Allerdings vergehen etwa vier Jahre, bis Kinder erstmals Anzeichen von Stolz zeigen. Erst dann haben sie entwickelt, was Wissenschaftler "Theory of Mind" nennen: Die Fähigkeit, sich ihrer selbst bewusst zu sein und die eigene Leistung mit der anderer vergleichen können.

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Die von Tracy und Matsumoto beobachteten Sportler belegten ein weiteres Merkmal des Stolzes: Er äußert sich in allen Kulturen auf die gleiche Weise. Die Sportler stammten aus 53 verschiedenen Ländern - an ihrem Verhalten nach einem Sieg war die unterschiedliche Herkunft aber nicht abzulesen.

In einer anderen Untersuchung sollten Probanden aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen die Emotionen von Menschen auf Fotos beschreiben. Unabhängig von ihrem Heimatland erkannten die meisten Befragten die stolzen Personen sofort.

Bei einem derart universellen Gefühl liegt es nahe zu fragen: Welche Funktion hat es? "Stolz ist das stärkste Status-Symbol, das wir kennen", sagt Tracy. Wer Stolz auf seine Leistung zeigt, den empfinden andere als sozial höher gestellt - und sie mögen ihn dafür. Gleichzeitig fühlt sich die stolze Person zu weiteren Leistungen motiviert.

Obwohl diese Theorie nicht unumstritten ist, sprechen mehrere Studien inzwischen für sie, etwa die der amerikanischen Psychologen David de Steno und Lisa Williams. Nachdem ihre Probanden eine Knobelaufgabe gelöst hatten, lobten die Forscher die eine Hälfte der Studienteilnehmer überschwänglich für die kluge Lösung.

Das Gefühl des Stolzes motiviert

Die andere Hälfte bekam nur nüchtern das Ergebnis mitgeteilt. In der nächsten Runde, einer Teamaufgabe, arbeiteten jeweils Probanden aus beiden Gruppen zusammen. Dabei übernahmen die stolzen Spieler wie selbstverständlich die Anführerrolle - motiviert vom Gefühl des Stolzes, das ihnen zuvor eingeredet worden war, wie die Forscher erklären.

Nach dem Spiel berichteten die Teilnehmer zudem nahezu übereinstimmend, dass sie die stolzen Mitspieler sympathisch fanden und ihre Leistung schätzten. Niemand beurteilte die stolzen Mitspieler als arrogant oder sprach ihnen Führungsqualitäten ab. Sogar wider besseren Wissens neigen Menschen dazu, zur Schau gestellten Stolz mit einem hohen sozialen Status zu verbinden, haben Tracy und ihr Kollege Azim Shariff ermittelt.

Allerdings nahmen an ihren Studien ausschließlich Probanden aus westlichen Kulturen teil, in denen der Einzelne und nicht die Gruppe im Mittelpunkt steht. In kollektivistischen Gesellschaften wie China gilt der Stolz des Einzelnen jedoch grundsätzlich als vermessen und unerwünscht.

Als Forscher Chinesen und US-Amerikaner baten, von Erlebnissen zu erzählen, in denen sie sich stolz gefühlt hatten, sprachen die Chinesen im Gegensatz zu den Amerikanern häufiger und positiver von den Leistungen anderer als von den eigenen. Universell gültig sei Tracys Status-Theorie daher nicht, kritisiert der Psychologe Gavin Sullivan, der an der australischen Monash University und im Projekt "Languages of Emotions" an der FU Berlin forscht.

Dass die Amerikaner den Stolz des Einzelnen anerkennen, hindert sie nicht daran, auch in Sachen Nationalstolz ganz vorne zu liegen. In einer Befragung in den Jahren 2003 und 2004 landeten sie auf dem zweiten von 33 Plätzen, nur übertroffen von Venezuela.

Die hintersten Plätze belegten die europäischen Staaten, darunter Westdeutschland auf dem sechstletzten Rang, Ostdeutschland auf dem allerletzten. Vielleicht, so schreiben die amerikanischen Autoren, sei man als Europäer ja stolzer auf Europa als auf das eigene Land.

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  1. Das Chef-Gefühl
  2. Sie lesen jetzt "Das stärkste Statussymbol"
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(SZ vom 13.08.2010/cosa/mikö)