sueddeutsche.de: Kann man mit Strafandrohung jemanden dazu bringen, etwas nicht zu tun?
Hinrichtungskammer des US-GefängnissesTerre Haute, Indiana. "Die Androhung der Todesstrafe kann solche Menschen nicht daran hindern, ihre Verbrechen zu begehen." (© Foto: AFP)
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Wuketits: Die drastischste Strafe ist die Todesstrafe. In den USA ist die Zahl der sehr schweren Delikte wie Mord oder Serienmord in jenen Bundesstaaten, wo die Todesstrafe abgeschafft ist, nicht höher als in jenen, wo noch hingerichtet wird. Ich glaube, dass das Gehirn solcher Täter anders funktioniert als das eines unbescholtenen Bürgers. Eine Strafandrohung kann solche Menschen nicht daran hindern, ihre Verbrechen zu begehen.
sueddeutsche.de: Das sind Personen in einem Ausnahmezustand, geistig gestörte oder kranke Menschen. Aber könnte es nicht sein, dass mich die Androhung massiver Strafen davon abhält, im Laden etwas mitgehen zu lassen?
Wuketits: Als soziale Wesen wollen wir nicht negativ auffallen. Wir wollen soziale Ächtung vermeiden. Ich glaube, da steckt ein sehr starker evolutionsbiologischer Antrieb dahinter, der in vielen Fällen genügt. Im Supermarkt beim Klauen erwischt zu werden, wäre mir peinlich.
sueddeutsche.de: Früher wurden Verbrecher gebrandmarkt oder an den Pranger gestellt.
Wuketits: Es ist auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Wenn ein Jugendlicher jemanden einen Stein ins Fenster wirft und damit schwere Sachbeschädigung begeht, dann sollte er für den Schaden aufkommen müssen. Aber ihm gleich die Hand abzuschlagen wäre wohl eine überzogene Sanktion.
(sueddeutsche.de)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Aus einem verbal konstruierten "Experiment" mit selbstverständlich vorgegebenem Ausgang gemäß subjektiven Vorstellungen lässt sich keinerlei wissenschaftliche Erkenntnis ziehen. Da gleichartige reproduzierbare experimentelle Ergebnisse bisher nicht existieren, muss die These eine unfreien Willens ganz einfach als unbewiesen angesehen werden. Natürlich kann auch angeführt werden, dass ein Beweis für die Existenz des freien Willens fehlt.
Entscheidend ist aber die nicht zutreffende und von vielen Biologen behauptete vollständigen Determiniertheit aller Organismen. Da die physikalische Welt dies weder nach den gesetzen Newtons noch der Quantenphysik ist, existiert keine logisch nachvollziehbare Grundlage für derartige Gedanken.
Ein weiteres einfaches Beispiel für die Auswirkungen der indeterminierten Quantewelt auf die makroskopische Welt kann dies verdeutlichen:
Die Stärke keiner atomaren Explosion kann exakt vorausberechnet werden (ein Fehlerbereich von ± 20% ist typisch), da das Verhalten weniger Neutronen beim Beginn der nuklearen Kettenreaktion prinzipiell indeterminiert ist. Die Folgen einer solchen physikalischen Unbestimmtheit betreffen aber den Tod oder das Leben vieler Tausend oder sogar Millionen Organismen. In noch höherem Maße sorgen die durch rein stochastische radioaktive Ereignisse hervorgerufenen Mutationen für eine völlige Indeterminiertheit der Evolution, ja sogar des individuellen Lebens. Zusätzlich ist die Komplexität jeden makroskopischen Ereignisses an dem mehr als zwei (in Spezialfällen drei) Körper beteiligt sind nach Newton indeterminiert. Nun ein Sprung zum Blindarm. Dass dieser funktionslos sei, ist hingegen eine gern gehegte Illusion. Es ist schon länger bekannt, dass er an der Immunabwehr beteiligt ist. Und selbst wenn er nur noch als Rudiment bestehen würde, wäre er evolutionär zunächst nur als funktionelles Organ entstanden, das sich nachträglich zurückgebildet hätte. Das sinnlose "Epiphänomen" des Ichbewußtseins, auf dem sich nebenbei die gesamte menschliche Kultur mit ihrem dramatischen Einfluß auf den Planeten Erde gründet, lässt sich so einfach nicht abtun, insbesondere ohne wissenschaftlichen Nachweis.
