Steinmeiers Organspende Belebende Nebenwirkungen

Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau geht es besser, nach ihrer öffentlichkeitswirksamen Nierenoperation wächst offenbar die Bereitschaft zur Organspende. Und ein umstrittener Vorschlag beflügelt die Debatte.

Von Susanne Höll

Gut eine Woche nach den Nierenoperationen des SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier und seiner Ehefrau Elke Büdenbender sind die Nachrichten aus der Klinik durchaus erfreulich. Sie seien auf dem Weg der Genesung, bislang gebe es keine Komplikationen, teilte die SPD-Fraktion mit.

Zudem hat der Doppeleingriff eine politische Debatte darüber angestoßen, wie man die in Deutschland vergleichsweise niedrige Zahl der Organspender erhöhen kann; eine Debatte, über die Mediziner, Gesundheitspolitiker und vor allem notleidende Patienten dankbar sind. Das Schicksal des Paares scheint angetan zu sein, die bisher allseits als zögerlich monierte Spendenbereitschaft in Deutschland zu erhöhen, zumindest vorübergehend.

Bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) jedenfalls steht seit der Nachricht über Steinmeiers politische Auszeit das Telefon nicht mehr still. Seit zehn Jahren beantworten Experten der DSO zusammen mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung an einem Info-Telefon persönliche Fragen zu Spenden und Transplantationen. Bislang meldeten sich jeden Tag im Durchschnitt gut 50 Ratsuchende. In der vergangenen Woche jedoch seien mehr als doppelt so viele Anrufe wie sonst eingegangen, sagt DSO-Sprecherin Birgit Blome.

Die meisten potentiellen Spender haben keinen Ausweis

"Die Resonanz ist groß. Die Menschen erkundigen sich nach Lebendspenden und fragen nach Ausweisen", berichtet Blome. Dass alle der bestellten Vordrucke auch ausgefüllt werden, kann sie nur hoffen, mit Sicherheit sagen kann sie es nicht. Gerade einmal 17 Prozent der Deutschen tragen einen der scheckkartengroßen Ausweise bei sich, weit weniger als die etwa 70 Prozent, die angeben, zu einer Spende bereit zu sein.

Zumindest einer dieser 70 Prozent hat seinen Status gewechselt. Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, hatte die Operation Steinmeiers und Büdenbenders mit den Worten kommentiert: "Jetzt kann man beiden nur das Beste wünschen und sich einen Spenderausweis besorgen." Der Vordruck steckt nun in seiner Tasche.