Von Helmut Hornung

In den kommenden Wochen können Amateur-Astronomen auf den Spuren Galileo Galileis wandeln.

Am 28. Dezember 1612 richtete Galileo Galilei sein Teleskop auf den strahlend hellen Jupiter. Der Planet war ihm von früheren Beobachtungen her bestens vertraut. Und so dachte sich der italienische Gelehrte auch nichts, als er in unmittelbarer Nähe von Jupiter ein schwach glimmendes Lichtpünktchen sah, das er für einen Mond oder einen Fixstern hielt. Was Galilei nicht ahnte: In diesem Moment hätte er Geschichte schreiben können, denn hinter dem vermeintlichen Stern verbarg sich ein neuer Planet. Erst 234 Jahre später wurde er aufgespürt und nach dem römischen Gott der Meere benannt - Neptun.

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Anfang Juni 0.30 Uhr bis Ende Juni 22.30 Uhr (© Grafik: M. Rothe)

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Dessen Entdeckung steckt voller Kuriositäten: John Adams errechnete seinen Ort und schickte das Material an Sir George Airy, der aber gar nicht erst anfing, am Teleskop zu fahnden. Berechnungen von Urbain Leverrier gelangten auf Umwegen zu James Challis, der mehr oder weniger lustlos nach Neptun suchte - weshalb er ihn gleich zweimal übersah. Schließlich wandte sich Leverrier an Johann Gottfried Galle in Berlin. Der Brief des Franzosen traf am 23. September 1846 dort ein, und in derselben Nacht wurden Galle und sein Assistent Heinrich Louis d'Arrest fündig.

In den kommenden Wochen haben Amateurastronomen die Gelegenheit, auf den Spuren Galileis zu wandeln. Wieder weist Jupiter den Weg zu Neptun, das heißt, beide Planeten stehen am Himmel dicht beisammen, nicht einmal ein Grad (entsprechend zwei Vollmonddurchmesser) trennt sie voneinander. Das Gesichtsfeld eines Fernglases zeigt beide Objekte: Rechts oberhalb von Jupiter steht ein schwacher Stern, links neben diesem Neptun. Erst das Fernrohr enthüllt bei mindestens 200-facher Vergrößerung das winzige Planetenscheibchen.

Neptun besitzt mit knapp 50.000 Kilometern den knapp vierfachen Erddurchmesser, kreist aber in einem Abstand von viereinhalb Milliarden Kilometern um die Sonne. Daher erscheint er im Teleskop unter einem sehr kleinen Winkel. Amateure entdecken mit ihren Instrumenten in den oberen Schichten der dichten Gashülle kaum Strukturen.

Planetensonden oder das Weltraumobservatorium Hubble sehen in der Atmosphäre helle, streifenförmige Zirruswolken und als dunkle Flecken erscheinende Sturmsysteme, in denen Windgeschwindigkeiten bis zu 2100 Kilometer pro Stunde gemessen werden. Nicht nur in dieser Hinsicht wird der Neptun seinem Namenspatron als Meergott gerecht: Er erscheint blau, weil das Methan in der Atmosphäre den von der Sonne kommenden roten Anteil des Lichts verschluckt.

Merkur bleibt in diesem Monat unsichtbar. Venus strahlt am morgendlichen Osthimmel und begegnet am 19. Juni dem roten Mars; beide Planeten trennt ein Abstand von vier Vollmonddurchmessern. Jupiter und Neptun stehen im Steinbock, ihre Aufgänge verlagern sich im Laufe des Monats auf die späten Abendstunden.

Saturn im Löwen ist Planet der ersten Nachthälfte, Uranus in den Fischen taucht am Morgenhimmel knapp über dem Osthorizont auf. Der Zwergplanet Pluto gelangt am 23. Juni in Opposition zur Sonne, finden werden ihn aber nur Spezialisten. Der Fahrplan des Erdtrabanten: Vollmond am 7., Letztes Viertel am 15., Neumond am 22. und Erstes Viertel am 29. Juni. Am 21. Juni um 7.46 Uhr erreicht die Sonne den höchsten Punkt ihrer Jahresbahn, auf der Nordhalbkugel der Erde beginnt der astronomische Sommer. _________________________________________________________________

Adler im Nebel

Als "Haufen kleiner Sterne, mit schwachem Licht vermischt" beschrieb Charles Messier ein Objekt, das er im Sommer 1764 in der Konstellation Schlange entdeckte und als Nummer 16 in seinen Katalog eintrug. Schon 18 Jahre zuvor hatte Jean-Philippe de Chéseaux den offenen Sternhaufen aufgespürt. Auch de Chéseaux schrieb von einem "schwachen Glühen", in das die Sterne eingebettet sein sollten.

Ob beide Astronomen mit ihren bescheidenen Fernrohren den Nebel direkt gesehen hatten, erscheint fraglich. Erst größere Teleskope enthüllten das kosmische Gespinst als Brutstätte von Sternen. Der 7000 Lichtjahre entfernte "Adlernebel" besteht überwiegend aus Wasserstoff. Dunkle, dichte Gas- und Staubfinger türmen sich darin auf.

Das Observatorium Hubble lieferte eindrucksvolle Ansichten dieser wenige Lichtjahre langen "Säulen der Schöpfung"; sie markieren die Orte, an denen Sterne geboren werden. Jetzt haben Astronomen am Computer die Verhältnisse im Adlernebel nachgestellt. Dabei formten sich ihre virtuellen Wolken innerhalb der simulierten Zeit von 150.000 Jahren tatsächlich zu Strukturen, die den echten Säulen ähneln.

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(SZ vom 02.06.2009/beu)