Von Helmut Hornung

Eine Stadt mit kolossalem Kunstgebäude? Bis ins 19. Jahrhundert waren Forscher davon überzeugt, dass der Erdtrabant bewohnt sei. Und wollen dies auch durchs Teleskop gesehen haben.

König Edymion hatte zum Angriff geblasen. 60 Millionen Infanteristen und 130.000 Kavalleristen auf dreiköpfigen Geiern, Kohlvögeln und Riesenflöhen erwarteten mit modernsten Waffen - Spinnen und Knoblauchwerfern - den Gegner.

Sternenhimmel, Juli, Mond, Erdtrabant Bild vergrößern

Grafik: M. Rothe. (© )

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Es ist ein früher Krieg der Sterne, dessen Vorbereitungen Lukian von Samosata im Jahr 160 in seiner "Wahren Geschichte" beschreibt: König Edymion und sein Herr leben auf dem Mond, und dort rüstet man sich gegen das Sonnenvolk.

Obwohl als Satire gedacht, zählt Lukian neben dem griechischen Philosophen Plutarch zu jenen Autoren, die im Mond so etwas wie eine belebte zweite Erde sehen.

Selbst Johannes Kepler glaubt, dass der Trabant von schlangengleichen Wesen bewohnt sei, die in riesigen Burgen inmitten von ausgedehnten Sümpfen hausen sollten.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein hielten sich allerlei Spekulationen um die "Levanier". Im Jahr 1822 überraschte Franz von Paula Gruithuisen nicht nur die Fachwelt. In seinem Aufsatz "Entdeckung vieler deutlicher Spuren der Mondbewohner" schildert der Mediziner und Astronom eine Stadt, die unweit der Scheibenmitte nahe des kleinen Kraters Schröter liege.

Besonders faszinierte ihn "ein kolossales Kunstgebäude", offenbar ein Tempel, den er am 23. Oktober 1822 mit einem kleinen Linsenteleskop gesehen haben wollte.

Abwechslungsreiches Terrain

Gruithuisens Mondstadt lässt sich am besten etwa einen Tag nach Halbmond beobachten, in diesem Monat um den 23. Juli. Mit einiger Phantasie kann man die Gedanken Gruithuisens nachvollziehen, das Terrain erscheint abwechslungsreich und zerklüftet.

Mit den Spuren einer Zivilisation haben die Bergkuppen, Täler und Krater freilich nichts zu tun. Der Mond ist ein toter Himmelskörper, dessen Antlitz vor Milliarden Jahren geformt wurde. An Baron Gruithuisen erinnert heute eine Region im Oceanus Procellarum mit einem 15 Kilometer großen Krater und mehreren Schildvulkanen.

Merkur zeigt sich nach dem 23. Juli tief am nordöstlichen Morgenhimmel. Um den flüchtigen Götterboten aufzuspüren, sind aber Spezialisten gefragt. Venus dagegen strahlt bis Mitte des Monats vom westlichen Abendhimmel, am 12. Juli erreicht sie ihren größten Glanz. Doch schon Ende Juli beendet sie ihren Auftritt. Mars geht gegen Mitternacht auf, wandert im Lauf des Monats vom Widder in den Stier und leuchtet heller als dessen Hauptstern Aldebaran.

Der Riesenplanet Jupiter schimmert die ganze Nacht als auffälliges Gestirn im Bild Schlangenträger. Saturn im Löwen verlagert seine Untergänge in die frühen Abendstunden. Uranus wird seine Opposition im September, Neptun im August erreichen; beide Planeten erscheinen Ende Juli am späten Abend.

Der Fahrplan des Erdbegleiters: Letztes Viertel am 7., Neumond am 14., Erstes Viertel am 22. und Vollmond am 30. Juli.

Am 7. Juli erreicht die Erde mit 152 Millionen Kilometern ihren größten Abstand zur Sonne.

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(SZ vom 2.7.2007)