Schon Säuglinge erkennen, ob ein Erwachsener eine Fremdsprache spricht. Und zwei Sprachen bringen sie nicht durcheinander, sondern sind beim Erlernen weiterer Sprachen nützlich.
Eigentlich kann ein Baby mit vier bis sechs Monaten noch kein Sprachgenie sein. In diesem Alter übt es in der Regel erst die Lautbildung, indem es vor sich hin brabbelt und plappert.
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Säuglinge besitzen ein erstaunliches Sprachverständnis. (© dpa)
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Doch nun hat die Psychologin Janet Werker von der University of British Columbia in Vancouver während der Jahrestagung der amerikanischen Wissenschaftsvereinigung AAAS in Washington eine Studie vorgestellt, die ein erstaunliches Sprachverständnis bei Säuglingen zeigt: Babys können demnach in diesem Alter bereits erkennen, ob ein Erwachsener eine Fremdsprache spricht.
Anhand der Saugrate an einem mit einem Messgerät verbundenen Schnuller konnte Werker zeigen, dass vier Monate alte Babys Muttersprache und Fremdsprache allein an den Mundbewegungen des Sprechers unterscheiden. Dazu zeigte die Psychologin den Säuglingen Videos mit abgestelltem Ton, auf denen jeweils die gleiche Person Texte in verschiedenen Sprachen vorlas.
An der Studie nahmen Säuglinge im Alter von vier, sechs und acht Monaten teil, die zweisprachig mit Spanisch und Katalanisch aufwachsen. Sie wurden mit Kindern verglichen, die von Geburt an nur eine der beiden Sprachen gehört haben.
Der Clou war, dass Zweisprachler beim Betrachten des tonlosen Videos nur durch das Lippenlesen sogar Englisch und Französisch voneinander unterscheiden konnten. Säuglinge, die nur mit einer Sprache aufwachsen, haben diese Fähigkeit zwar auch, jedoch nur in den ersten Monaten. Bereits im Alter von acht Monaten geht sie verloren.
"Diese Studie sowie Ergebnisse aus bisherigen Untersuchungen weisen darauf hin, dass bilinguale Kinder schon von Geburt an zwei Sprachen gut voneinander trennen können", sagte Werker. Es bringe sie keineswegs durcheinander, wie häufig behauptet werde, sondern sei beim Erlernen weiterer Sprachen nützlich.
Das Gehirn der Zweisprachler verarbeitet Sprache effizienter. Mit Hilfe bildgebender und elektrophysiologischer Verfahren ließ sich feststellen, dass bilinguale Personen für beide Sprachen das gleiche neuronale Netzwerk aus der Kindheit benutzen.
"Wer eine Sprache erst später lernt, aktiviert neben dem ursprünglichen Netzwerk der Muttersprache ein neues Netzwerk", sagte Ellen Bialystok von der York University in Toronto bei der Tagung in Washington. Er habe dadurch mehr Mühe und könne - trotz einer hohen Wortschatzkompetenz und Motivation - nie annähernd das Niveau eines Zweisprachlers erreichen.
Als Spätlernender habe man völlig andere Voraussetzungen. Man brauche meist zunächst einige Zeit, ein Gefühl für die Eigenheiten der Fremdsprache zu bekommen, sagte die Sprachwissenschaftlerin Sonja Kotz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig. Das Gehirn müsse sich zuerst einmal an die anderen Sprechrhythmen gewöhnen. In der Muttersprache, so die Forscherin, werde dagegen das Gehörte meist ohne große Anstrengung annähernd in Echtzeit verarbeitet.
Kaum zu Ende gehört, sei der Sinn eines Satzes auch schon verstanden. Dies sei jedoch nur möglich, weil der Hörer die Wörter oft schon erwartet und das zugrunde liegende neuronale Netzwerk diese intuitiv verarbeitet.
Des Weiteren kommt es sehr darauf an, um welche zusätzliche Sprache es sich bei Spätlernern handelt. Im Deutschen und Englischen gibt es ähnliche Betonungsmuster, die das Erkennen von Wortgrenzen im Sprachfluss genau bestimmen. Im Französischen werden dagegen die Laute anders hervorgehoben.
"Deshalb fällt es etwa einem französischen Muttersprachler eher schwer, Deutsch oder Englisch zu sprechen", sagte Sonja Kotz in Washington. Ohne die Melodie der Sprache verinnerlicht zu haben, macht man laut einer neuen Studie des Leipziger Forschungsteams auch mehr Fehler bei der Grammatik.
