Von Katrin Blawat

Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Raucherinnen häufiger erkranken als männliche Qualmer - dafür überleben sie die Krankheit länger.

Die Folgen des Tabakkonsums hängen vom Geschlecht des Rauchers ab. Diesen immer wieder beobachteten Zusammenhang belegt nun eine umfangreiche Studie aus den USA. Demnach sind Frauen stärker Lungenkrebs-gefährdet. Selbst wenn sie genauso viel rauchen wie Männer, haben sie ein höheres Risiko für die lebensbedrohliche Krankheit.

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Raucherin (© Foto: ddp)

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Zu diesem Ergebnis kommt Claudia Henschke von der Cornell University in New York, nachdem sie zwölf Jahre lang die Neuerkrankungen und Todesfälle bei knapp 9500 Männern und 7500 Frauen in Nordamerika untersucht hat (JAMA, Bd. 296, S. 180, 2006).

Die Teilnehmer hatten zum Zeitpunkt der Studie oder in den Jahren davor zwischen 47 Packungen (Frauen) und 64 Packungen (Männer) jährlich geraucht. 1,2 Prozent der männlichen Teilnehmer entwickelten daraufhin Lungenkrebs; unter den Frauen bekamen 2,1 Prozent diese Diagnose. Einen Trost aber gab es: Raucherinnen mit Lungenkrebs hatten eine doppelt so hohe Chance wie Raucher, zehn Jahre nach der Diagnose noch zu leben.

Warum Frauen empfindlicher auf die krebserregenden Inhaltsstoffe des Tabakrauchs reagieren als Männer, andererseits aber seltener an Lungenkrebs sterben, können die Wissenschaftler bisher nur vermuten. "Vielleicht sind hormonelle Faktoren verantwortlich, die Körpergröße oder das Verhalten", schreibt Alfred Neugut von der Columbia University in einem Kommentar zu der Studie.

Unklar ist auch, ob Lungentumore bei Frauen von Natur aus weniger aggressiv sind oder aufgrund biochemischer Besonderheiten besser auf eine Therapie ansprechen als die Tumore männlicher Patienten. Studienleiterin Claudia Henschke fordert, Nichtraucherkampagnen stärker speziell auf Mädchen und Frauen auszurichten.

In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert-Koch-Instituts pro Jahr etwa 20.000 Männer und 12 400 Frauen an Lungenkrebs. In den letzten Jahren hat besonders die Zahl der rauchenden Mädchen stark zugenommen.

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(SZ vom 13. Juli 2006)