Tauchroboter Baumarkt in der Tiefe

Ferngesteuerte Roboter erlauben Arbeiten am Meeresgrund in einer Tiefe, die Taucher nicht mehr schaffen. Daher können sie zur Erschließung neuer Ölfelder vor den Küsten eingesetzt werden.

Von Alexander Stirn

Bohrer, Schraubendreher, Kabelschneider, aber auch Kreissägen, Schleifmaschinen und Presslufthammer: Wenn am Meeresgrund gearbeitet werden muss, kommt heutzutage das gesamte Sortiment eines Baumarkts zum Einsatz.

Nur Handwerker arbeiten dort unten nicht. Ihre Aufgaben sind komplett von ferngesteuerten Tauchrobotern übernommen worden - von komplexen und zunehmend intelligenten Maschinen.

Ursprünglich vom amerikanischen Militär entwickelt, um zu abgestürzten Flugzeugen und havarierten U-Booten vorzudringen, weckten die Unterwasserroboter in den 1970er-Jahren das Interesse der Ölindustrie.

Immer weiter drangen die Bohrfirmen damals ins Meer vor, so weit, dass der Einsatz von Menschen teuer, kompliziert und gefährlich wurde: Berufstaucher können zwar - wie in der Nordsee - auch in 600 Metern Tiefe noch arbeiten, müssen anschließend aber mehrere Wochen in einer Dekompressionskammer verbringen, wo sie sich ganz langsam wieder an den geringeren Druck der Erdoberfläche gewöhnen.

Roboter sind da deutlich genügsamer. Sie können von einem Schiff aus ins Wasser gelassen werden, erreichen ferngesteuert ihr Einsatzziel, erledigen in Ruhe die gewünschten Aufgaben und kehren anschließend zum Mutterschiff zurück.

Tauchtiefe und Aktionsradius werden dabei einzig von der Länge des Verbindungskabels begrenzt. Durch diese Nabelschnur bekommen die Roboter nicht nur Strom und Steuersignale, die Maschinen liefern auch Videobilder vom Meeresgrund. Diese Aufnahmen, von Scheinwerfern spärlich erleuchtet, zeigen den Piloten, wohin sie ihre Maschinen steuern und wo sie ihre Werkzeuge ansetzen sollen.

Knapp 500 schwere Tauchroboter (so genannte Remotely Operated Vehicles, ROVs) sind derzeit in den Weltmeeren unterwegs. "Sie sind die Schlüsseltechnologie für die Erschließung neuer Ölfelder vor den Küsten", sagt Rod Westwood vom britischen Marktforschungsinstitut Douglas-Westwood.

Die Analysten nehmen an, dass sich daran - trotz der zunehmenden Kritik an der Offshore-Förderung - wenig ändern wird: Bis zum Jahr 2015 sollen weitere 550 Unterwasserroboter hinzukommen.

Achtköpfige Bedienungsmannschaft

Auch wenn die Maschinen im Vergleich mit Tauchern viele Vorteile haben, kommen sie nicht ohne Menschen aus. Große Roboter wie der ROV Kiel 6000 des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften brauchen eine achtköpfige Bedienungsmannschaft - darunter zwei Piloten für Joystick und Greifarme sowie Techniker und Ingenieure, die sich um Elektrik, Hydraulik, Video- und Datenübertragung kümmern. Das geht ins Geld und beschränkt die Einsatzdauer der Maschinen.

Der Trend geht daher zu automatischen Tauchrobotern. Schon heute werden für die Überwachung von Pipelines und die Suche nach neuen Ölfeldern hauptsächlich autonome U-Boote eingesetzt. Ohne Verbindung zur Oberfläche können sie tagelang zuvor festgelegte Routen abfahren.

Im kommenden Jahr will das britische Unternehmen Subsea7 zudem das nach eigenen Angaben erste vollautomatische Inspektions-U-Boot auf den Markt bringen. Es soll Bohrlöcher und Rohre auf eigene Faust untersuchen.

Auch an autonomen Reparaturrobotern wird bereits geforscht, ihr Einsatz dürfte allerdings einige Jahre auf sich warten lassen. Im Umgang mit Kreissäge und Presslufthammer in dunklen Tiefen sind menschliche Handwerker noch immer ungeschlagen - auch wenn sie kilometerweit entfernt an der Fernsteuerung sitzen.