Steinmeiers Organspende Das Geschenk des Lebens

Was Frank-Walter Steinmeier für seine Frau tut, ist keine Kleinigkeit. Eine Nierenspende ist ein größerer, nicht ganz risikoloser Eingriff. Doch oft profitiert nicht nur der Empfänger von der Großzügigkeit.

Von Berit Uhlmann

Sie haben nach anderen Therapien gesucht - und keine gefunden. Am Ende war klar, dass der Frau von SPD-Fraktionsvorsitzender Frank-Walter Steinmeier nur noch eine neue Niere helfen kann.

Damit gehört die Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender zu den mindestens 8000 Menschen, die derzeit in Deutschland eine neue Niere brauchen. Rund sechs Jahre müssen Patienten im Schnitt auf das Organ warten. Jahre, die Steinmeiers Frau offenbar nicht mehr hat. Ihr Zustand habe sich akut verschlechtert, sagte der SPD-Politiker am Montag. Deshalb hat er beschlossen, ihr eine seiner eigenen Nieren zu schenken.

Bei jeder fünften Nierentransplantation verpflanzen Ärzte das Organ eines Lebenden. Der Anteil dieser Spenden steigt nach Angaben der Stiftung Lebendspende langsam aber stetig. Die Voraussetzungen sind nicht allzu schwierig zu erfüllen. Der Spender muss gesund und seine Blutgruppe mit der des Empfängers kompatibel sein.

Auch die gesetzlichen Hürden sind nicht hoch: Verwandte ersten oder zweiten Grades dürfen ihre Niere ebenso hergeben, wie Ehegatten, Verlobte oder anderen Personen, die dem Empfänger "in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahe stehen".

Die Spende erfordert im Normalfall eine rund zweistündige Operation unter Vollnarkose. Sie hinterlässt eine rund 14 bis 20 Zentimeter lange Narbe - und beim Spender oft stärkere Schmerzen als beim Empfänger. Denn wenn das Organ entnommen wird, werden anders als beim Einpflanzen oft Wundspreizer verwendet, die das Gewebe stärker verletzen.

Frank-Walter Steinmeier muss damit rechnen, sieben bis zehn Tage im Krankenhaus zu bleiben. Nach vier bis sechs Wochen wird er aller Voraussicht nach wieder an den Schreibtisch zurückkehren können. Bis er den stressigen Job eines Spitzenpolitikers wieder voll schultern kann, könnten -abhänig vom Heilungsverlauf - bis zu drei Monate vergehen.

Verglichen mit anderen operativen Eingriffen ist die Nierenentnahme zwar relativ risikoarm. Dennoch sind Komplikationen bis hin zum Tod möglich. Amerikanische Wissenschaftler haben vor kurzem die Daten von rund 80.000 Nierenspendern ausgewertet. 25 von ihnen starben innerhalb von drei Monaten nach der Operation. Das heißt, etwa drei von 10.000 Spendern überleben ihren Akt der Großzügigkeit nicht. Das ist nicht viel, aber auch nicht wegzureden. Zum Vergleich: Wird aus medizinischen Gründen eine Gallenblase entfernt - auch dies gilt als harmlose Operation - sterben 18 von 10.000 Patienten. Langzeitfolgen haben die Spender der Studie nach nicht zu befürchten.

Wie der Empfänger mit der neuen Niere zurechtkommt, hängt von vielen Faktoren ab. Doch einen großen Vorteil hat die Lebendspende: Nach Angaben der Stiftung Organtransplantation ist diese Art der Übertragung erfolgversprechender. In mehr als 84 Prozent aller Fälle arbeitet die vom Lebenden gespendete Niere auch im Körper des Empfängers zuverlässig. Wird das Organ eines Verstorbenen verpflanzt, liegt diese Rate - bedingt durch die meist längeren Transportzeiten - bei nur 70 Prozent.

Positiv wirkt sich die Lebendspende in vielen Fällen auch emotional aus. Die Stiftung Lebendspende zitiert eine Schweizer Studie, nach der 98 Prozent der Spender mit ihrer Entscheidung langfristig zufrieden waren. In vielen Fällen habe die Innigkeit der Beziehung durch das geschenkte Organ noch zugenommen.

Aus Liebe zu seiner Frau

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