Facebook, Twitter, E-Mails Selbst der Sex muss warten

Soziale Netze halten die Menschen massiv im Bann: Viele Menschen würden eher auf Sex, Alkohol oder Zigaretten verzichten als darauf, ihre Accounts zu kontrollieren.

Von Sebastian Herrmann

Auf diesen Kommentar reagieren die anderen Nutzer auf jeden Fall. Nach zwei Minuten: nichts. Nach drei Minuten: immer noch nichts. Kaum sind fünf Minuten vergangen, kontrolliert man zum dritten Mal seinen Twitter- oder Facebook-Account oder das eigene E-Mail-Postfach.

Der Drang ist einfach zu groß, um zu widerstehen. Er ist sogar so stark, dass Menschen eher auf Sex, Alkohol oder Zigaretten verzichten würden als darauf, ihre Accounts in sozialen Netzwerken zu kontrollieren.

Das behauptet zumindest der amerikanische Psychologe Wilhelm Hofmann von der Universität Chicago in einer Studie, die demnächst im Fachmagazin Psychological Science erscheinen wird.

Der Wissenschaftler untersuchte das Verhalten von Bewohnern der fränkischen Stadt Würzburg. 205 Probanden im Alter von 18 bis 85 Jahren waren mit Blackberrys ausgestattet und gaben mehrmals am Tag über ihre Begierden nach verschiedenen Tätigkeiten oder Genussmitteln Auskunft.

Sie teilten mit, wonach sie sich in den vergangenen 30 Minuten gesehnt hatten, welcher Gier sie nachgegeben und welcher sie widerstanden hatten. Hofmann sammelte auf diese Weise 10.558 Antworten, in denen 7827 sogenannte Begierde-Episoden enthalten waren.

Die höchsten Raten mangelnder Selbstkontrolle beobachteten die Psychologen dabei im Umgang mit sozialen Netzwerken. Die Webseiten seien einfach stets verfügbar, sagt Hofmann, und anders als etwa Zigaretten weder mit finanziellen noch mit gesundheitlichen Kosten verbunden.