Wer durch asoziales Verhalten auffällt, den bestraft die Gesellschaft. Doch möglicherweise geht sie dabei genau den falschen Weg - und sollte lieber die Guten belohnen.
Wenn eine Gemeinschaft möchte, dass ihre Mitglieder ordentlich Müll trennen oder ihre Kohlendioxid-Emissionen reduzieren, ist es womöglich nicht die beste Strategie, Abweichler - so wie üblich - zu bestrafen.
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Lieber gutes Verhalten belohnen als schlechtes bestrafen - das macht eine Gesellschaft insgesamt sozialer. (© Foto: dpa)
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Belohnungen könnten besser wirken als Strafen, wenn man soziales Verhalten in einer Gruppe erzielen möchte. Darauf deuten Ergebnisse von Experimenten hin, die ein Forscherteam um David Rand und Anna Dreber von der Universität Harvard jetzt im Fachmagazin Science (Bd. 325, S.1272, 2009) veröffentlicht hat.
Die Forscher nutzten ein Standardexperiment aus der Spieltheorie, das sogenannte Public Goods Game. Bei diesem Spiel kann jeder aus einer Gruppe von Mitspielern entscheiden, wie viel Geld er in einen gemeinsamen Topf wirft. Die so gesammelte Summe wird am Ende gleichmäßig verteilt.
Am meisten Geld gibt es also insgesamt, wenn jeder den Maximalbetrag beiträgt. Wenn jedoch ein Trittbrettfahrer mitspielt, der gar nichts oder nur einen Minimalbetrag einwirft, dann erzielt er selber einen individuell höheren Gewinn.
Belohnen kosten - bestrafen auch
Weil nun jeder dem anderen misstraut, kommt in aller Regel das optimale Ergebnis für die Gruppe nicht zustande - zumindest dann nicht, wenn man die Mitspieler nicht kennt und nur eine Runde gespielt wird.
Dies änderte sich bei veränderten Bedingungen: Die Forscher ließen die Versuchsteilnehmer - 48 Gruppen zu je vier Leuten - mehrere Runden spielen und gaben ihnen die Möglichkeit, nach jeder Runde ihre Mitspieler für ihr Verhalten zu belohnen oder zu bestrafen. Sowohl die Belohnung als auch die Bestrafung kostete den Beurteiler eigene Geldeinheiten.
Das Ergebnis war eindeutig: Der mittlere Gewinn war für alle Teilnehmer bei Belohnungsstrategien deutlich höher, als wenn regelmäßig gestraft wurde. Die Autoren der Studie folgern, dass Kooperation in einer Gesellschaft am ehesten durch eine positive Verstärkung erreicht werden kann.
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(SZ vom 05.09.2009/gal)