Die Physikerin Nora Graser überwintert zurzeit mit acht weiteren Menschen auf der deutschen Forschungsstation "Neumayer" des Alfred-Wegener-Instituts in der Antarktis.

Diese Woche haben uns die Erdbeben auf der Südhalbkugel beschäftigt. In Südamerika und auf den Solomon-Inseln gab es Erdstöße und Nachbeben. Wir haben zwar nichts davon gespürt, aber unsere Messgeräte zeichneten die seismischen Wellen auf.

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Dieses ,,Erdbeben picken'' war für Christine und mich die Hauptarbeit. Je nachdem, wie aktiv die Erde war, hatten wir damit vier bis acht Stunden täglich zu tun. Wir werteten die Seismometerspuren der von uns betreuten beiden Außenposten und des bei der Neumayer-Station selbst aufgestellten Seismometers aus. Hinzu kamen die Daten der südafrikanischen Station Sanae, die 250 Kilometer von uns entfernt liegt.

Eine unserer beiden Außenstationen ist in der Lage, automatisch die Richtung einer ankommenden Erdbebenwelle zu bestimmen. Anhand dieser Daten und mithilfe von Erdbebenlisten aus internationalen Seismologie-Datenbanken durchforsteten Christine und ich täglich die Seismogramme des vorangehenden Tages auf Erdbebenwellen und bestimmten, wann genau sie die Messgeräte erreicht hatten.

Stromausfall am Feiertag

Diese Daten werden in internationale Datenbanken eingespeist, um zum Beispiel verbesserte Erdmodelle zu erstellen. Unser Netzwerk für seismologische Beobachtungen ist das erste nahezu kontinuierlich arbeitende seismologische Messfeld in der Antarktis, und wir machen diese Arbeit jeden Tag, da gibt es keine Ausreden wie Feiertag oder Wochenende.

Als Entschädigung gab es für Christine und mich am Osterwochenende das erste Vollbad seit vier Monaten. Der Schmelzbehälter und die Wassertanks müssen in regelmäßigen Abständen gereinigt werden, und bevor das geschah, haben die Techniker uns zu einem Bad in der Schmelze eingeladen, wo sonst Schnee zu Frischwasser gemacht wird. Durch eine kleine Luke konnten wir in die halbvolle Schmelze klettern, die etwa 27 Grad Celsius warm war.

Das Wasser war so tief, dass wir gerade noch stehen konnten, und wir haben es sehr genossen, mal wieder ,,schwimmen'' zu gehen, obwohl der Tank ziemlich eng ist. Nach unserem Bad wurde die Schmelze vollständig leergepumpt und von innen geschrubbt - so haben wir das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden.

Am Ostersonntag fand jeder ein antarktisches Osternest vor seiner Tür und am Abend wurde Ostern mit gutem Essen und einem anschließenden Tanzkurs gefeiert. Am Ostermontag gab es dann erstmal einen Schreck: Der Dieselgenerator - und damit der Strom - waren zum erstenmal ausgefallen.

Da rutscht einem schon das Herz in die Hose, wenn auf einmal nur noch die Notleuchten der Station funktionieren und lautstark alle über Elektromagnete gesteuerten Feuerschutztüren zufallen. In so einem Moment wird einem die Autarkie der Station sehr bewusst. Aber unsere Techniker René und Michael haben die Generatoren schnell wieder zum Laufen gebracht.

NORA GRASER, Neumayer-Station, 70°39'S 8°15'W, Atka Bay, Antarctica

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