Strahlung der Nacktscanner Risiko? - Unbekannt

Körpererwärmung oder schwingende Hautzellen: Über die gesundheitlichen Auswirkungen des Nacktscannens lässt sich nur spekulieren. Denn sie sind kaum erforscht.

Von Alexander Stirn

Sicher ist nur, dass kaum etwas sicher ist: Die Strahlen, mit denen Körperscanner künftig Fluggästen unter die Kleider blicken sollen, werden in ihrer Wirkung vermutlich irgendwo zwischen infrarotem Licht und Mikrowellen liegen. So genau weiß das niemand.

Deshalb können selbst Experten über Gesundheitsrisiken durch sogenannte Terahertz-Strahlen nur spekulieren. Die Wellen, die Papier, Stoff oder Plastik durchdringen und erst vom Körper absorbiert werden, gelten zwar als unbedenklich. Doch wirklich nachgeschaut hat bislang kaum jemand.

"Die Forschung hat sich viel zu lange auf den Mobilfunk konzentriert, da hier die Besorgnis in der Bevölkerung besonders hoch war", sagt Rüdiger Matthes, Arbeitsgruppenleiter beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Terahertzwellen interessierten dagegen die wenigsten Mediziner - schließlich gab es bis vor 15 Jahren noch nicht einmal praktikable Sender und Empfänger für die Strahlen mit den seltsamen Eigenschaften.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Strahlung, die gemeinhin unter dem Begriff "Terahertz" zusammengefasst wird, ein breites Frequenzspektrum umfasst. Dieses beginnt bei zehn Gigahertz (zehn Milliarden Schwingungen pro Sekunde), einer Marke, die etwas über den Frequenzen von WLan-Netzen liegt, und endet erst beim Tausendfachen, also etwa zehn Terahertz. Entsprechend vielfältig sind Eigenschaften und mögliche gesundheitliche Auswirkungen.

Welche Frequenzen und Intensitäten in künftigen Körperscannern eingesetzt werden sollen, ist im Bundesamt bislang nicht bekannt. "Technische Details liegen uns nur ganz wenige vor", räumt BfS-Forscher Matthes ein. Die Geheimnisse der Scanner sind nicht nur sicherheitsrelevant, der Einsatz solcher Geräte eröffnet auch einen millionenschweren Markt.

Schwingende Hautzellen - Spekulation!

Da gibt kein Hersteller gerne Einzelheiten preis. Von solchen Details hängt allerdings ab, ob die Scanner womöglich eine Gefahr darstellen: Langwellige Strahlen im Bereich von zehn Gigahertz können beispielsweise einige Millimeter in die Haut eindringen und das Gewebe dabei erwärmen. Höhere Frequenzen bleiben dagegen außen vor, sind dafür aber energiereicher.

Fest steht nur: Die Terahertzwellen wirken - anders als Röntgenstrahlung oder die kosmische Strahlung, der Flugpassagiere ausgesetzt sind - nicht ionisierend. Sie haben also nicht genügend Energie, um im Körper Elektronen freizuschlagen und so Zellen zu schädigen; freie Radikale, die Krebs auslösen könnten, entstehen erst gar nicht.

Stattdessen wärmt Terahertzstrahlung die Haut auf - ein Effekt auf dem auch die derzeitigen Grenzwerte fußen: Menschen sollten demnach maximal einer Leistungsdichte von zehn Watt pro Quadratmeter ausgesetzt sein. Die Werte in Körperscannern, so schätzen die BfS-Experten, liegen wahrscheinlich deutlich niedriger.

"Die große Frage ist, ob neben der thermischen Wirkung noch andere biologische Effekte auftreten können", sagt Rüdiger Matthes. Denkbar wäre, dass die Wellen Bestandteile von Hautzellen zum Schwingen bringen und dabei krankhafte Veränderungen erzeugen. Oder dass das Blut, das durch die obersten Kapillaren fließt, verändert wird. "Aber das ist alles reine Spekulation", sagt Matthes.

Die wenigen Studien, die bislang abgeschlossen wurden, zeichnen jedenfalls kein klares Bild. Ein europäisches Forschungsprojekt aus dem Jahr 2004 kommt beispielsweise zu dem Schluss, dass bei einer Bestrahlungsdauer von einer Stunde keine biologischen Effekte zu verzeichnen sind. Höhere Intensitäten und manche Frequenzen veränderten dagegen die Funktionsweise von Zellmembranen und Lymphozyten - jenen weißen Blutkörperchen, die für die Immunabwehr verantwortlich sind.

Krebsrisiko unklar

Im vergangenen Jahr konnten Physiologen der Universität Tel Aviv ebenfalls zeigen, dass Terahertzwellen mit einer hohen Leistungsdichte von drei Watt pro Quadratmeter das Erbgut von Lymphozyten verändern können, allerdings erst ab einer Bestrahlungsdauer von zwei Stunden. "Das legt nahe, dass eine derartige Bestrahlung möglicherweise das Krebsrisiko erhöht", berichten die israelischen Forscher, "sofern unsere Ergebnisse bestätigt werden können."

Bislang ist dies nicht gelungen. Aktuell läuft im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz daher eine Studie, bei der menschliche Hautzellen unterschiedlich lang mit Terahertzwellen beschossen und anschließend auf Schäden untersucht werden sollen. Mit Ergebnissen ist erst Ende des Jahres zu rechnen.

Bis dahin will die Politik aber längst über den Einsatz von Ganzkörperscannern entschieden haben. "Es wäre wirklich wünschenswert gewesen, wenn Strahlenschutzforscher die Entwicklung derartiger Geräte hätten begleiten können", sagt Rüdiger Matthes. "Aber so etwas wird gerne übersehen."

Spätestens jetzt, wenn womöglich bald jeder Fluggast solche Scanner passieren müsse, sei es aber an der Zeit "endlich etwas genauer hinzuschauen".