Zwar hat sich der Mensch nach Millionen Jahren mit dem aufrechten Gang arrangiert, doch bei starken Belastungen macht seine Konstruktion Probleme. Wer auf zwei Beinen läuft, dessen Wirbelsäule muss permanent hohem Druck standhalten. Knie und Hüfte werden durch die Hebelwirkung der langen Beine stark beansprucht. Wären wir weniger Fisch und mehr Mensch, gäbe es Rücken- und Knieschmerzen nicht als Volksleiden.
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Männer spüren die Last ihrer Abstammung auch in der Leiste. Im Embryo bilden sich die Keimdrüsen in der Nähe der Leber und wandern später in den Hodensack. Damit für diese Verschiebung Platz bleibt, gibt es im männlichen Unterleib einen Hohlraum zwischen Schambein und Bauchmuskulatur, durch den sich bei Anstrengung ein Stückchen Darm stülpt: ein Leistenbruch. Fische kennen dieses Leiden nicht, bei ihnen bleiben die Hoden zeitlebens im Bauchraum.
Besser abreißen und neu bauen?
Solche Leiden sind ein Dämpfer für alle, die den Menschen als Krone der Schöpfung sehen. "Der Mensch ist höchstens die Dornenkrone der Evolution", sagt der Wiener Biologe Franz Wuketits. In vielen Teilen gleicht der Körper einem alten Haus, das immer wieder renoviert, erweitert und den Wünschen neuer Besitzer angepasst wurde.
Irgendwann liegen dann sämtliche Leitungen so wild durcheinander, dass ein Elektriker erst die Geschichte des Gebäudes studieren muss, bevor er seine Funktionsweise versteht. Bei Immobilien drängt sich dann die Frage auf: Wäre abreißen und neu bauen nicht klüger?
Doch diese Logik ist der Evolution fremd. Sie arbeitet mit dem vorgefundenen Material und belohnt nur Veränderungen, die in Summe die Fähigkeit zur Fortpflanzung erhöhen. Die Schmerzen durch kaputte Knie und Leistenbrüche bei Menschen abzustellen, die ihre Kinder schon bekommen haben, erfüllt diese Anforderung nicht.
Deutlich wird dieses Prinzip auch beim Schluckauf. Er entsteht, wenn zwei Nerven gereizt werden, die die Muskeln im Rachen und Zwerchfell steuern. Man atmet dann unwillkürlich ruckartig ein, und dabei verschließt ein Gewebelappen im Rachen reflexartig die Luftröhre.
Kaulquappen können so Wasser über ihre Kiemen leiten, ohne dass es in die Lunge gerät. Babys schützt ein ähnlicher Mechanismus vor dem Verschlucken beim Trinken an der Brust. Erwachsene aber leiden unter dem Erbe. Papst Pius XII. quälte das Hicksen angeblich einmal mehrere Wochen lang.
Ausgleich durchs Gehirn
Allein auf die Macht der Evolution kann der Mensch also wohl kaum vertrauen, will er mit seinen Gebrechen zurechtkommen. Shubin sagt: "Wenn der Mensch etwas gelernt hat, dann, dass er mit seinem Körper allein nicht viel anfangen kann."
Es ist der Preis der vielen Fähigkeiten, dass der Mensch allerlei Hilfsmittel erfinden musste, um einigermaßen unbeschwert durchs Leben zu gehen. Dafür wiederum hat ihn die Evolution passend ausgestattet: mit einem extrem leistungsfähigen Gehirn, das Dinge wie winzige Hörgeräte und Joggingschuhe mit Gelkissen ersinnt.
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(SZ vom 15.07.2009/gal)
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Das mit den Liegestützen klappt nimmer so bei mir. Aber die Schuppen ! Ja das muss der Rest-Fisch sein.