Suche nach einem Atom-Endlager Experiment mit offenem Ausgang

Vertreter der Länder kommen heute im Bundesumweltministerium zusammen, um über Alternativen zum Atom-Endlager Gorleben zu diskutieren. Der Zeitpunkt für die Debatte scheint so günstig zu sein wie nie.

Von Michael Bauchmüller

Schon dem Bundeskanzler Helmut Schmidt war klar, dass die Atomkraft zwei Seiten hat. "Es geht nicht an, ökonomische und Versorgungsvorteile der Kernenergie in Anspruch zu nehmen", mahnte der SPD-Kanzler 1979 im Bundestag, "die Lasten dagegen auf den Nachbarn abwälzen zu wollen."

Experten für Endlager halten grundsätzlich drei Gesteinsarten für geeignet, hochradioaktiven Atommüll für Hunderttausende Jahre sicher von den Kreisläufen des Lebens zu isolieren. Da ist zum einen Granit, für den sich zum Beispiel Schweden und Finnland entschieden haben; Tongestein wird von Frankreich und der Schweiz favorisiert, und Deutschland untersucht in Gorleben einen Salzstock. In jedem Fall müssen die Gesteinslagen an möglichen Standorten groß, homogen und geologisch ungestört sowie erdbebensicher sein. Auch wenn das gegeben ist, hat jedes Material spezifische Vor- und Nachteile. In Granit zum Beispiel lassen sich sehr stabile Tunnel anlegen. Aber wenn Risse entstehen, gibt es wenig, was einen Wassereinbruch stoppen kann. Das müssen dann die Behälter gewährleisten. Ton hingegen absorbiert Wasser, kann aber Wärme nicht gut ableiten, dafür muss ein Füllmaterial sorgen. Und Salz schließlich umfließt irgendwann die Behälter und schließt sie dicht ein. Das Gestein ist aber empfindlich gegen Wasserzulauf. Darum haben sich die Experten von der Idee verabschiedet, den idealen Standort zu finden. "Es gibt kein Wirtsgestein, das grundsätzlich immer eine größte Endlagersicherheit gewährleistet", heißt es in einem Bericht des Bundesamts für Strahlenschutz von 2005. Deutschland hat neben Salzstöcken auch Tonstein-Lagen zu bieten , die noch nie genauer untersucht wurden. (cris)

(Foto: dapd)

Seinerzeit ging es um die Einrichtung von Zwischenlagern von Atommüll, ein Endlager schien schon gefunden zu sein: Gorleben. "Aber bis zur Bereitstellung endgültiger Entsorgungsmöglichkeiten wird schon aus technischen Gründen noch eine Reihe von Jahren vergehen", sagte Schmidt. Wie recht er doch haben sollte.

Ziemlich genau 32 Jahre später werden an diesem Freitag die Vertreter der Länder im Bundesumweltministerium zusammentreffen, es geht immer noch um eben diese "endgültige Entsorgungsmöglichkeit".

Das Problem Atommüll ist so wenig gelöst wie damals, und selbst Gorleben steht in Frage. Akribisch arbeitet ein Untersuchungsausschuss das hemdsärmelige Verfahren auf, mit dem der Salzstock in den Siebzigern erwählt wurde, und auch Niedersachsen will erkennbar nicht mehr viel von dem Projekt wissen. Das Projekt Endlager geht zurück auf Start - gut 50 Jahre nach Beginn des Atomzeitalters in Deutschland.

Wie aber findet man einen geeigneten Ort, erst recht in Deutschland, wo schon eine Biogasanlage Stoff für erbitterten Widerstand bietet? Wo Bürger über mittlerweile zwei Generationen ein Projekt wie Gorleben bekämpfen, wo jeder Castor-Transport zum Politikum wird? Alle bisherigen Versuche scheiterten schon im Ansatz. So setzte die rot-grüne Bundesregierung zwar 1999 einen Arbeitskreis ein, der Kriterien für ein im Ergebnis offenes und in jeder Hinsicht transparentes Auswahlverfahren ersann.

Dabei aber blieb es. Sowohl die Stromkonzerne als auch die Union wollten alles vermeiden, was Gorleben hätte in Frage stellen können. Schließlich sind dort inzwischen rund 1,6 Milliarden Euro verbuddelt. Ein Endlagersuchgesetz des grünen Umweltministers Jürgen Trittin ging 2005 sang- und klanglos unter, ebenso ein Vorstoß seines Nachfolgers Sigmar Gabriel von der SPD. Der hatte 2006 Eckpunkte für ein Suchverfahren vorgelegt, fand aber keinen Konsens.

So wird Gorleben bis heute erkundet. Und die nächsten Proteste ziehen schon Ende des Monats herauf, wenn der nächste Castor-Transport rollt. Experten sehen trotzdem eine Chance, diesmal weiterzukommen.