgerotteten Raubtieren wieder eine Chance gäben.
Es bleibt positiv anzumerken dass unser Umgang mit Tieren überhaupt als unmoralisch erkannt wurde: in unserer durch christliche Ideologie geprägten Gesellschaft, welche großteils nicht einmal realisiert, dass der Mensch ein Säugetier ist, leider keine Selbstverständlichkeit.
Ich stimme EPetras voll zu und gehe noch weiter. Wenn es so ist, dass die Versuche mit Menschen nicht durchgeführt werden dürfen, dann doch mit Tieren erst recht nicht. Was gibt uns das das Recht, dass wir für uns beanspruchen, über den Tieren zu stehen? Wir sind eine gleichberechtigte Laune der Natur, die sich diesen Planeten für einen bestimmten Zeitabschnitt mit den Tieren teilt.
Von "meiner" Süddeutschen bin ich normalerweise gute Rechercht und ausgewogene Berichterstattung gewohnt, doch dieser Artikel weist beide Elemente leider nicht auf.
1. Allein die Fixierung im Primatenstuhl ist so belastend, dass Studenten, dies schon nach kurrzer Zeit abbrachen, weil sie es nicht länger aushielten. Es ist zynisch, von Freilwilligkeit zu reden und den Tieren gleichzeitig Wasser zu entziehen - weder Menschen noch andere Primaten halten Wasserentzug über längere Zeit aus. Es besteht Konsens darüber, dass auch dies belastend wirkt. Und natürlich geht eine OP trotz Narkose hernach zumeist mit Schmerzen einher, schließlich wird die Schädeldecke aufgebohrt. Wenn Forscher dies bagatellisieren, mag dies ein Selbstschutzverhalten sein. studien belegen, dass Forscher das Leiden ihrer Versuchstiere sehr oft als zu neidrig einschätzen. Auch Forscher sind eben nicht gegen den "Wunsch als Vater des Gedankens" gefeit. Unseriös wird es, wenn Journalisten dies ungeprüft übernehmen. "[...]werden mit Saft belohnt" ist ein zynischer Euphemismus, die Gegenseite wrude offensichtlich nur oberflächlich oder gar nicht angehört.
- Die Forschungen sind immerhin seit 20 Jahren gelaufen und haben für den Menschen kaum etwas gebracht. Zu erwarten, dies würde ausgerechnet jetzt passieren, ist naiv. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fürchtet schlicht einen Präzedenzfall, daher unterstützt sie Kreiter. Sehr viele Froscher forschen eben auf diese Weise, weil sich die Methode etabliert hat. Sie haben so Doktortitel erworben, sind diese Art von Forschung gewohnt und wollen sie gern weiterführen. Die Ausstattung ist zumeist vorhanden und Publikationen fallen auf diese Weise leicht. Doch: Die Methode musste nie die strengen Validierungsverfahren durchlaufen, die für Alternativmethoden vorgeschireben sind. Eine Übertragung der Froschungsergebnisse auf den Menschen ist immer schwierig und auch bei Primaten nicht so einfach gegeben. Wäre es nicht so, wären Affen Menschen und man dürfte ohnehin nicht mit ihnen experimentieren. Dei Froschugnsergebnisse sind daher oft nicht verwertbar oder irreführend. Nebenwirkungen von Medikamenten werden in den meisten Fäleln erst am Menschen erkannt, so schlecht sind die Übertragungschancen. Der Tierversuch führt in diesen Fällen also eine Alibifunktion aus. Eine Umsteuerung in Richtung alternativer Verfahren wäre eine echte Chance auch für die Forschung, weil so mehr Forschung zum günstigeren Preis mög