Sternenhimmel im Oktober Ein Gasriese als Nachtleuchte

Im Oktober strahlt der Jupiter hell am Himmel, Ende des Monats geht er gerade zum Sonnenuntergang auf. Garniert wird die kosmische Lightshow von Sternschnuppenschauern.

Von Helmut Hornung

Neutrinos schneller als Licht? Sternexplosionen an den Grenzen von Raum und Zeit? Eine zweite Erde im All? Forscher jonglieren heute mit Attosekunden (das ist der trillionste Teil einer Sekunde) ebenso wie mit Milliarden von Lichtjahren, messen Signale, die sie kaum aus dem elektronischen Rauschen ihrer Instrumente heraushören.

Der Sternenhimmel von Anfang Oktober 22.30 Uhr bis Ende Oktober 19.30 Uhr.

(Foto: M. Rothe)

Dabei kommt es immer wieder zu Fehlern - etwa bei der Suche nach extrasolaren Planeten. Knapp 700 dieser Himmelskörper kennen die Astronomen bisher. Den ersten, der einen sonnenähnlichen Stern umkreist, entdeckten 1995 Michel Mayor und Didier Queloz vom Observatorium Genf.

Doch schon 140 Jahre zuvor hatte William S. Jacob behauptet, an der Sternwarte im indischen Madras einen kleinen Begleiter im Doppelsternsystem 70 Ophiuchi gefunden zu haben.

Damals wie heute lassen sich ferne Planeten nicht direkt beobachten. Sie würden im Teleskop wie ein Staubkorn erscheinen, das im Abstand von 15 Zentimetern eine 80 Kilometer entfernte 100-Watt-Glühbirne umkreist.

Daher arbeiten die Wissenschaftler mit indirekten Methoden: So etwa registrieren sie das Schwanken der Helligkeit, wenn ein vermeintlicher Planet vor der strahlenden Oberfläche seiner Sonne vorbeizieht und diese dabei minimal verdunkelt. Oder sie bestimmen die winzige Bewegung eines Sterns, die dieser ausführt, wenn der Planet während des Umlaufs an ihm zerrt. Einen solchen Effekt wollte auch William S. Jacob gesehen haben.

Im Januar 1943 verkündeten zwei US-Astronomen, just im System 70 Ophiuchi einen Planeten mit zehnfacher Jupitermasse identifiziert zu haben. Um den Zwergstern 61 Cygni A sollte nach Meinung eines anderen Forschers ebenfalls ein fremder Jupiter kreisen. Und 1973 behaupteten zwei Wissenschaftler, dass Barnards Stern gleich von einem ganzen Planetensystem umgeben sei. Aber alle diese Funde erwiesen sich als Flops - die Astronomen waren von optischen Effekten genarrt worden.

Besonders hart traf es Andrew Lyne von der Universität Manchester: Auf einer Versammlung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft musste er am 15. Januar 1992 zugeben, dass sich sein Planet um den Pulsar PSR 1829-10 in Luft aufgelöst hatte. Lyne hatte die periodischen Signaländerungen einem kleinen Begleiter zugemessen - in Wirklichkeit stammten sie vom jährlichen Umlauf der Erde um die Sonne.

Derzeit beschäftigt Gliese 581g die Experten. Vor einem Jahr machte dieser Himmelskörper Schlagzeilen, sollte es auf ihm doch flüssiges Wasser und vielleicht sogar Leben geben. Eine erneute Analyse der Messungen brachte die Ernüchterung: Die zweite, 20 Lichtjahre entfernte Erde existiert offenbar nur in den Daten der Astronomen.

In diesem Monat wird Jupiter zum Star unter den Planeten. Am 29. Oktober kommt der Gasriese in Opposition zur Sonne. Jupiter geht dann bei Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang unter. In ruhigem Licht leuchtet er im Widder als hell strahlender Stern; am 13. Oktober zieht der Mond an ihm vorbei. Merkur und Saturn sind nicht zu beobachten, Venus zeigt sich zum Monatsende tief am abendlichen Südwesthimmel.

Mars wandert vom Krebs in den Löwen und klettert erst nach Mitternacht über den Horizont. Uranus in den Fischen zeigt sich fast die ganze Nacht, Neptun im Wassermann ist Objekt der ersten Nachthälfte. Meteorfans könnten um den 8. Oktober herum auf ihre Kosten kommen: Dann erwarten Experten das Maximum der Draconiden (auch Giacobiniden genannt), das in diesem Jahr recht reichhaltig ausfallen könnte. Den ganzen Monat über flitzen die Orioniden über das Firmament, während ihres Maximums am 21. Oktober werden es wohl an die 30 Sternschnuppen sein.

Am 4. Oktober steht der Mond im Ersten Viertel. Sein weiterer Fahrplan: Vollmond am 12., Letztes Viertel am 20. und Neumond am 26. Oktober. Weil der Mond am 12. Oktober seinen größten Abstand zur Erde erreicht, erscheint seine volle Scheibe besonders klein. In der Nacht zum 30. Oktober müssen die Uhren um eine Stunde zurückgestellt werden, von nun an gilt wieder die Mitteleuropäische Zeit (MEZ).