Von Helmut Hornung

Im Dezember funkeln Venus und Polarstern um die Wette. Und auch Dutzende anderer Sterne leuchten deutlich heller als die uralte Navigationshilfe.

Die meisten Menschen halten den Polarstern für hell und meinen, dass er besonders schön funkelt. Stimmt aber nicht. Polaris, so der lateinische Name, lässt sich mit bloßem Auge zwar recht gut beobachten, aber Dutzende anderer Sterne leuchten deutlich heller als er.

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Der Sternenhimmel Anfang Dezember 21.30 Uhr Ende Dezember 19.30 Uhr. (© Grafik: M. Rothe)

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Der Polarstern steht weniger als ein Grad vom Himmelspol entfernt und markiert so die Richtung Nord. Seine Höhe über dem Nordhorizont entspricht der geographischen Breite des Beobachtungsorts. Schon in der Antike diente er Seefahrern als Navigationshilfe.

Polaris markiert auch die Schwanzspitze des Kleinen Bären, dessen hellste Sterne wiederum den Kleinen Wagen bilden. Dabei handelt es sich um kein Sternbild im eigentlichen Sinn, sondern um einen sogenannten Asterismus - analog dem Großen Wagen in der Konstellation Großer Bär.

"Die kleinen Sterne des Wagens vermessen"

Den Kleinen Bär in die Astronomie eingeführt hat offenbar der Grieche Thales von Milet im 6. Jahrhundert vor Christus. Er soll, so berichtet ein Dichter der Antike, "die kleinen Sterne des Wagens vermessen haben, nach dem die Phönizier segelten". Um den Kleinen Bär ranken sich unterschiedliche Mythen.

Eine dieser Sagen erzählt von Kallisto, mit der Zeus eine Affäre anfing. Daraus entsprang Arkas. Als junger Mann lernte er mit Pfeil und Bogen umzugehen wie kein Zweiter. Eines Tages kam Hera, die Frau des untreuen Göttervaters, hinter die Beziehung und verwandelte Kallisto aus Wut in eine Bärin. Ausgerechnet ihr begegnete Arkas auf einem seiner Jagdausflüge - und zielte nichts ahnend auf sie.

Doch Zeus hatte alles beobachtet. In letzter Sekunde packte er das Tier am Schwanz und schleuderte es zum Himmel. Auf dieselbe Art soll er den gemeinsamen Sohn Arkas ans Firmament versetzt haben. Dort prangen sie noch heute als Großer und Kleiner Bär. Weil die beiden Bären im Lateinischen weiblich sind, symbolisiert der Kleine Bär nach einer zweiten Version eine treue Dienerin Kallistos.

Venus gibt in diesem Jahr den Weihnachtsstern. Schon in der Dämmerung zieht sie als strahlend helles Gestirn im Südwesten die Blicke auf sich. In den ersten Dezembertagen bildet sie gemeinsam mit Jupiter ein Planetenduo. Dagegen kommen die anderen Wandelsterne nicht an: Merkur und Mars lassen sich gar nicht beobachten, Saturn tritt im Grenzgebiet zwischen Löwe und Jungfrau während der zweiten Nachthälfte auf.

Im Fernrohr erscheint der ansonsten prächtige Ring nur als schmaler Strich - die Öffnung beträgt ein Grad. Nach Uranus im Wassermann müssen wir uns vor Mitternacht auf die Suche machen, Neptun im Steinbock verschwindet zur Monatsmitte von der Bildfläche. Der Dezember hat einige Meteorströme zu bieten: Die Geminiden erreichen ihr Maximum am Morgen des 12. Dezember, die Ursiden gegen Mitternacht vom 21. auf den 22.Dezember und die Coma Bereniciden um den 19. Dezember.

Die Mondphasen: Erstes Viertel am 5., Vollmond am 12., Letztes Viertel am 19. und Neumond am 27. Dezember. Am 21. Dezember erreicht die Sonne um 13.04 Uhr den niedrigsten Stand auf ihrer Jahresbahn - der astronomische Winter beginnt.

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(SZ vom 02.12.2008/mcs)