Die EU-Kommission verbietet den industriellen Fang von Thunfisch im Mittelmeer. Das ist auch dringend notwendig, denn der Rote Thun steht am Rande der Auslöschung.
In der Dunkelheit wirkt die Kaimauer wie das Gerippe eines Urzeitfisches. Dutzende rostige Anker liegen herum. Ein paar Männer kommen auf alten knatternden Mopeds. Die Hafenstraße entlang, vorbei an der Fischfabrik und einer kleinen Kapelle. Die Ersten steigen in ihre Boote, lehnen an der Reling, gähnen und frösteln.
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Die Netze von mehr als 600 hochtechnisierten Fangschiffen ziehen sich immer enger um eine dramatisch schrumpfende Zahl von Thunfischen. (© Foto: AFP)
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Es ist fünf Uhr früh und ungewöhnlich kalt für Anfang Juni. Dann kommt das Signal: alle da. Mit brummenden Dieselmotoren verlassen die Schiffe den Hafen. Vier hölzerne Kutter, etwa 50 Mann Besatzung, ein halbes Dutzend Beiboote im Schlepptau. Es ist die Thunfischflotte von Barbate.
Die Fangsaison an der südspanischen Atlantikküste geht bereits zu Ende, und wieder war es ein enttäuschendes Jahr. Kaum mehr als 6600 Thunfische gingen den Fischern seit Anfang Mai ins Netz.
Dabei waren die Bedingungen ideal, das Wasser klar, die Mondphasen günstig und das Meer so ruhig wie lange nicht mehr. "In einer Saison wie dieser hätten wir früher fünfmal so viel Fisch gefangen", sagt Joaquim, der Kapitän der Fischer. Neben ihm steht Ana, die einzige Frau an Bord. Die Biologin berät die Fischer von Barbate seit fast einem Jahr. Sie sagt: "Die Schwärme von früher kommen nicht mehr zurück."
Auf den Roten Thunfisch haben es Joaquim und seine Männer abgesehen, einen der größten und schnellsten Fische der Weltmeere. Mehr als vier Meter lang werden diese Hochsee-Jäger und können ein Gewicht von 700 Kilogramm erreichen.
Außer Walen keine natürlichen Feinde
Seinen Namen verdankt der Rote Thun der kräftigen Farbe seines Fleisches. Seine Haut, grau auf dem Rücken, silbrig am Bauch, ist glatt wie Kerzenwachs. Mit Schlägen seiner sichelförmigen Schwanzflosse beschleunigt er auf 80 Kilometer pro Stunde.
Der Thun zählt zu den wenigen warmblütigen Fischen. Selbst in den eisigen Gewässern Norwegens bleibt seine Körpertemperatur bei mehr als 27 Grad Celsius. Dafür muss er immer in Bewegung bleiben - und ständig fressen.
Der majestätische Fisch hat außer Walen keine natürlichen Feinde. Bis zu 30 Jahre wird er alt. Der Speiseplan eines ausgewachsenen Thuns liest sich wie eine marine Enzyklopädie. Sardinen, Makrelen und Kalmare verschlingt er ebenso wie Quallen, Schwämme und Seepferdchen. "Der Rote Thun frisst fast alles, was er fangen kann, und kann fast alles fangen, was schwimmt", sagt der amerikanische Fischerei-Experte Richard Ellis, der den Riesenfisch als "König der Ozeane" verehrt.
Das klingt ganz anders als der Titel, den der Thunfisch einst trug: "Hühnchen des Meeres" hieß er noch vor 40 Jahren, als es ihn im Überfluss gab. Sogar in der Nordsee hat man ihn damals gefangen. Erst der Kult um Sushi und Sashimi, der in den 1980er Jahren aus Japan nach Amerika und Europa schwappte, machte den Roten Thun weltweit zu einer gefragten Delikatesse - und mittlerweile im Meer zu einer Rarität. Jahrzehnte der Überfischung haben die Bestände dezimiert.
Der Südliche Rote Thun (Thunnus maccoyii), der vor allem in australischen und indonesischen Gewässern lebt, wird seit zehn Jahren auf der Liste der gefährdeten Arten geführt, die letzte Stufe bevor ein Wildtier als ausgerottet gilt. Seine atlantischen Verwandten (Thunnus Thynnus), für die bisher verlässliche Daten fehlten, könnten noch in diesem Jahr folgen. Meeresbiologen schätzen, dass die Zahl der geschlechtsreifen Tiere seit den 1970er Jahren um 90 Prozent geschrumpft ist.
Für den Ort Barbate ist die Thunfisch-Krise eine Katastrophe. Das 22.000-Einwohner-Städtchen hat kaum Hotels und keine Sehenswürdigkeiten. 600 Familien sind direkt vom Fischfang abhängig. Schon zerbröckelt das soziale Gefüge. Die Jüngeren ziehen weg oder schmuggeln Rauschgift aus dem nahen Marokko. Der Beruf ihrer Väter interessiert sie nicht mehr.
