Studien auf dem Prüfstand TÜV für die Forschung

Wissenschaftliche Studienergebnisse müssen überprüft und bestätigt werden, wenn sie eine Bedeutung haben sollen. Eine kalifornische Firma will das für die Forscher erledigen - gegen Gebühr.

Von Jennifer Couzin-Frankel

Für Elizabeth Iorns ist die Sache eine Geschäftsidee und zugleich die Chance, die Kultur der Wissenschaft zu ändern. Die promovierte Zellbiologin möchte Forscher überzeugen, dass sie ihre Ergebnisse gegen Gebühr überprüfen lassen. Die Wissenschaftler hätten damit die Chance, ihre Resultate mit der unabhängigen Bestätigung durch andere Fachleute aufzuwerten.

Wissenschaftliche Studienergebnisse werden erst anerkannt, wenn sie wiederholt und überprüft wurden. Eine US-Firma bietet dies Forschern nun an - gegen Gebühr.

(Foto: dpa)

Die "Reproducibility Initiative", die Iorns im August in Palo Alto in Kalifornien gegründet hat, ist ein Novum. Sie lädt Forscher aus der Biomedizin ein, ihre wichtigen Experimente einem Beirat vorzustellen, der dann ein Labor aussucht, das bereit und in der Lage ist, die Versuche zu wiederholen.

Anders als im Fernsehen ist Wiederholung in der Wissenschaft etwas Sinnvolles: So können die Autoren der Originalarbeit - und hoffentlich auch alle anderen mit Interesse an dem Thema - schnell erfahren, ob sich die Aussage bestätigt. Die Fachzeitschrift Plos One hat bereits zugesagt, alle Studien der Reproducibility Initiative nach Begutachtung in einer Sonderausgabe zu veröffentlichen.

Wie bei jedem neuen Projekt gibt es viele offene Fragen. Die erste ist, wie viele Forscher mitmachen wollen und können. Bewerber müssen den Preis für die Versuche zur Reproduktion übernehmen. Diese dürften deutlich billiger sein als die Experimente der Originalarbeit, da die erste Arbeitsgruppe der zweiten genau erklären kann, welche Tests sie machen sollen. Außerdem werden nur zentrale Aussagen geprüft.

Daher schätzt Iorns die Kosten auf ein Zehntel dessen, was die ursprünglichen Autoren ausgegeben haben; es sollen auch weniger Versuchstiere eingesetzt werden. Dennoch könnte sich die Rechnung auf Tausende Dollar belaufen - Iorns' Firma würde davon fünf Prozent behalten. Bisher liegen ihr drei Bewerbungen vor.

Die Kosten und die Probleme, eine Arbeit mit Wiederholungsexperimenten zu veröffentlichen, halten bisher viele Forscher davon ab, wichtige Ergebnisse auf eigene Faust zu reproduzieren. "Es gibt wenige Anreize zu überprüfen, ob die Arbeit von anderen in Ordnung ist", sagt Hal Pashler, ein Psychologe von der University of California in San Diego. Er hat im vergangenen Januar die Website "PsychFileDrawer" eingerichtet, wo Psychologen Wiederholungsexperimente einreichen können. Zwar gibt es viele Besucher, die neugierig sind, ob die Arbeit von Kollegen angezweifelt wird, aber die Seite enthält nur ein gutes Dutzend Studien.

Die Reproducibility Initiative spricht hingegen Forscher an, die ihre eigene Arbeit überprüfen lassen wollen. Daher gibt sich Iorns große Mühe, ihre potenziellen Kunden nicht vor den Kopf zu stoßen. "Wir wollen die Studien belohnen, die erfolgreich bestätigt werden", sagt sie. Sollte die erste Wiederholung die Ergebnisse nicht replizieren, könnten sie für eine zweite Runde eingereicht werden. Iorns formuliert sehr vorsichtig, wenn sie über ein mögliches doppeltes Durchfallen spricht. "Das entwertet das Experiment nicht unbedingt", sagt sie. "Es zeigt, dass es ein Robustheitsproblem gibt."

Die Resultate der Reproduktion gehen zunächst den Originalautoren zu. Sie werden bei einer Veröffentlichung als Koautoren geführt, obwohl sie an den Wiederholungsexperimenten nicht beteiligt waren. Sie dürfen aber auch entscheiden, ob die Überprüfung überhaupt publiziert wird. "Wir ermutigen die Arbeitsgruppen dazu, können es jedoch nicht erzwingen", sagt Iorns. "Studien öffentlich zu machen, die nicht robust sind, ist nicht unser Ziel."