Von Helmut Hornung

Im Juli übernimmt Jupiter das Zepter am Firmament. Der Gasriese im Schützen kommt der Erde jetzt besonders nah.

Um das Jahr 150 nach Christus schrieb Claudius Ptolemäus das gesamte astronomische Wissen seiner Zeit auf. Das Buch wurde unter dem arabischen Titel "Almagest" berühmt und galt bis ins Mittelalter als Standardwerk. Es enthält einen Katalog mit 1022 Sternen, die der griechische Astronom in 48 Konstellationen geordnet hatte.

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Der Sternenhimmel im Juli, Anfang 0:30 Uhr, Ende 22:30 Uhr. (© Grafik: M. Rothe)

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Unter ihnen ist auch der Altar, ein unscheinbares Sternbild mit interessanter Geschichte. Sollen doch einst die Götter vor dem Kampf gegen die Titanen an diesem Altar ihr Bündnis besiegelt haben.

Vor undenklichen Zeiten regierte Kronos über die Welt, nachdem er zuvor seinen Vater Uranos entmachtet hatte. Aber Kronos war in Sorge: Eine Prophezeiung verhieß, dass ihn eines seiner Kinder stürzen werde. So begann er kurzerhand, den Nachwuchs aufzufressen - Hestia, Demeter, Hera, Hades und Poseidon.

Entsetzt sah Rhea der Untat ihres Mannes zu und griff schließlich ein: Sie brachte ihren Sohn Zeus in die Höhle eines Berges auf der Insel Kreta und wickelte einen Stein in eine Windel. Kronos ließ sich täuschen und schluckte das vermeintliche Baby hinunter.

Zeus wuchs heran und begab sich eines Tages zum Palast seines Vaters. Er zwang ihn, seine verschlungenen Geschwister zu erbrechen - die tatsächlich als ausgewachsene Götter quicklebendig aus Kronos Schlund purzelten. Damit nicht genug: Zeus errichtete einen Altar und schwor die Geschwister darauf ein, die grausame Herrschaft ihres Vaters und der anderen Titanen zu beenden.

Zeus und seine Mitstreiter verbündeten sich mit den einäugigen Zyklopen und den hunderthändigen Hekatoncheiren, die Kronos in die Höhlen des Tartaros eingesperrt hatte. Die Zyklopen versorgten die Götter mit wunderbaren Waffen: einem Helm der Dunkelheit für Hades, einem Dreizack für Poseidon und Blitze für Zeus.

So ausgestattet, trugen die Götter nach zehnjährigem Kampf den Sieg davon - und teilten gleich den Kosmos unter sich auf: Hades wird Herr der Unterwelt, Poseidon gebietet über das Meer und Zeus über den Himmel. Zum Andenken versetzt Zeus den Altar ans Firmament.

Dort glimmen seine Sterne unterhalb des Bildes Skorpion. Die Konstellation ist im Sommer von Südeuropa aus zu sehen und wird in alten Karten oft mit einer Rauchfahne dargestellt. Das erinnert an eine andere Geschichte, wonach der Kentaur Cheiron auf dem Altar einen Wolf geopfert haben soll.

Wo sind Merkur, Venus. Mars und Jupiter?

Der flinke Planet Merkur entzieht sich in unseren Breiten den Blicken. Ebenso müssen wir im Juli auf die ansonsten strahlend helle Venus verzichten, sie steht noch zu nah an der Sonne.

Auch Mars, auf dem gerade die Raumsonde Phoenix nach Wasser und Spuren von Leben gräbt, gibt seine Abschiedsvorstellung.

Jupiter dagegen setzt sich in Szene: Am 9. Juli steht er der Sonne am Himmel genau gegenüber und lässt sich die ganze Nacht über blicken. Während dieser Opposition erreicht der Gasriese im Schützen die größte Helligkeit und mit 622,49 Millionen Kilometern seine geringste Entfernung zur Erde.

Der beringte Saturn zieht sich am Ende des Monats von der abendlichen Himmelsbühne zurück. So spielt sich am Firmament wieder mal ein Kampf der Titanen ab - Jupiter (Zeus) übernimmt das Zepter, während die Herrschaft von Saturn (Kronos) endet.

Uranus im Wassermann spüren Spezialisten nach Mitternacht mit dem Fernglas als schwaches Sternchen auf. Neptun im Steinbock geht am späten Abend auf. Sternschnuppen gibt es auch zu sehen: Um den 27.Juli erreichen die Delta-Aquariden ihr Maximum, zwei Tage später die Alpha-Capricorniden. Der Fahrplan des Erdtrabanten: Neumond am 3.Juli, Erstes Viertel am 10. Juli, Vollmond am 18. Juli und Letztes Viertel am 25. Juli.

Am 4. Juli ist die Erde mit 152,106 Millionen Kilometern am weitesten von der Sonne entfernt.

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(SZ vom 01.07.2008)