Knapp drei Monate nach der verheerenden Flutkatastrophe mit mehr als 300.000 Toten haben Indonesien und Deutschland die Übergabe des Warnsystem des Geoforschungszentrums Potsdam besiegelt. Voraussichtlich ab Oktober werden die ersten Bojen vor der indonesischen Küste ausgesetzt.
Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten Bundesforschungs- ministerin Edelgard Bulmahn und ihr Amtskollege Kusamayanto Kadiman in der indonesischen Hauptstadt Jakarta.
Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn und ihr Amtskollege Kusamayanto Kadiman (© Foto: dpa)
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Federführend bei der Entwicklung des Systems war das Geoforschungszentrum Postdam (GFZ).
Bulmahn zeigte sich gegenüber indonesischen Journalisten gegenüber optimistisch, dass das System auch funktioniert.
"Es funktioniert!"
"Es funktioniert!", erklärte die Ministerin, und in der hochkarätigen Wissenschaftler-Delegation, die sie begleitet, ist man sogar noch weiter:
Dort denken die Experten schon konkret darüber nach, wie bereits in wenigen Jahren vom Weltall aus die Menschen in Gefahrzonen vor Monsterwellen geschützt werden sollen.
Zunächst jedoch werden es Spezial-Bojen, Drucksensoren am Meeresboden und Erdbeben-Messgeräte sein, die zusammen das deutsche Frühwarnsystem des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) ergeben.
An die zehn der Bojen soll das Forschungsschiff "Sonne" vermutlich von Ende Oktober an vor der indonesischen Küste aussetzen. Dort schlagen sie und die Sensoren in der Tiefe dann Alarm, wenn sich der Wasserpegel nach einem Erdbeben gefährlich hebt und auf einen Tsunami schließen lässt.
Erfolgreiche Tests mit einer einzigen Boje in der Nordsee lässt die Experten auf die Technik vertrauen. "Neueste Technologien" kämen dort zum Einsatz, wirbt Bulmahn, die "schnellstmögliche Vorwarnzeiten" sicherten.
Alarmmeldung über Satellit
Die Messstationen im Meer registrieren das Seebeben oder den höheren Wasserdruck, der bei einem Tsunami entsteht und melden über Satellit die drohende Gefahr an die Alarmzentralen. Von dort können Warnungen dann per Internet, SMS oder über die Medien an jene weitergegeben werden, auf die die Flut zurollt.
45 Millionen Euro lässt sich die Bundesregierung das deutsch-indonesische Projekt kosten, finanziert aus jenen 500 Millionen Euro, die Berlin als ihren Teil der finanziellen Fluthilfe zur Verfügung gestellt hat.
Bulmahn wertete den Zuschlag Indonesiens für die Einrichtung - auch stellvertretend für die deutschen Geowissenschaften - als großen Erfolg. Nun komme es darauf an, "dass die Frühwarn-Technik von den Menschen vor Ort angenommen wird".
Aus diesem Grund stellen in diesen Tagen Mitarbeiter des GFZ das System in Indonesien vor und erklären dessen Betriebsweise, sagte GFZ-Sprecher Franz Ossing.
Auch andere Länder sind interessiert
Bulmahn zufolge haben sich neben Indonesien auch Sri Lanka und andere Länder rund um den Indischen Ozean an einer Zusammenarbeit mit Deutschland interessiert gezeigt. Die Technik könne weitere Länder in der gefährdeten Region vor Flutwellen warnen. "Unser System ist ein wichtiger Baustein in der Entwicklung eines weltweiten Frühwarnsystems", sagte die SPD-Politikerin.
Bei der Entwicklung erhielt das Geoforschungszentrum Potsdam direkte Unterstützung vom Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt, dem Alfred-Wegener-Institut für Polar-und Meeresforschung, der Universität Karlsruhe und der Münchner Rückversicherung.
Indonesien braucht dringend ein Frühwarn-System - das war auch vor dem Tsunami Ende letzten Jahres klar. Direkt vor der Küste des riesigen Inselreichs liegt der berüchtigte Sunda-Bogen.
Dort treffen die Erdplatte des Indischen Ozeans und die Australische Platte direkt aufeinander und lassen Indonesien hunderte Male pro Jahr erzittern. Indonesische Experten wissen von weit über 100 Tsunamis in den vergangenen 200 Jahren.
Erst 1996 gab es nach einer Flutwelle 160 Tote zu beklagen. Doch würden neben Indonesien auch andere Ozean-Anrainer von den Daten des System profitieren, so sie nur wollten, versichert Bulmahn.
GFZ-Leiter Rolf Emmermann hält derweil die Kombination aus Bojen und Drucksensoren am Meeresboden nur für eine "Übergangslösung". Viel zu teuer und aufwendig sei auf Dauer die Wartung.
"Die Satellitentechnik macht unheimliche Fortschritte", berichtet er. Gar nicht mal so teuer sei es, spezielle Erdtrabanten zu entwickeln und so zu positionieren, dass sie - wie derzeit noch Bojen und Messgeräte - die Meeresoberfläche genau im Blick behielten.
Als "Baustein in der Entwicklung eines weltweiten Frühwarnsystems" sieht derweil Ministerin Bulmahn das deutsch-indonesische Projekt. In fünf Jahren könnte man durchaus ein globales Alarmnetzwerk einrichten, sagt GFZ-Chef Emmermann. "Aber das hängt natürlich vom Geld ab", nennt er das Haupthindernis beim Namen.
(Frank Brandmaier/dpa)
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