Weltgesundheitsorganisation Krebsrisiko bei intensiver Handy-Nutzung

"Possibly carcinogenic to humans" - möglicherweise krebserregend: Zu diesem Einschätzung kommt eine WHO-Studie zur Handystrahlung. In der Liste der potentiellen Krebserreger steht die intensive Nutzung von Mobiltelefonen damit jetzt auf einer Stufe mit dem Pflanzengift DDT.

Von Christopher Schrader

Die Weltgesundheitsorganisation hat am Dienstag die von Handys ausgehende Strahlung als "möglicherweise krebserregend" eingestuft. Bei besonders intensiven Nutzern von Mobiltelefonen bestehe ein etwa 40 Prozent erhöhtes Risiko, einen seltenen Gehirntumor, ein sogenanntes Gliom, zu entwickeln. Zu dieser Gruppe gehören Menschen, die seit zehn Jahren ein Handy nutzen und damit 30 Minuten am Tag telefonieren. Besonders an der Seite, an die Nutzer das Handy dabei gewohnheitsmäßig pressen, ist das Risiko eines Krebsbefalls Studien zufolge erhöht.

31 Fachleute aus 14 Ländern hatten sich in der vergangenen Woche bei der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC in Lyon getroffen, einem Teil der UN-Organisation für Gesundheit (WHO). Ihnen lagen Daten aus einer vor Jahren abgeschlossenen internationalen Untersuchung vor, der Interphone-Studie, die von Lyon aus koordiniert worden war. Schon deren Abschlussbericht im Mai 2010 sowie vorher veröffentlichte Teilergebnisse aus einigen Ländern hatten die jetzt offizielle Risikoschätzung ergeben.

Vor einem Jahr hatte die Leiterin der Studie, Elisabeth Cardis, gesagt: "Die obersten zehn Prozent unserer Studiengruppe scheinen tatsächlich ein erhöhtes Risiko zu haben, ein Gliom zu entwickeln." An diesem Leiden erkranken in Europa pro Jahr etwa fünf von 100.000 Menschen.

Handystrahlung wird von dem WHO nunmehr in der Kategorie 2b geführt: "possibly carcinogenic to humans" - möglicherweise krebserregend. In dieser Kategorie werden 266 Chemikalien sowie Tätigkeiten geführt. Etwa die Arbeit als Feuerwehrmann oder in einer chemischen Reinigung, oder Auspuffgase eines Benzinmotors, Kaffee als Risikofaktor für Blasenkrebs und das geächtete Pflanzenschutzmittel DDT.

"Die Beweislage, zu der ständig noch Daten hinzukommen, ist stark genug, um die 2b-Klassifikation (für Handystrahlung, d. Red.) zu rechtfertigen", sagte Jonathan Samet von der University of Southern California, Leiter der Arbeitsgruppe. "Unsere Schlussfolgerung bedeutet, dass es ein Risiko geben könnte und deswegen müssen wir die Verbindung von Mobiltelefonen und Krebsrisiko genau beobachten."

IARC-Direktor Christopher Wild verwies zudem auf die große Anzahl von Handynutzern. Jeder Krebsverdacht stelle daher ein großes Gesundheitsproblem dar. Zwar sei noch weitere Forschung gerade bei Langzeitnutzern nötig, "aber es ist wichtig, pragmatische Maßnahmen zu ergreifen, um die Strahlenbelastung zu reduzieren, zum Beispiel Freisprecheinrichtungen zu nutzen und SMS-Nachrichten zu verschicken". Diese Botschaft verbreitet zum Beispiel auch das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz seit Jahren.