Soziale Roboter Ein bisschen Widerspenstigkeit muss sein

Welche Eigenschaften aber entscheiden letztendlich darüber, wie bereitwillig Menschen einen Roboter als Spielpartner, Haushaltshilfe, Lehrer oder Aufpasser akzeptieren? Wie muss die Maschine aussehen, wie muss sie sich verhalten? Nicht weniger als das Profil eines Ideal-Roboters ist es, was die Bielefelder Forscher und andere Experten erstellen wollen. "Die Verhaltensweisen und Reaktionen müssen nicht besonders komplex sein", sagt Sagerer. "Schon ganz wenige Aspekte geben einem das Gefühl, verstanden zu werden - wenn es nur die richtigen sind."

Soziale Roboter

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Wichtig ist vor allem, dass die Maschine liebenswert erscheint - so sehr, dass man ihr auch Fehler verzeiht. Und sie muss um ihre eigene Unzulänglichkeit wissen und diese auch öffentlich eingestehen. In einer Studie sollten Probanden einem humanoiden, also menschenähnlichen Roboter eine halbe Stunde lang alltägliche Handgriffe erklären.

Dass der Roboter anschließend Fehler machen würde, war auch den Versuchspersonen klar. Dennoch zeigten sie dafür viel größeres Verständnis, wenn die Maschine von Zeit zu Zeit beschwichtigte: "Ich weiß, dass es manchmal nicht einfach ist, mit mir zusammenzuarbeiten. Bitte lass dich davon nicht entmutigen."

Umgekehrt muss der Roboter auch erkennen, wenn die Zeit des freundlichen Säusel-Tons vorbei ist. Reagiert der Mensch unwirsch, darf auch der Roboter in Stimme und Mimik strenger werden. "Wir wollen immer eine Reaktion auf unser Verhalten sehen", sagt Sagerer, der dank der Roboterforschung viel über den Menschen gelernt hat. "Das Gegenteil kennen wir von Telefonhotlines, bei denen die Automatenstimme auch dann noch freundlich bleibt, wenn man sie unflätig beschimpft. Das treibt jeden zur Weißglut."

Nicht nur wie, sondern auch wann der Roboter reagiert, entscheidet über seinen Erfolg. Antwortet die Maschine eine halbe Sekunde zu früh oder lässt mehr als 1,5 Sekunden verstreichen, brechen zumindest Kinder ihre Bemühungen sofort ab, wie Versuche mit dem kalifornischen Roboter Rubi gezeigt haben.

Akzeptiert wird der Roboter als Gesprächspartner nur, wenn er sich an die üblichen Regeln der menschlichen Kommunikation hält. Dass Angehörige verschiedener Kulturen unterschiedlich lange Pausen zwischen Frage und Antwort gewohnt sind, macht die Sache für Roboterentwickler nicht einfacher.

Zu perfekt und berechenbar darf die Maschine allerdings auch nicht sein, dann werde sie schnell langweilig, sagt Sagerer: "Wir mögen es auf Dauer nicht, wenn ein Job einfach nur erledigt wird." Genau das hatten seine Programmierer anfangs dem hundeähnlichen Roboter Aibo beigebracht.

Dann bauten seine Entwickler ihm ein bisschen Widerspenstigkeit ein, und in Testreihen kam der bockige Roboter gut an. Rubi hingegen musste zu seinem eigenen Schutz garstig werden: Die Kinder, denen er Finnisch beibringen sollte, rissen ihm anfangs immer wieder die Arme ab. Jetzt brüllt der Roboter bei derartigen Versuchen und hat seither seine Ruhe.

Niemand mag einen Roboter, der wie aussieht wie ein Mensch