Südamerikanischer Singvogel Erstaunliche Lieder aus dem Regenwald

Flattert da ein musikalisches Genie durch den Urwald? Ein Vogel vom Amazonas singt mit erstaunlicher Musikalität. Wissenschaftler berichten, dass die Tonfolgen des Flageolettzaunkönigs Stücken von Johann Sebastian Bach oder Joseph Haydn stark ähneln.

Von Sebastian Herrmann

Er ist ein flatterhaftes Wesen, doch seine Kunst hinterlässt bleibenden Eindruck. Der Flageolettzaunkönig lebt in den Regenwäldern des Amazonasgebietes und pfeift Melodien von verblüffender Musikalität. Die Tiere singen vor allem konsonante Intervalle, also Tonfolgen, die der Mensch als harmonisch und wohlklingend empfindet.

Besondere Vorliebe hat der Flageolettzaunkönig dabei für perfekte Konsonanzen - etwa Oktaven sowie reine Quinten und Quarten. Von anderen Singvögeln ist ein vergleichbar harmonischer Gesang nicht bekannt. Doch offenbar findet die Kunst des Flageolettzaunkönigs Widerhall in der Kultur der Menschen, berichten die Komponistin Emily Doolittle vom Cornish College of Arts und Henrik Brumm vom Max-Planck-Institut für Ornithologie (Journal of Interdisciplinary Music Science, online).

Die Tonfolgen tauchen in zahlreichen Liedern des Landes auf

Der Gesang der Vögel habe eine erstaunliche formale Ähnlichkeit mit menschlicher Musik, berichten die Wissenschaftler. Und womöglich beeinflusst der Gesang der Flageolettzaunkönige auch Stücke aus Brasilien. Die Tonfolgen des typischen Gesangs der Tiere tauche in zahlreichen Liedern des Landes auf, schreiben Doolittle und Brumm.

Auch die Hochkultur des südamerikanischen Landes beschäftigte sich mit den Tieren: Im Jahr 1917 veröffentlichte der Komponist Heitor Villa-Lobos ein Ballettstück mit dem Titel "Uirapuru" - so lautet der portugiesische Name des musikalischen Tieres. Die Gesänge des Flageolettzaunkönigs enthielten auch Tonfolgen, die Motiven aus Stücken von Johann Sebastian Bach oder Joseph Haydn stark ähnelten, berichten die Wissenschaftler.

Flattert da ein musikalisches Genie durch den Dschungel? Wie die Gesänge auf die Tiere selbst wirken, ob sie eine bewusste Vorstellung von Melodie haben, ist unbekannt. Zumindest singt der Vogel nicht in einer Tonart, wie das ein Mensch machen würde. Die Vorliebe für perfekte Intervalle erweckt im menschlichen Zuhörer nur den Eindruck, dass der Flageolettzaunkönig einer Tonleiter folgt. Und die Musik des Menschen, woher stammt die eigentlich? Aus dem Wald?