Sternenhimmel Nach dem Urknall blubbern die Universen

Der Sternenhimmel von Anfang Mai 0.30 Uhr bis Ende Mai 22.30 Uhr

(Foto: M. Rothe)

Viele Welten statt nur einer: Paralleluniversen sind Stoff der Science-Fiction, werden aber auch von einigen seriösen Physikern diskutiert. Warum Wissenschaftler glauben, dass es unendlich viele Universen gibt - und was in unserem Universum auf dem Nachthimmel zu sehen ist.

Von Helmut Hornung

Ihr Doppelgänger liest in diesem Moment denselben Text. Er sitzt in einem Zimmer, das identisch ist mit dem Ihren. Er wohnt in einem Haus, das genauso aussieht wie das Ihre. Die Straße, die Stadt und das Land, in dem Sie und er leben, sind gleich. Nur trinkt Ihr Doppelgänger in diesem Moment keinen Tee, sondern nippt an einer Tasse heißer Schokolade. Und: Er lebt in einem völlig anderen Universum! Ziemlich verrückt, oder?

Solche Paralleluniversen gehören zwar zum beliebten Stoff der Science-Fiction, werden aber durchaus auch von seriösen Physikern diskutiert. So lässt die Stringtheorie nicht weniger als 10 hoch 500 Kosmen zu, eine 1 mit 500 Nullen.

Schon die antiken Naturphilosophen spekulierten über Paralleluniversen. Es wird überliefert, dass Petron von Himera an 183 Welten glaubte, die ein gleichseitiges Dreieck formen sollten. Ebenso nahm offenbar Anaximander im 6. Jahrhundert vor Christus die Existenz vieler Welten an. Die mittelalterlichen Denker hielten, vor allem aus theologischen Gründen, an der einen Welt fest. Noch Gottfried Wilhelm Leibniz schreibt von der "besten aller möglichen Welten".

Immanuel Kant hingegen mochte ein Paralleluniversum nicht kategorisch ausschließen. Im 20. Jahrhundert begann die Wissenschaft, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Der US-Physiker Hugh Everett erregte Aufsehen, als er 1957 seine Viele-Welten-Interpretation der Quantenmechanik veröffentlichte. Eine der Schlussfolgerungen lässt viele nebeneinander existierende Welten zu.

Und was sagen die Kosmologen, die den Anfang von Raum und Zeit erforschen? Ihrer Meinung nach begann das Universum mit dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren. Unvorstellbare Sekundenbruchteile nach seiner Geburt soll sich das All von der Größe eines Atoms zu der eines Fußballs aufgebläht haben - was der Theorie ihren Namen gibt: Inflation. Sie hat offenbar den Raum geglättet, denn das Universum bietet überall denselben Anblick. Und sie erklärt die Existenz von Galaxienhaufen. Diese gingen aus Dichteschwankungen hervor, hinter denen Quantenfluktuationen stecken. Die Inflation hat sie auf kosmische Skalen vergrößert.

Wie in einem Schaumbad blubbern die Kosmen

Aus der Geburtsstunde des Weltalls empfangen wir Mikrowellenstrahlung. Eine am Südpol installierte Antenne hat kürzlich in diesem kosmischen Babybild so etwas wie die Fingerabdrücke von Gravitationswellen aufgespürt. Diese Rippel in der Raumzeit gelten als starkes Indiz für die Inflationstheorie. Nach Auffassung von Andrei Linde und Alexander Vilenkin lässt die Inflation Raum für ein Multiversum, in dem es nicht nur einen Urknall gibt, sondern unzählige. Wie in einem großen Schaumbad blubbert aus jeder Blase ein eigener Kosmos. Und in einem davon sitzt Ihr Doppelgänger und hat diesen Absatz gerade zu Ende gelesen.

Merkur zeigt sich zwischen 7. und 29. Mai in der Abenddämmerung tief im Nordwesten. Venus erscheint am frühen Morgen als heller "Stern" im Osten. Mars im Bild Jungfrau zeigt sich nahezu die gesamte Nacht, bei Einbruch der Dunkelheit steht er jetzt hoch im Südosten. Jupiter in den Zwillingen geht zur Monatsmitte bereits eine Stunde nach Mitternacht unter. Am Abend des 4. Mai erhält der Riesenplanet Besuch von der Sichel des zunehmenden Mondes. Saturn in der Waage gelangt am 10. Mai in Opposition zur Sonne; an diesem Tag erreicht er mit 1,331 Milliarden Kilometern den geringsten Abstand zur Erde.

Der Mond steht am 7. Mai im Ersten Viertel, am 14. Mai leuchtet er als volle Scheibe, am 21. Mai ist Letztes Viertel, am 28. Mai Neumond. Am 6. Mai erreichen die Eta-Aquariden ihr Maximum, bis zu 60 Sternschnuppen huschen dann pro Stunde übers Firmament.