Stellen Sie fünf Personen vor die Entscheidung, einen Döner, einen RoyalTS von McDonalds oder einen Grünkernbratling aus dem BioBistro zu essen haben nicht alle fünf die gleichen Startbedingungen. Der eine ist stark übergewichtig und weiß darum, der andere ist es auch und schert sich einen Dreck um seine Gesundheit. Wieder ein anderer geht seit seiner Kindheit regelmäßig FastfoodEssen und noch einer mag nur Grünkern, sonst nichts. Dem fünften Teilnehmer gehört der Dönerimbiss.
Auch wenn man jetzt weiß, dass eine Person, die dick ist und ein Problem damit hat auf ihre Ernährung achtet kann es sein, dass der Übergewichtige trotzdem einen Burger isst. Vielleicht hatte er eine Abneigung gegen Türken und Grünkern, weshalb er sich nur so entscheiden konnte. Von dem Dönerladenbesitzer nahm man an, dass er, um sein Produkt zu bewerben, selbstverständlich genüsslich einen Kebap vom eigenen Spieß essen würde. Er entschied sich aber für den Grünkernbratling, weil es den immer bei der deutschen Großmutter in Heiligenfeld gab und er seinen Kindheitserinnerungen nachgeht. Ich könnte jetzt noch weitere Szenarien erfinden, aber mein Bier ist leer - und man sieht glaube ich, dass es schlichtweg unmöglich ist, alle Parameter, die zu einer unfreien "Entscheidung" führen, berücksichtigen und damit die Unfreiheit nachweisbar machen zu können. Warum auch, ist es nicht einfacher zu sagen, dass eine Entscheidung, die nicht auf Basis von Kriterien und Gründen gefällt wurde schlicht zufällig wäre? Da hätte man die "echte" Freiheit - gewonnen wäre damit aber nichts.
"Folgt man dieser Vorstellung vom Mensch als Automaten, wäre auch ein letztlich funktionsloses Ich-Bewußtsein als passiver Beobachter der biologischen Vorgänge überhaupt nicht notwendig. Zudem wäre es als nutzloses Beiwerk während der Evolution gar nicht erst entstanden."
Das ist ein Trugschluss. Die Evolution bildet zwar langfristig "sinnvolle" Vorgänge heraus, ein "nutzloses" Detail aber durchaus auch weiterhin bestehen, wenn es nicht unbedingt zum Nachteil der Art führt (siehe Wurmfortsatz beim Menschen). Das Ich als Epiphänomen ist eine vertretbare philosophische Position...
@pgoettig
"...menschlichen Verhaltens und Denkens. Falls diese determiniert wären und somit auch keine freien Willensentscheidungen stattfinden können, müsste es doch sehr einfach sein, dieses theoretisch vorherzusagen und im Experiment nachzuweisen."
Leider ist es nicht so einfach, mittels fMRT den gesamten, das Bewusstsein konstituierenden "Inhalt" des Hirns festzustellen und mit dieser Information in Experimenten etwas nachzuweisen. Man kann schlecht eine Versuchsanordnung aufbauen, die für alle Probanden gleich sei.
... biologisch-physikalischen Hirnsystem haben Sie herausgefunden , dass "...die pysikalische Welt indeterminiert " ist ? Rechnen Sie sich schon Chancen auf den nächsten Nobel-Preis in Science-Fictionologie aus ?
Aber als unbedarfter Kritiker der Philosophie des "freien Willens" noch eine philosophisch-physikalische Frage an den Entdecker der allumfassenden Energiezustände :
.... Was bleibt eigentlich vom "freien Willen" übrig , wenn Sie - begrifflich und faktisch - den Determinismus als Gegenbegriff und Faktum abgeschafft haben ?
MfG filus
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