Soziale Netzwerke Wie der Facebook-Filter die politische Meinung bestimmt

Nachrichten lesen auf Facebook - aber wie stark filtert der Algorithmus, was man zu sehen bekommt und was nicht?

(Foto: Dado Ruvic/Reuters)

Filterblase oder Schere im Kopf? Eine Studie mit den Daten von zehn Millionen Nutzern will die Frage beantworten, wie groß der Einfluss des Facebook-Algorithmus auf die politische Meinung wirklich ist.

Von Robert Gast

Facebook kann sehr anstrengend sein. Ständig posten Bekannte Katzenvideos, protzen mit Urlaubsfotos oder teilen stolz mit, was ihr zweijähriger Sohnemann morgens beim Frühstück gebrabbelt hat. Das will in seiner Gesamtheit kaum jemand sehen, zumal die allermeisten Facebook-Freunde eher entfernte Bekannte als Vertrauenspersonen sind.

Was man sehen will, sind die Hochzeitsfotos einer alten Schulfreundin. Das Statusupdate des Studienkollegen, der sein Staatsexamen geschafft hat. Oder den Link zu einem Zeitungsartikel, der verrät, ob Yanis Varoufakis' Stinkefinger nun wirklich nur eine Fälschung von Jan Böhmermann war.

Facebook will seine Nutzer möglichst lange auf seiner Webseite halten. Daher sortieren Computerprogramme vor, was ein Nutzer in seinem "Newsfeed" gezeigt bekommt. Die Algorithmen filtern Beiträge heraus, die der Programmcode als nicht relevant einstuft. Wenn man die belanglosen Statusupdates der Bekannten aus Kindergartentagen nie anklickt, erscheinen sie irgendwann nicht mehr.

Experten streiten über schädliche Wirkung von Filtern

Mitunter filtert der Newsfeed-Algorithmus aber auch Beiträge aus dem Nachrichtenstrom, die ein Nutzer zwar nicht gut findet, die ihm aber vielleicht trotzdem gut tun würden: Zum Beispiel Links zu Zeitungsartikeln, die das eigene Weltbild infrage stellen.

Seit Jahren streiten Experten darüber, ob solche Filter dem öffentlichen Diskurs schaden. Der Internetaktivist Eli Pariser prägte 2011 den Begriff der "Filterblase". Wenn Internetnutzern Informationen vorenthalten werden, die ihrem Wertesystem zuwiderlaufen, würde das die Gräben zwischen politischen Lagern vertiefen. Am Ende drohe die Demokratie Schaden zu nehmen, wenn Algorithmen jedem nur noch das präsentieren, was er hören will.

Pariser erhielt Widerspruch für seine These. Andere Experten hielten das Ausmaß, in dem Google und Facebook das Internet für ihre Nutzer personalisieren, für gering. "Bisher ist unklar, wie stark die Auswirkungen dieser Praxis sind", sagt der Internetexperte Viktor Mayer-Schönberger von der Universität Oxford.