Stringtheorie Das große Dilemma der Physik

Aber bis heute gibt es keinen besseren Vorschlag, um das große Dilemma der Physik zu lösen: dass Einsteins Theorie der Schwerkraft nicht zur Quantenmechanik und damit auch nicht zur Teilchenphysik passt. Dabei wurden beide oft bestätigt. Aber während die Teilchenphysik darauf beharrt, dass alles nur in Paketen vorkommt - also sogar Licht aus Teilchen besteht - lässt sich die Schwerkraft partout nicht in solche Pakete aufteilen. Die Stringtheorie bringt die beiden Unvereinbaren nun zusammen wie Essig und Öl in der Salatsoße.

Leider kommt dabei eine riesige Zahl möglicher Theorien heraus. Das Standardmodell der Teilchenphysik, wie die Physiker es nennen, ist dabei noch nicht aufgetaucht. Immerhin, unter all den Stringwelten sind auch solche, die ihm ähneln - nur enthalten sie nicht alle Teilchen gleichzeitig und nicht exakt so, wie wir sie kennen. "Die Zutaten sind da", sagt Witten vorsichtig.

Dieter Lüst, Stringtheoretiker in München, ist forscher: "Wir haben das Standardmodell im Grunde schon gefunden", sagt er. Wen kümmern schon Details, könnte man lästern. Aber es wäre ungerecht, denn Lüst ist einer derjenigen, die am hartnäckigsten die Realität in all den Stringwelten gesucht haben.

Aber ein Leben lang nach der Nadel im Heuhaufen suchen, das könnte mehr sein, als ein Mensch ertragen kann. Und selbst wenn sie auftaucht: So viel bringt das nicht. Denn wenn es fast alles in der Theorie gibt, wäre unser Universum nur eines von vielen im sogenannten Multiversum; nur mit der Besonderheit, dass es menschliches Leben zulässt.

Dagegen haben sich Physiker lange gewehrt, heute haben die meisten die Idee akzeptiert, wenn auch teils sehr widerwillig. Denn eine Erklärung, warum die Dinge sind, wie sie sind, könnte man dann wohl vergessen. Und der Optimismus der Neunzigerjahre wäre verfrüht gewesen. "Es war ein trügerischer Eindruck, dass wir kurz davor sind", sagt Lüst. Damals habe man sich nicht ans Multiversum herangetraut, heute schon: "Die Diskussion ist ehrlicher und interessanter geworden." Er hofft, dass auch das Multiversum Spuren hinterlässt, die man irgendwann messen kann.