Steinzeitmenschen und Neandertaler Einfach nur verscharrt

Steinzeitmenschen und Neandertaler beerdigten beide ihre Toten - doch manche Experten gehen davon aus, dass die Begräbnisse des Homo Sapiens ausgefeilter waren. Tatsächlich aber wurden Steinzeitmenschen meist auch nur in simplen Gruben verscharrt.

Von Christian Weber

Nicht einmal in der späten Steinzeit waren alle Menschen im Tode gleich. Das zumindest lässt eine neue Studie vermuten, die die Anthropologen Julien Riel-Salvatore von der University of Colorado Denver und Claudine Gravel-Miguel von der Arizona State University im April im Oxford Handbook of the Archaeology of Death and Burial veröffentlichen werden.

Ihre Untersuchung von insgesamt 85 prähistorischen Gräbern in eurasischen Ländern zeigt, dass die Menschen in dieser Zeit ihre Toten meist in simplen Gruben verscharrten und sich darin kaum von den angeblich weniger entwickelten Neandertalern unterschieden.

"Einige Autoren unterscheiden moderne Menschen und Neandertaler anhand ihrer Begräbnispraktiken", sagt Riel-Salvatore. "Aber wir stellen diese Orthodoxie infrage, wonach menschliche Begräbnisse immer ausgefeilter waren."

Nur manchmal seien den Steinzeit-Toten ein paar Haushaltsgegenstände oder persönlicher Schmuck aus Steinen, Zähnen oder Muscheln beigelegt worden.

Kunstvoll und üppig ausgestattete Gräber waren den Studienautoren zufolge die große Ausnahme, sie finden sich vor allem in Russland, Italien und in der Tschechischen Republik. Und seltsamerweise häuften sie sich vor ungefähr 30.000 Jahren, also zu einer Zeit, als die modernen Menschen bereits 10.000 Jahre in der Region siedelten. Danach wurden die Prunkbegräbnisse wieder seltener.

"Das zeigt, dass menschliches Verhalten sich nicht immer vom Einfachen zum Komplexen hin entwickelt", folgert Riel-Salvatore, "es entsteht und vergeht in Abhängigkeit der Lebensbedingungen der Menschen."

Immerhin gab es auch einige Konstanten: So fanden die Anthropologen, dass über die vielen Jahrtausende Männer häufiger als Frauen aufwendig bestattet wurden. Gestorbene Babys und Kinder fanden nur selten in einem eigens ausgehobenen Grab ihre letzte Ruhe. Vielleicht, weil die Kindersterblichkeit damals dermaßen hoch war, dass ein früher Tod nicht viel zählte.

Allerdings gestehen die Wissenschaftler, dass viele ihrer Aussagen notwendigerweise spekulativ seien. "Das Problem ist, dass sich nur wenige Begräbnisstätten finden lassen, gerade mal gut drei pro Jahrtausend in ganz Eurasien", erläutert Riel-Salvatore. "Da ist es schwierig, eindeutige Schlussfolgerungen darüber anzustellen, was diese für ihre Gesellschaften bedeutet hatten."