Im Mittel müssten jeden Tag Anlagen ans Netz gehen, die so viel Strom erzeugen wie ein großes Atomkraftwerk. Zurzeit schaffen die Firmen, die die nötige Ausrüstung produzieren, so viel Kapazität in einem Jahr. Zur Finanzierung schwebt Knies ein Fonds vor, den die Industrieländer mit 20Milliarden Euro pro Jahr füllen - acht davon aus Europa. Hinzu kämen nach Zahlen des DLR 45 Milliarden Euro für 20 neue Leitungen zwischen Nordafrika und Europa.

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Allerdings geht es wohl auch eine Nummer kleiner. Desertec selbst nimmt an, dass der Strom aus der Wüste im Jahr 2050 ein Sechstel des Bedarfs in Europa deckt; einen größeren Anteil sollen heimische erneuerbare Quellen wie Windenergie und Wasserkraft liefern. Diese Zahlen entkräften die Befürchtung mancher Kritiker, Europa könne sich mit dem Wüstenstrom in eine neue Abhängigkeit begeben, diesmal in die von Sonnenstrom-Scheichs der Sahara.

Geringerer Treibhausgasausstoß

Doch die importierte Solarenergie könnte helfen, den Treibhausgasausstoß in Europa um 80 Prozent zu senken. Bis dahin muss sich aber politisch noch einiges tun. Zwar lobte in Berlin der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Günter Gloser (SPD), das Desertec-Konzept als "idealtypisches Ziel der deutschen Außenpolitik".

Aber die im Sommer 2008 gegründete Union für das Mittelmeer sei zurzeit nicht handlungsfähig, alle Treffen seien suspendiert. Die Investionssicherheit, die in Berlin Gudrun Kopp, die energiepolitische Sprecherin der FDP, forderte, ist von dieser Organisation vorerst nicht zu erwarten.

Immerhin hat die EU schon zugestimmt, dass sich Mitgliedsstaaten Ökostrom aus Nordafrika auf die Ziele zum Ausbau regenerativer Energien anrechnen dürfen, erklärte auf der Desertec-Veranstaltung Hans Josef Fell, der in der Grünen-Bundestagsfraktion Energiethemen betreut.

Er schlug zudem vor, Deutschland solle im Alleingang beginnen, Solarstrom aus der Sahara mit einer Einspeisevergütung abzunehmen, so wie auch heimische Windenergie bezuschusst wird. Damit werde ein Anreiz geschaffen, in Nordafrika in solarthermische Anlagen zu investieren.

Die Desertec-Stiftung selbst wünscht sich ein öffentlich finanziertes Pilotprojekt. Aus humanitären Gründen solle es in Ägypten stehen und den Gazastreifen versorgen - und womöglich den Konflikt der Palästinenser mit Israel mindern.

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  1. Strom aus der Wüste
  2. Wie kommt der Strom zum Kunden?
  3. Sie lesen jetzt Wunsch nach öffentlicher Finanzierung
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(SZ vom 19.03.2009/mcs)