Bevor die Boote an diesem Morgen das offene Meer erreichen, fahren sie an einem hell beleuchteten japanischen Frachter vorbei. Etwa 100 Meter misst die Lady Tuna. Ein Koloss verglichen mit den Kuttern der Spanier. Seit fast 30 Jahren kommen die Japaner zur Fangsaison an die südspanische Atlantikküste.
Ein Milliardengeschäft
Das Fleisch des Roten Thun kostet auf dem Fischmarkt von Tokio zwischen 20 und 30 Dollar pro Kilogramm. Manche Exemplare sind gar ein Vermögen wert. Im Jahr 2001 wurde ein 200-Kilo-Thun mit besonders zartem und fetthaltigem Fleisch für 176.600 Dollar versteigert. Das macht die Jagd auf den Roten Thun zu einem Milliardengeschäft.
Die Fischer von Barbate nutzen eine in Jahrhunderten der Fischerei entwickelte Fangtechnik. Antike Aufzeichnungen zeigen, dass schon die Phönizier kreuz und quer durchs Mittelmeer fuhren, um den Roten Thun mit großen Reusen zu fangen. Ihr Wissen wurde von den Griechen übernommen, bei denen sich wiederum die Römer bedienten.
Südlich von Barbate haben Archäologen die Ruinen einer antiken Fischverarbeitungshalle ausgegraben und römische Münzen mit Thunfisch-Prägungen gefunden. Später, als die Araber auf die Iberische Halbinsel vordrangen, übernahmen sie die Fangtechnik der Phönizier und gaben ihr ihren heutigen Namen: Almadraba. Wörtlich übersetzt heißt das: Ort, an dem gekämpft wird.
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Linke mit neuer Führung
die EU ist den Wirtschaftsinteressen völlig ausgeliefert, sie schreitet erst ein, wenn fast nichts mehr zu machen ist. @nikopol, ja das Parlament wäre durch den Vertrag gestärkt worden, durch mehr Mitsprache, aber ohne mehr Entscheidungsrechte. Das ist es, die Länder verlieren ihre demokratischen Systeme für eine EU Scheindemokratie, in der es nach der Pfeife der Lobbyisten geht. Bestes Beispiel: Merkel will CO2 einsparen, setzt sich aber in der EU für die Spritfresser ein. Wichtiges Ziel des Reformvertrags wäre eine Legalisierung von Lohndumping (Europäischer Gerichtshof), Militarisierung (Bundeswehr als Interventionsarmee) und grenzüberschreitende Überwachung. Es gibt sehr gute Gründe diese Art von Europa abzulehnen.
Viele Arten sind wegen zu hoher Fangquoten und umweltzerstörender Fangtechniken nahezu ausgerottet.
In Anbetracht der Schadstoffbelastungen der Meere wird deutlich, daß Fisch kein gesundes Nahrungsmittel sein kann, denn aus verschmutzten Gewässern können keine "unverschmutzten" Fische kommen. Die in den Wassertieren abgelagerten Schadstoffe wie Arsen, Blei, Cadmium, Quecksilber und Pestizide werden mitgegessen, ebenso wie die in den Aquafarmen den Tieren zugeführten Wachstumshormonen und Antibiotika.
Aquafarmen sind keine Alternative, da sie im höchsten Maße umweltgefährdend und tierquälerisch sind. Weltweit werden so ca. 16 Mio. Tonnen Fisch gezüchet. Meist wird nur eine einzige Art in Monokultur mit umfangreicher Technik und Chemikalien auf engstem Raum herangezogen. Kraftfuttercocktails sollen die Fische schnellstmöglich verkaufsreif wachsen lassen. Die Stoffwechselprodukte der Fische verursachen eine explosionsartige Ausbreitung der Algen und eine ökologische Zerstörung des Gewässers.
Wie war das noch mal:
Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werden die Menschen feststellen,
dass man Geld nicht essen kann.
bon appétit...
Der neue EU-Vertrag hätte dazu geführt, dass nicht mehr alle Länder zu allem zustimmen müssen. Somit hätten einzelne Länder es schwerer gehabt ihre Pfründe zu verteidigen und den Rest Europas zu erpressen. Auch das Parlament wäre gestärkt worden, was Transparenz fördert und Hinterzimmerabsprachen erschwert. Ihre Freude ist zumindest in Bezug auf die innereuropäische Entscheidungfindung völlig fehl am Platz, auch wenn das Zustandekommen und einige Inhalte des Vertrags durchaus kritisierbar sind.
sogar das Problem kriegt die EU nicht in den Griff.
Große Töne spucken und unausgereifte Verträge abschließen wollen (was ja gottseidank gescheitert ist), das können sie, aber ein paar Fische vorm Aussterben schützen, da müßten sie sich ja mit der Fischereiflotte der Mitelmeeranrainerstaaten auseinandersetzen, das geht nicht, deren Lobbyisten sitzen schon in Brüssel.
Nur die Thunfische haben bislang noch keinen gefunden.