Stammzellenforschung Forscher klonen menschlichen Embryo

Durchbruch in der Stammzellenforschung: Zum ersten Mal haben Wissenschaftler aus einem eigens hierfür hergestellten künstlichen menschlichen Embryo Stammzellen gewonnen. In Zukunft könnten so Krankheiten wie Parkinson und Multiple Sklerose heilbar sein. Die Forscher dämpfen Befürchtungen, wonach nun Klon-Menschen gezüchtet werden könnten.

Von Patrick Illinger

Amerikanische Wissenschaftler haben erstmals menschliche Stammzellen aus einem eigens hierfür geklonten Embryo gewonnen. Ausgangspunkt der Versuche waren normale Hautzellen von Kindern, deren Zellkerne in weibliche Eizellen verpflanzt wurden. Diese Methode, so hoffen die Wissenschaftler, könnte in Zukunft frisches Körpergewebe liefern, mit dem sich Krankheiten wie Parkinson, Multiple Sklerose sowie Verletzungen des Rückenmarks heilen lassen.

Der Leiter der Forschungsgruppe der Health & Science University im Bundesstaat Oregon, Shoukhrat Mitalipov, schreibt in einer Mitteilung, dass mit dieser Technik wohl kaum ein menschlicher Klon hergestellt werden kann, also ein ausgewachsener Mensch. "Jahrelangen Studien mit Affen und Zellkern-Übertragungen haben keinen einzigen Affen-Klon hervorgebracht", sagt Mitalipov. Das sogenannte reproduktive Klonen sei, anders als das therapeutische Klonen, auf der Basis ihrer Versuche nicht gelungen und sei auch nicht Ziel seiner Forschung.

Es ist offensichtlich, dass die Experten mit solchen Hinweisen eine emotionale Debatte vermeiden wollen, wie sie üblicherweise bei Themen rund um Stammzellen oder das Klonen von Lebewesen aufflammt. Die Stammzellenforscher heben daher den möglichen medizinischen Nutzen ihrer Versuche hervor und dämpfen Befürchtungen, wonach nun Klon-Menschen gezüchtet werden könnten. Auch legen sie Wert auf die Feststellung, dass bei ihrer Forschung keine auf natürlichem Weg befruchteten menschlichen Embryonen verwendet werden.

Für ihre Versuche saugten die Biochemiker die Zellkerne aus den Hautzellen von Kindern und übertrugen sie in zuvor entkernte weibliche Eizellen, sodass ein künstlicher Embryo entstand. Nachdem sich diese Urzelle ähnlich wie eine befruchtete Eizelle in der Petrischale zu teilen begann, konnten die Forscher aus dem sich entwickelnden Gewebe Stammzellen abspalten. Solche pluripotenten Stammzellen können sich daraufhin in verschiedenstes Körpergewebe weiterentwickeln, von Nervenzellen bis hin zu Muskelfasern.

"Weil die umprogrammierten Zellen mit Genmaterial des Patienten hergestellt werden, besteht keine Gefahr der Abstoßung", betont Shoukhrat Mitalipov. Sollten die Experimente in anderen Laboren bestätigt werden, stünden sie in Konkurrenz zur Forschung an sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen, bei denen ausgereifte Körperzellen mit Chemikalien in eine Art Urzustand zurückversetzt werden.

Der Weg über einen geklonten Embryo gleicht Experimenten, mit denen 2004 der südkoreanische Stammzellenforscher Woo-Suk Hwang Aufsehen erregte. Später stellte sich heraus, dass Hwang seine vermeintlich gelungenen Klon-Versuche frei erfunden und entsprechende Veröffentlichungen gefälscht hatte. Die nun offenbar erfolgreiche Forschergruppe der Health & Science University sowie des dortigen Primatenforschungszentrums hatte jahrelang mit Affen experimentiert, bis sich ihre Erkenntnisse auf menschliche Zellen übertragen ließen.

(Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass Ausgangspunkt der Versuche normale Hautzellen von Erwachsenen gewesen seien und dass Forscher Embryonen aus Hautzellen eines Erwachsenen geklont hätten. Wir haben diese Angaben korrigiert.)