Von W. Rögener

Augen und Flügel - das muss doch jemand geplant haben, glauben Intelligent-Design-Anhänger. Doch Forscher beweisen: Komplexe biologische Strukturen entstehen evolutionär.

Wer eine moderne Digitalkamera betrachtet, einen Motor oder ein Flugzeug, dem ist klar: Dergleichen ist nicht zufällig entstanden, sondern das Werk fähiger Konstrukteure.

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Erstaunliche Komplexität: 95 Prozent aller Lebewesen sind mit einer Art Sehorgan ausgestattet. Der Mensch hat sich selbst zudem einen - leider nur beschönigenden - Ersatz geschafft: das Glasauge (hier im Science Museum in London). (© Foto: Getty)

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Diesen Schluss übertragen die Anhänger eines modernen Kreationismus, genannt Intelligent Design, auf die Biologie: So komplizierte Organe wie das Auge, der Vogelflügel oder rotierende Flagellen, mit denen Bakterien sich fortbewegen, brauchen einen Schöpfer, behaupten sie. Wer also hält die Patentrechte auf komplexe biologische Strukturen - ein "intelligenter Gestalter" oder doch das natürliche Zusammenspiel von Veränderung und Auslese?

Evolutionskritiker argumentieren: Dass die Natur Organe und Organismen rein zufällig hervorbringt, sei so unwahrscheinlich wie die Vorstellung, dass bei einem Wirbelsturm auf dem Schrottplatz eine Boeing 747 entsteht - ein Vergleich, der dem britischen Astronomen Fred Hoyle zugeschrieben wird.

Indes hat weder Charles Darwin noch sonst ein Evolutionsbiologe je behauptet, komplexe biologische Strukturen seien ein Produkt des puren Zufalls. In der Evolutionstheorie übernimmt lediglich die natürliche Auslese die Rolle des Konstrukteurs.

Unter unzählbaren phänotypischen Varianten werden jene bevorzugt, die am besten an die herrschenden Lebensumstände angepasst sind. Deren Fortpflanzungschancen sind größer, und so gibt es in der nächsten Generation mehr Lebensformen, die die vorteilhaften Erbanlagen besitzen. In winzigen Schritten und über lange Zeiträume entstehen so neue Strukturen.

Funktionsfähige Zwischenstufen

Doch das ist nur plausibel, wenn der Vorteil jeder Neuerung sofort greift. "Was nützt ein halbes Auge?", fragen die Kritiker hämisch. Funktioniert das Auge des Menschen doch nur, wenn seine Bestandteile - Glaskörper, Linse, Iris, Augenmuskeln und Netzhaut - aufeinander abgestimmt zusammenspielen.

Ebenso wenig taugen unfertige Flügel zum Fliegen. Schritt für Schritt könnten sie also nicht entstanden sein, erklären diejenigen, die einen Designer hinter solchen Erfindungen vermuten.

Kritiker der Evolutionstheorie, wie etwa der Kreationisten-Klub "Wort und Wissen", sprechen von "nichtreduzierbarer Komplexität". Solche Strukturen seien "typisch für einen absichtsvoll und zielorientiert schaffenden Urheber".

Die entscheidende Frage lautet also: Gibt es funktionsfähige Zwischenstufen, etwa auf dem Weg zum Linsenauge? Tatsächlich zeigt das Tierreich eine große Vielfalt von einfachen bis hochentwickelten Augen, immerhin können gut 95 Prozent aller Tiere mehr oder weniger gut sehen.

Lückenloser Weg

Schon Einzeller besitzen Eiweiße, die auf Licht reagieren. Verstreute lichtempfindliche Zellen in der Haut helfen dem Regenwurm, sich zu orientieren. Bildet sich auf der Körperoberfläche ein Grübchen mit mehreren solcher Zellen und wird eine Seite durch Farbstoffe abgeschirmt, wie bei manchen Plattwürmern, lässt sich bereits die Richtung des Lichteinfalls abschätzen.

Von dort führt über immer tiefer eingesenkte Grubenaugen ein lückenloser Weg zum Lochkamera-Auge, mit dem der Kopffüßler Nautilus in die Welt blickt. Er kann damit schon schemenhaft Formen erkennen.

Aus einer derartigen Einstülpung entwickelte sich dann das Linsenauge mancher Schnecken und Tintenfische. Computersimulationen ergaben, dass für eine Entwicklungsreihe vom einfachen Sehfleck bis zum Linsenauge selbst unter ungünstigen Annahmen weniger als 400.000 Generationen genügen - eine nach geologischen Maßstäben schnelle Entwicklung, wie die Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera von der Universität Kassel und Karl Niklas von der Cornell University bemerken.

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