Die Basis des Warnsystems bilden Erdbebenmessgeräte. So genannte ¸¸Seismometer" sind erforderlich, weil die meisten Tsunamis von starken Seebeben ausgelöst werden. Je mehr Seismometer in einer Region platziert sind, desto schneller und genauer kann ein Beben lokalisiert werden - bei der Tsunami-Warnung zählt jede Sekunde. Der Indische Ozean ist bisher zu grobmaschig mit den Messgeräten bestückt, als dass rechtzeitige Tsunami-Warnungen möglich wären. Deshalb sollen in der Region 40 Geräte installiert werden, die über Satellitenverbindung verfügen. Die Seismometer sollen aus Kostengründen nicht am Meeresboden verankert werden, sondern küstennah an Land. Das bedeutet für die Warnung nur geringen Zeitverlust: Binnen zwei Minuten könne die Stärke eines Seebebens im Indischen Ozean geklärt werden, sagt Jörn Lauterjung vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ), der Leiter des Warnsystem-Projekts.

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Doch selbst starke Beben lösen nicht immer einen Tsunami aus. Deshalb sollen Wasserstandspegel an vorgelagerten Inseln und Bojen den Meeresspiegel überwachen. Zwei Test-Bojen werden deutsche Forscher Ende Oktober vom Forschungsschiff Sonne vor der indonesischen Küste aussetzen. Die Bojen kommunizieren über akustische Signale mit Drucksensoren am Meeresboden. ¸¸Sie erfassen Schwankungen des Meeresspiegels von nur einem Millimeter", berichtet Klaus Schleisiek von der Firma Send, die die Detektoren entwickelt hat. Die Genauigkeit ist wichtig, denn auf hoher See sind Tsunamis nur wenige Zentimeter hoch. Anders als Windwellen haben Tsunamis stets Bodenkontakt: Den Druck, den sie auf den Meeresgrund ausüben, registrieren die Sensoren. Plötzliche Änderungen des Luftdrucks können jedoch einen Tsunami vorgaukeln. GPS-Sensoren auf den Bojen sollen helfen, sie messen die Auslenkung der Bojen. Via Satellit gelangen die Informationen ins Warnzentrum.

Die deutschen Bojen sind denen der Amerikaner überlegen, denn ihre Daten sind per Satellit abrufbar und somit energiesparend. Die Pazifik-Bojen hingegen funken bei jeder ungewöhnlichen Welle stundenlang Daten an die Stationen. Deshalb müssen die Batterien alle paar Monate ausgetauscht werden. Um die Wartungsintervalle möglichst lang zu halten, tüfteln Techniker des GFZ noch immer an der Stromversorgung der neuen Bojen. Einmal jährlich müssen Schiffe zur Wartung kommen.

Die größte Unsicherheit aller Tsunami-Bojen aber ist die Datenübertragung von den Drucksensoren zur Meeresoberfläche mittels Schallwellen - Kabel würden kaputtgehen. Die Schallwellen überbrücken das mehrere tausend Meter tiefe Meerwasser nicht immer problemlos - Informationsverlust droht. Die Deutschen setzen daher auf eine Innovation von Forschern um Konstantin Kebkal von der TU Berlin, die ihre Technik Delphinen abgeschaut haben: Dringen Schallwellen nicht durch, wird ihre Frequenz geändert. Das System testen Forscher des Alfred-Wegener-Instituts im Mittelmeer.

Die ambitionierteste Komponente des Warnsystems ist die Computer-Simulation, mit der nach einem Seebeben der Verlauf der Welle und ihre Höhe an den Küsten errechnet werden soll. Pazifikanrainer arbeiten seit knapp zehn Jahren daran - mit wenig Erfolg. Trotzdem wollen nun mehrere deutsche Forschungsinstitute ähnliche Software-Programme entwickeln. Damit lassen sich unnötige Evakuierungen vermeiden.

Die Form des Meeresbodens bestimmt die Ausbreitung eines Tsunamis: Aufgrund ihres ständigen Bodenkontaktes werden die Wellen von Unterwassergebirgen abgelenkt. Die Forscher wollen bald über entsprechende Landkarten verfügen - und sie in die Computer-Modelle einspeisen: Von deutschen Forschungsschiffen aus soll der bisher weitgehend unbekannte Meeresgrund vor der 5000 Kilometer langen Küste Indonesiens mit Echolot vermessen werden.

Die beste Wissenschaft ist allerdings nutzlos, wenn die Warnungen nicht rechtzeitig ankommen. Deshalb soll ein Kommunikationsnetz aufgebaut werden, mit Ansprechpartnern in allen Küstenorten. Zudem sind Katastrophenübungen geplant. Deutsche Geowissenschaftler können dabei auf eine langjährige Zusammenarbeit mit Indonesien bauen.

Unerwartete Unterstützung erhielten die Deutschen vor einigen Tagen aus den USA. Die Amerikaner hatten zunächst den Zugang zu ihrer Tsunami-Forschung gesperrt. Doch nun vereinbarten beide Länder eine Kooperation. Vielleicht ein Zeichen, dass die USA an den Erfolg des deutschen Systems glauben.

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