All das war vor Beginn der Konferenz in Kopenhagen so bekannt wie heute; es hat, ungeachtet unzähliger wohlmeinender Bekenntnisse, keine Früchte getragen. Sollten nicht Länder wie Japan und die EU-Staaten noch einmal eine Initiative ergreifen, sollte Barack Obama mit seinem Klimagesetz scheitern, wird es auch in Mexiko kein Abkommen geben. Doch Japan plagt derzeit die Wirtschaftskrise mehr als das Klima, die Europäische Union hat - wie übrigens auch die deutsche Bundesregierung - jede Führungsrolle im Klimaschutz aufgegeben, die Aussichten für ein Klimagesetz in den USA haben sich verdüstert. Dass Mexiko, der nächste Gastgeber, als einziges großes Schwellenland bisher zu seinen Klimazielen schweigt, spricht Bände.

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Dies alles muss nicht das Ende der Bemühungen gegen die Erderwärmung sein. Es wäre aber das Ende eines ausgleichenden und ausreichenden Klimaschutzes. Staaten werden zunehmend auf grüne Technologien setzen, schon um Ressourcen zu sparen; Klimaschutz wird quasi zum Nebenprodukt. Doch eine Garantie dafür, eine gegenseitige, überprüfbare Zusage, wird es nicht geben.

Insbesondere jene Staaten, die schon jetzt Folgen des Klimawandels spüren, ohne je den Wohlstand der Industriestaaten auch nur erahnt zu haben, werden das nicht akzeptieren. Die Rolle der Vereinten Nationen im Klimaschutz wird daran zerbrechen, mehr noch: Sie wird bei der Lösung globaler Probleme insgesamt in Frage stehen. Für einen Ausgleich zwischen Profiteuren und Leidtragenden der Industrialisierung gibt es damit keinen Rahmen mehr, mit allen Folgen für die Industrieländer: Klimawandel und Ressourcenmangel werden zum Fluchtmotiv für Millionen Menschen. Auf Dauer bleibt keiner verschont, nicht einmal die reichen Volkswirtschaften.

All das steht in diesem Jahr auf dem Spiel, doch die Staatengemeinschaft wirkt wie paralysiert vom Ausgang der Kopenhagener Konferenz. Dabei ist es höchste Zeit, nun auch über einen Plan B nachzudenken, etwa eine zweijährige Verlängerung des Kyoto-Protokolls, sollte Obama noch mehr Zeit für sein Klimagesetz brauchen. Oder aber eine auf Zuwachs angelegte Koalition der Willigen, in der wichtige Industriestaaten untereinander Klimaschutz organisieren, zum Beispiel durch den kontrollierten Handel mit Kohlendioxid-Emissionsrechten.

Ein Abkommen, das so schwach ist wie die jüngsten Vorschläge der Staaten, kann sich die Weltgemeinschaft schenken. Es würde keinem helfen.

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  1. In der Abwärtsspirale
  2. Sie lesen jetzt Auf Dauer bleibt keiner verschont
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(SZ vom 03.02.2010/beu)