Die Forscher verglichen die universellen Eiweißstoffe von 30 verschiedenen Lebewesen und rekonstruierten dann mittels hoch entwickelter Algorithmen die Zusammensetzung von Lucas Proteinen. Demnach besaß der Urahn eine Mixtur von Aminosäuren, die ihn am besten bei kühlen Temperaturen um die 20 Grad Celsius gedeihen ließ.

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Dasselbe ergab eine Rekonstruktion von Lucas Ribosomen. Wahrscheinlich entwickelten erst manche seiner Nachkommen vor etwa 3,8 Milliarden Jahren eine Vorliebe für hohe Temperaturen. Es ist denkbar, dass Luca bereits im frühen, kalten Hadaikum lebte, seine Nachkommen aber von einem der letzten großen Meteoriteneinschläge heimgesucht wurden. Von diesen überlebten dann nur diejenigen, die der großen Hitze standhielten.

Trotz aller detaillieren Rekonstruktionen gibt Luca nach wie vor fundamentale Rätsel auf. So gibt es in den heutigen Lebewesen neben den universellen 60 eine Vielzahl weiterer Gene. Manche von ihnen sind so essentiell, dass sie ebenfalls aus der Zeit von Luca stammen müssen.

Ein Einzeller, der all diese Erbanlagen besessen hätte, wäre aber eine Art Universalgenie gewesen. Eine solche Komplexität ist für ein derart ursprüngliches Lebewesen unwahrscheinlich. Einen Ausweg aus diesem Dilemma schlägt der amerikanische Mikrobiologe Carl Woese vor. Seiner Ansicht nach handelte es sich bei Luca nicht um eine einzelne Art, sondern um eine Urgemeinschaft primitiver Einzeller. Diese hätten noch nicht zwischen fremd und selbst unterschieden, so wie es heutige Einzeller tun.

Freie Liebe unter Urzellern

Gleichsam wie in freier Liebe könnten die Urzeller ihre Gene untereinander ausgetauscht haben. Aus dieser Urgemeinschaft könnten sich dann Gruppen herauskristallisiert haben, die getrennter Wege gingen. Erst von diesem Zeitpunkt an hätte es dann Vererbung und Selektion gegeben, weshalb Woese auch von der Darwinschen Schwelle spricht. Andere Wissenschaftler bezweifeln allerdings, dass eine solche genetische Gemeinschaft stabil und entwicklungsfähig sein könnte.

Ob nun Urgemeinde oder Ahn - jenseits von Luca verliert sich die Entstehung der Arten im Dämmerlicht der frühen Sonne. Wie aus der unbelebten Materie die ersten Lebewesen entstehen konnten ist lediglich Stoff für lebhafte Spekulationen. Möglich ist sogar, so glauben manche Evolutionsbiologen, dass die allerersten Organismen gar nicht auf der Erde lebten, sondern dass Lucas Vorfahren von benachbarten Planeten eingestreut wurden.

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(SZ vom 21.02.2009/mcs)