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Klima in Gefahr
14.12.2007    17:16 Uhr Drucken  |  Versenden  |  Kontakt
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Wenn es Nacht wird auf Bali

Nach der Klimakonferenz der Vereinten Nationen steht der Fahrplan für die nächsten zwei Jahre. Über ihr Minimalziel kommen die Gipfelteilnehmer aber nicht hinaus.
Ein Kommentar von Wolfgang Roth

Umweltorganisationen fordern von Europäern auf Bali Standhaftigkeit; dpa
Umweltorganisationen fordern von den Europäern auf Bali Standhaftigkeit.
Foto: dpa
 

Es hat schon bessere Ergebnisse auf Klima-Konferenzen gegeben als das, was in dieser langen Nacht von Bali noch herauskommen kann. Allerdings auch schon schlechtere.

Von vorneherein war klar, dass hier in Indonesien nur unter den günstigsten Bedingungen schon eine von allen akzeptierte Zielvorgabe für die Reduzierung der Treibhausgase in den Industrieländern bis 2020 beschlossen werden würde.

Das aber ist die Voraussetzung dafür, dass sich auch Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und Südafrika nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls im Jahr 2012 erstmals eigenen Verpflichtungen unterwerfen.

Alles für die Katz also? Das nun gerade nicht. Der Fahrplan für die nächsten zwei Jahre steht - das Minimalziel der Europäer, unter denen sich nur Optimisten mehr erhofft hatten.

Der Weg zur weiteren Aufstockung jener Fonds ist eröffnet, die den am stärksten vom Klimawandel heimgesuchten Ländern die Anpassung erleichtern sollen; die Mittel sind noch lächerlich niedrig, erhebliche Nachbesserung ist nötig. Ein Fortschritt ist, dass hier auf Bali die Wälder, zumal jene im Tropengürtel, stärker in den Vordergrund rückten - im positiven wie im negativen Sinne.


Wenn es nicht gelingt, den weiteren Raubbau auch im Gastgeberland Indonesien zu stoppen, sind gewaltige Anstrengungen vergebens, die Verbrennung von Kohlenstoff einzudämmen. Dagegen kann eine verantwortungsvolle Waldpolitik in globalem Maßstab manche Versäumnisse der Klimapolitik ausgleichen.

Die Zeit ist noch nicht reif für eine aktivere Rolle der USA, aber die Zeit arbeitet eindeutig in diese Richtung - egal, welche Partei die nächste Regierung in Washington stellt. Man hat die US-Delegation schon hartleibiger erlebt, und es ist gut möglich, dass sich in den nächsten zwei Verhandlungsjahren Russland als der größte Blockierer herausstellt.

Die Vereinigten Staaten hängen am Öltropf wie kaum eine andere Nation; die Macht der Kremlherrscher basiert dagegen weitgehend auf den Erdöl- und Gasreserven, die noch lange Devisen einbringen sollen. Das ist nun einmal der elementare Interessengegensatz im internationalen Klimaschutz: Länder, deren Wirtschaft einseitig vom Verkauf der Kohlenstoffvorräte abhängt, sollen solidarisch sein mit jenen, die nicht über solche Ressourcen verfügen, aber von der Erderwärmung am stärksten bedroht sind.

Es bedarf eines langen Atems, um diesen Konflikt zu lösen. Dass es überhaupt noch gelingen kann, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, ist stark zu bezweifeln. Gleichwohl ist die Fortsetzung dieses Verhandlungsprozesses eine unabdingbare Voraussetzung, um größeren Schaden abzuwenden.

Entscheidend sind nun die zwei Jahre bis zur Konferenz in Kopenhagen, spätestens dann müssen konkrete Zielvorgaben für die Nach-Kyoto-Ära stehen. Die Europäer haben dabei als treibende Kraft eine wichtige Rolle, die ihnen vorderhand leider niemand streitig macht.


(SZ vom 15.12.2007/cag)

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