Lernen Kinder von klein auf zwei Sprachen, hat das bis ins Alter einen positiven Einfluss für die kognitiven Fähigkeiten. Untersuchungen mit alten Menschen, die bilingual aufgewachsen sind, ergaben, dass sie im Vergleich zu reinen Muttersprachlern später an der Alzheimer-Krankheit oder anderen Arten von Demenz leiden.
"Es scheint, dass die Verarbeitung von zwei Sprachen dazu beiträgt, dass das Gehirn länger fit bleibt", sagt Ellen Bialystok. Im Durchschnitt erkranken Zweisprachler erst fünf Jahre später an Alzheimer oder Demenz.
Doch was ist mit Menschen, denen nicht von Geburt an zwei Sprachen in die Wiege gelegt werden? Haben sie überhaupt eine Chance, mit Übung und Fleiß das Versäumte jemals wettzumachen? "Es ist nie zu spät und stets ein gutes Training fürs Gehirn, egal ab welchem Alter", sagt Sonja Kotz. Man dürfe aber nicht erwarten, dass man eine Fremdsprache dann irgendwann perfekt beherrsche.
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(SZ vom 22.02.2011/mcs)
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Ich kann Ihnen nur Recht geben. Gerade das so schwer beschreibbare "in der Sprache daheimsein Gefühl" ist auch bei besten Zweitsprachen-Kenntnissen nicht erwerbbar. Als Dolmetscher erleben wir das immer wieder, wie Menschen aufblühen, wenn Sie sich dank Übersetzung in Ihrer Muttersprache bewegen können.
Das, was sie schreiben, beweist doch einmal mehr, dass eine originäre Zweisprachigkeit etwas ganz anderes ist, als eine elaborierte, wie z.B. Schule oder Vorschule sie bieten.- Das hat wohl etwas mit dem gesamten Umfeld zu tun, in der Sprache erlernt wird, mit Identifikation, mit einen in der Sprache Daheimsein-Gefühl, insgesamt mit viel Gefühl, mit Gerüchen, mit "Gemütlichkeit" u.a. m.. Leider lässt man diesen Aspekt bei allen entspr. Untersuchungen anscheinend einfach unter den Tisch fallen. - Aber wir sehen es ja bereits an den einzelnen Dialekten unseres Kulturkreises. Ich kann z.B. kaum etwas positiv Gefühlsmäßiges für das Schwäbische entwickeln, dafür aber schon mehr fürs Hessische, denn hier wuchs ich auf, hier lebe ich. Am stärksten aber ist mein Gefühl im Ostpreußischen verankert, der Sprache meiner Eltern, die es übrigens nur mit einem leichten Akzent sprachen, was offensichtlich aber schon ausreichte, um mich zu prägen.
Also bitte.... es sprechen ja gerade die kein deutsch die hier aufgewachsen sind. In der 5 Klasse vor 18 Jahren hab ich es selbst erlebt... meine Türkischen Freunde konnten alle Deutsch. Dann griff die Türkische Erziehung und man hat absichtlich zur eigenen ausgrenzung angefangen in "ich schwör" zu sprechen was weder ein Dialekt noch eine Sprache ist. Die Mütter sprechen kein Deutsch weil sie keinen Kontakt zu Deutschen haben dürfen und wollen.
Ausserdem beweisen hunderttausende von Balkanflühtlingen das man, selbst wenn man es nicht vor hatte, prima Deutsch lernen kann.
Würden sie in der Türkei Türkisch lernen wäre das auch kein Thema. Wenn sie das machen und es trotzdem nicht geht sind sie keineswegs Sprachbegabt.
Oft wird ImmigrantInnen vorgeworfen, dass sie die deutsche Sprache auch nach Jahren nicht beherrschen. Als Sprachbegabte, die sich gerade die Zähne an Türkisch ausbeißt, kann ich deren Probleme mit Deutsch voll und ganz verstehen. Es hat wenig mit Wollen oder Können zu tun. "Des Weiteren kommt es sehr darauf an, um welche zusätzliche Sprache es sich bei Spätlernern handelt."
die Wissenschaftsredation der SZ hält sich ganz schön raus aus der Diskussion um Plagiate bei Promotionen. Als Insider kann ich sagen, Gefälligkeitspromotionen für Politiker sind nur die Spitze des Eisbergs. Gefälligkeitsgutachten im Bereich wissenschaftlicher Veröffentlichungen in Zeitschriften sind nicht unüblich. Schließlich geht es um Exzellenzstatus und Forschungsmittel.
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