Bis zum 22. Januar herrschte in den Städten im Delaware Valley geradezu Panik, viele Geschäfte und Schulen blieben geschlossen. Schließlich lobte der Philadelphia Zoo ein Preisgeld vom 10.000 Dollar aus. Doch niemand konnte den Teufel fangen. Lediglich einige Spaßvögel bastelten aus Tierkadavern Monster zusammen - etwa ein Känguru mit Flügeln. Dann war der Spuk plötzlich wieder vorbei.

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Geht der Mythos vom Jersey Devil auf den Kanadakranich zurück? (© Foto: oh)

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Die Zahl der Sichtungen nahm danach stark ab. Aber immer wieder zeigte sich der Teufel einzelnen Menschen - und das ist bis heute so geblieben. Wie die Internetseite der " Devil Hunters", der "Official Researchers of the Jersey Devil", berichten, fand die vorläufig letzte Sichtung im Oktober 2008 statt, als ein Augenzeuge am Nachmittag in den Wäldern auf ein geflügeltes Wesen stieß, das mit einem Schrei vom Boden abhob.

Vieles an den Berichten ist mysteriös und die Augenzeugen widersprechen sich zu sehr, als dass bislang eine befriedigende Erklärung für das Phänomen gefunden werden konnte. Manchmal trägt das Wesen nicht nur Flügel, sondern auch noch Arme. Mal besitzt es den Kopf eines Hundes, mal den eines Pferdes. Die Tiere variieren stark in der Größe.

Aber es gibt wiederkehrende Merkmale. Große Flüge, hohe, grausige Schreie, ein langer Hals, rote Augen, schlanke, lange Beine und lange Haare - vieles spricht dafür, dass es sich tatsächlich um einen Vogel handelt, dessen Gefieder den Augenzeugen als zotteliges Fell erschien.

Ein teuflischer Kranich?

Der wahrscheinlichste Kandidat für den Teufel ist der Kanadakranich, der früher in New Jersey heimisch war. Der graubraune Vogel wird bis zu 1,20 Meter groß, die Flügelspannweite kann mehr als zwei Meter betragen. Er hat einen langen Hals, einen Kopf mit weißen Wangen und roter Stirn und lange, schlanke Beine. Und: Der hohe Schrei des Vogels könnte sehr gut der Laut des Jersey Devils sein. Wer im Dunkeln diesem Tier begegnet, das auf Bedrohung durchaus aggressiv reagiert, kann schon einen großen Schrecken bekommen - und glauben, etwas ganz anderes gesehen zu haben.

Vielleicht tauchen vereinzelte Tiere ja noch heute in den etwa 4500 Quadratkilometer großen Pine Barrens auf. Die Erklärung ist jedenfalls realistischer als die, es handle sich beim Jersey Devil um einen überlebenden Vertreter der Flugsaurier, einen Pterodactylus.

Der Tod von Haustieren, der dem Teufel angelastet wird, lässt sich vermutlich mit dem Vorkommen von Raubtieren wie Kojoten, Füchsen, Luchsen und Dachsen in den Pine Barrens erklären.

Schwieriger zu deuten sind die angeblichen Hufspuren im Schnee, die offenbar von Wesen stammten, die sich von Zäunen und Häusern nicht aufhalten ließen. Doch es ist nicht immer einfach, zu erkennen, welches Tier sich auf welche Weise fortbewegt hat. Wer weiß schon, wie die Spur eines kleinen, hüpfenden Nagetieres aussieht, das auch kein Problem hätte, einen Zaun zu überwinden?

Angesichts der Tatsache, dass es keinen einzigen handfesten Beleg für ein bislang unbekanntes Wesen in den Pine Barrens gibt - nicht ein Foto wurde aufgenommen, kein Kadaver gefunden -, muss man wohl davon ausgehen, dass die Beobachtungen des Jersey Devil auf Begegnung mit bekannten Tieren wie dem Kanadakranich zurückgehen, die im Augenblick des Schrecks nicht erkannt wurden.

Und deshalb kann man getrost davon ausgehen, dass die Sichtungen des Teufels von Jersey weitergehen werden.

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(sueddeutsche.de/als)