Wale töten oder nicht? Eigentlich ist das eine simple Frage, doch die Staaten der Europäischen Union schafften es, wochenlang leidenschaftlich darüber zu streiten.
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Da sind auf der einen Seite die Schweden, die es eigentlich ganz gut fänden, wenn die Walschützer den Walfangländern ein paar Wale zum Abschuss freigeben würden, damit endlich Schluss ist mit der jahrelangen Streiterei. Da sind die Dänen, die es ihren grönländischen Freunden gönnen würden, wenn sie wieder ein paar Buckelwale schießen dürften. Und da sind auf der anderen Seite die Briten, Niederländer, Belgier und die Deutschen, die es wohl am liebsten hätten, wenn Wale prinzipiell unsterblich wären.
Nach zähen Verhandlungen einigten sich die Europäer aber am Freitag in letzter Minute auf eine gemeinsame Position. Und die ist deutlich: "Mit der EU ist das Kompromisspapier zur Zukunft des Walfanges, das die Internationale Walfangkommission IWC vorgelegt hat, nicht zu machen - jedenfalls nicht so, wie es derzeit auf dem Tisch liegt", sagt Nicolas Entrup, Geschäftsführer der Umweltorganisation WDCS. Die Walfangkommission hatte vorgeschlagen, dass Wale künftig auch in Schutzgebieten gefangen werden dürfen und auch die Jagd auf den vom Aussterben bedrohten Finnwal sollte erlaubt sein. Beides lehnen die Europäer nun strikt ab - genauso wie die Forderung des EU-Beitrittskandidaten Island nach einem legalen Handel mit Walprodukten. Unklar ist jedoch, ob sich alle EU-Staaten auch wirklich an den gemeinsamen Beschluss halten werden.
Ohnehin war es für viele Mitgliedsländer sehr schwierig, zu verstehen, worüber sie in Agadir überhaupt abstimmen sollen. Offenbar ist der Antrag der Walfangkommission so kompliziert, dass auch Deutschland dafür mehr als vier Wochen brauchte, um sich eine Meinung zu bilden- und das, obwohl das Land den Vorschlag, den Walfang in begrenztem Ausmaß wieder zu erlauben, sogar mit ausgearbeitet hatte. Anders ist wohl schwer zu erklären, warum das zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium zuerst intensiv für den Antrag geworben hatte und Horror-Szenarien vorrechnete, wieviele zusätzliche Wale sterben würden, wenn der Antrag abgelehnt würde, um kurz darauf mitzuteilen, dass man dem Vorschlag so keinesfalls zustimmen könnte.
Sicherheitshalber hat der Bundestag daher den deutschen Verhandlern die Hände gebunden - sämtliche Fraktionen verpflichteten die deutschen Verhandler, keinesfalls einer Jagd auf vom Aussterben bedrohte Walarten zuzustimmen und auf ein Ende des Walfanges in zehn Jahren zu dringen. Ein Großteil der Forderungen des Bundestages finden sich nun auch in der EU-Position wieder.
Nicht überall ins das Engagement für den Walschutz so stark ausgeprägt wie in Deutschland: Vier EU-Länder wollen gar keine Verhandler nach Agadir schicken. Und zwei Staaten haben überhaupt lange Zeit darauf vergessen, ihren Mitgliedsbeitrag bei der Walfangkommission zu bezahlen. Es könnte also sehr knapp werden in Marokko, wo oft wenige Stimmen darüber entscheiden, ob ein Antrag abgelehnt wird.
Von Martin Kotynek
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Demonstrationen in Hamburg
Leider gibt es über die ökologische Vertretbarkeit von Walfang keine Vernünftige Diskussion in der IWC, da beide Positionen nicht mehr sachlich sondern rein emotional vertreten werden.
Und da muss man mMn den Walschützern einen großen Teil der Schuld geben, da diese unabhängig von ökologischen Erfordernissen den Walfangnationen ihr Recht auf Selbstbestimmung absprechen wollen. Den für die westliche Umweltverständnis stellen die Wale eine Art heilige Kuh in unserer Kultur dar, und es wird mit aller Macht versucht anderen dieses Verständnis aufzuzwingen. Meiner Meinung nach ist das Kulturimperialismus in Reinkultur - wie der christliche Missionar der den heidnischen Wilden ihre spirituelle Erlösung beschert - paradox das diese Position dann meistens von Leuten vertreten wird, die man getrost als "Gutmenschen" bezeichnen kann.
MMn gibt es keine rationalen Argumente gegen Walfang mit relativ niedrigen, ökologisch vertretbaren Fangzahlen. Und das die Wale allesamt durch den industriellen Walfang des 20. Jahrhunderts an den Rand der Ausrottung gebracht wurden stimmt auch nicht. Werden die stark bejagten Arten unter dieser natürlich litten, haben nicht bejagte Arten, wie der Zwergwal (Minkwal) davon profitiert und die freigewordenen ökologischen Nischen besetzt, wodurch ihre Zahl anstieg. Ein Großteil der heute gefangenen Wale sind übrigens Zwergwale, vereinzelt werden aber auch (in geringen Stückzahlen) eher gefährdete Walarten wie Finnwal und Buckelwal gefangen. Ein Niedrighalten oder ganz aussetzen der Fangzahlen für diese gefährdeten Arten sollte eher das Ziel der Walschützer sein und nicht ein ideologisch verblendeter Fanatismus.
@kabanett
Oh die Faröerinsel-Story. Wie rührend. Sind aber leider keine Argumente dagegen. Die ständige Argumentation mit Gefühlen ist als solche nur eine Scheinargumentation.
Im übrigen könnten einige andere Meerestiere wie Tunfische die Lobby der Wale deutlich besser gebrauchen - und was noch schöner ist: Man muss bei den Verursachern für die delikate ökologische Situation nicht auf andere zeigen sondern kann sich selbst an der Nase nehmen.
Ein nach dem Whalewatching walfleischessender Tourist
Pro Waljagd
..jährlich werden vor den Färöer-Inseln tausende von Delfinen und Grindwalen in die Enge getrieben und grausam abgeschlachtet, ganz egal, ob auch trächtige Weibchen oder Jungtiere darunter sind. Der Grund: Tradition und männliches Imponiergehabe.
Übrigens sind auch viele Haiarten vom Aussterben bedroht. Grund: Dieselben wie von astra1971 angeführt.
Durch Jahrzehnte lang andauernden Walfang wurden viele Wal- und Delfinarten an den Rand der Ausrottung gebracht. Auch heute sind diese faszinierenden Meeressäuger immer noch der Bejagung und zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Meeresverschmutzung, durch Boote und Unterwasserbohrungen verursachter Lärm, Verlust ihres Lebensraumes, Beifang in Fischnetzen und die globale Erwärmung, die unsere Meere verändert, sind einige der vom Menschen verursachten Bedrohungen.