Tea Party gegen Umweltschutz "Global Warming is bullshit!"

Amerikas Rechte nutzt den eskalierenden Schuldenstreit mit Präsident Obama für einen Angriff auf den Umweltschutz. Und sie stellt nicht nur wirtschaftliche Interessen über Umweltfragen. Offenbar meinen die Konservativen, mit politischen Ansichten auch die Physik des Planeten übertrumpfen zu können.

Von Patrick Illinger

Auf großen Versammlungen der Tea- Party-Bewegung in den USA kommt es immer wieder vor, dass Tausende Menschen mit Sprechchören gegen den Klimawandel ankämpfen. "Global Warming is . . ." ruft dann ein Agitator von der Bühne, und die aufgebrachte Menge antwortet "bullshit!", zu Deutsch: Die globale Erwärmung ist ein "Scheißdreck".

In solchen Momenten wird deutlich, dass Amerikas Rechte nicht mehr nur versucht, wirtschaftliche Interessen über Umweltfragen zu stellen. Sie meint offenbar auch, mit politischen Ansichten die Physik des Planeten übertrumpfen zu können.

Die Probleme der US-Konservativen mit Umweltfragen haben eine lange Tradition. Naturschützer und Klimaforscher erinnern sich mit Schaudern an die Präsidentschaft von George W. Bush, in der Klimaabkommen keine Chance hatten und die US-Umweltbehörde EPA zur Staffage degradiert wurde.

Nun nutzen republikanische Politiker den eskalierenden Schuldenstreit mit Präsident Obama, um erneut massive Schläge gegen die Umweltgesetze der USA auszuteilen. Mehrere Dutzend Gesetzesänderungen haben republikanische Abgeordnete des Repräsentantenhauses zusammengetragen. In dieser Woche sollen sie zur Abstimmung kommen.

Demokratische Parlamentarier und Umweltschützer haben aus dieser Flut von Anträgen einen Katalog destilliert, der sich liest wie ein Abgesang auf jegliche Form des Umwelt- und Naturschutzes.

Viele der geforderten Maßnahmen zielen darauf ab, die Zuständigkeit von Behörden wie der EPA, des Forst- oder Fischereiamts zu beschneiden und Etats zu kürzen, die es für die Durchsetzung von Naturschutz braucht.

Zu letzteren gehört zum Beispiel die Abschaffung von Bootskontrollen auf dem Yukon-Fluss in Alaska und eine Sperre für Studien, die das Krebsrisiko von Arsen und Formaldehyd untersuchen.