Von Klaus Koch

Die Qualität der Importware ist umstritten - für Therapien am Menschen taugt sie nicht.

(SZ vom 26.01.2002) - Forschen an embryonalen Stammzellen: Ja. Aber es dürfen mit öffentlichen Geldern keine weiteren Embryonen vernichtet werden". So lautete die Formel, die US-Präsident George Bush vergangenes Jahr seiner Nation präsentierte.

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Im August hatte er eine Liste von Typen menschlicher embryonaler Stammzellen (ES-Zellen) erstellen lassen, mit denen Wissenschaftler in den USA mit staatlichen Forschungsgeldern arbeiten dürfen. 1998 war die erste dieser so genannten Stammzell-Linien aus menschlichen Embryonen gewonnen worden, Bushs Liste zählt 72.

Mit den Stammzell-Linien auf der Liste der Amerikaner könnten auch die meisten deutschen Wissenschaftler erst einmal leben, sollte der Bundestag dem Import zustimmen.

Allerdings ist fraglich, wie lange diese Auswahl den Forschern genügen wird.

Schon jetzt sind Forderungen nach weiteren, "eigenen" Zelllinien abzusehen, für die dann erneut Embryonen geopfert werden müssten. Wie das zu rechtfertigen wäre, zeichnet sich bereits ab.

Zum Beispiel könnten kommerzielle Gründe angeführt werden: Manche Inhaber geben ihre ES- Zelllinie nur heraus, wenn die Empfänger die Rechte an der Verwertung der Forschungsergebnissen weitgehend abtreten.

"Vorhandene ES-Zellen nicht ohne weiteres für einen Einsatz an Menschen geeignet"

Doch auch die Qualität der existierenden Zelllinien ist fraglich. "Ich gehe davon aus, dass die bisher vorhandenen ES-Zellen nicht ohne weiteres für einen Einsatz an Menschen geeignet sind", sagt Klaus Cichutek, Vizepräsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen.

Cichutek weist auf das Risiko hin, dass alle bisher vorhandenen ES-Zellen mit Mäuseviren infiziert sein könnten. Denn nachdem sie einmal aus menschlichen Embryonen gewonnen wurden, werden die ES-Zellen auf einer Schicht lebender Mäusezellen vermehrt, von denen sie gleichsam gefüttert werden.

"Wir wissen, das Mäusezellen eine Vielzahl von Viren beherbergen die auch menschliche Zellen infizieren können", sagt Cichutek. Vorerst seien mit Mausviren infizierte menschliche ES-Zellen kein großes Problem, sagt der Stammzellforscher Jürgen Hescheler von der Universität Köln: "Für die Grundlagenforschung ist das nicht so schlimm, wir können auch mit virus-infizierten Zellen arbeiten."

Aber für Versuche an Menschen müssten aus weiteren Embryonen ganz neue Zelllinien gewonnen werden, die dann ohne Kontakt zu Mäusezellen überleben müssten.

Fehler im Erbgut

Auch andere Fragen sind ungeklärt: Stammzellen sind für die Forschung nur tauglich, wenn sie sich bereits mehrere Jahre ununterbrochen in den Brutschränken der Labors vermehrt haben, ohne beispielsweise Fehler im Erbgut anzusammeln, die ihre Eigenschaften verändern.

Unter den 72 Zelllinien auf Bushs Liste befänden sich lediglich vier, über die solche Qualitätsmerkmale veröffentlicht sind, bemängelt die Zellbiologin Anna Wobus aus Gatersleben in Sachsen-Anhalt: "Von den anderen weiß man nur vom Hörensagen", sagt Wobus.

Keine verfrühten Hoffnungen

Nach Ansicht der Forscherin sollte man deshalb keine verfrühten Hoffungen auf die Stammzellen setzen. Solange man nicht einmal wisse, ob die Zellen für die Forschung geeignet seien, sei es überflüssig sich den Kopf zu zerbrechen, ob und welche ES-Zelllinie zum Einsatz beim Menschen kommen werde, sagt

Wobus:"Möglicherweise stellt sich ja heraus, dass man ES-Zellen überhaupt nicht für Therapien benötigt."

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