In seiner Idee von der natürlichen Selektion und des "niedrigen und schrecklich grausamen Wirkens der Natur" bestärkt den Wissenschaftler Charles Darwin tragischerweise auch der frühe Tod seiner Kinder Annie und Charles Waring. Zudem verliert der Mensch Charles Darwin darüber seinen Glauben. Dass solches Leid unschuldiger Kinder Teil eines göttlichen Planes sein könne, erscheint ihm unmöglich. Es ist Darwins Ur-Urenkel Randal Keynes, der dies und die damit einhergehenden Konflikte mit der tief religiösen Ehefrau Emma im Buch "Annies Schatulle" beschreibt.

Bild vergrößern

Francis Sachewerel Darwin machte sich als Forschungsreisender und Draufgänger einen Namen. (© Foto:)

Anzeige

Von Charles Darwins Kindern folgen ihm drei in die angesehene Wissenschaftsgesellschaft Royal Society, als Astronom, Botaniker und Ingenieur. Francis, der Botaniker, beginnt auch eine neue Familientradition als geistiger Erbverwalter und gibt Briefe und die Autobiografie seines Vaters heraus. Nora Darwin Barlow, die Tochter von Horrace, dem Ingenieur, setzt die Tradition fort - unter anderem damit, dass sie, anders als Francis, Darwins Autobiografie endlich unzensiert veröffentlicht.

Mit dem Leben und Wirken der Nachfahren Darwins ließen sich Bücher füllen. Der große Komponist Ralph Vaughan Williams, dessen Werk die BBC vergangenes Jahr eines ihrer "Proms"-Konzerte widmete, war ein Nachfahre von Charles' Schwester Caroline. Der erste Sportjournalist, der ausschließlich über Golf berichtete und es damit in die "Hall of Fame" schaffte, Bernard Darwin, war ein Enkel Darwins.

Die Schriftsteller Gwen Raverat und John Cornford stammen ebenfalls direkt von Emma und Charles ab. Darwins Ur-Urenkel, der Journalist und Drehbuchautor Matthew Chapman (bekannt für das Script von "Color of Night" mit Bruce Willis) gründete im vergangenen Jahr die Initiative "Science Debate 2008". Er befragte im US-Wahlkampf Barack Obama und John McCain nach ihren Positionen zur Wissenschaftspolitik. Dazu kommen zahlreiche Ärzte, Neurowissenschaftler, Biologen, Unternehmer, Autorinnen.

In der Generation der Ur-Ur-Urenkel ist der 17-jährige Skandar Keynes, Sohn von Randal, zurzeit der bekannteste Familienvertreter. Er spielt in der Verfilmung der "Chroniken von Narnia" die Rolle des Edmund, eine der Hauptfiguren. Damit sind Darwins Gene, wenn auch stark verdünnt, nun in der Popkultur des 21.Jahrhunderts angekommen. Das Baby von Shrewsbury hat in 200 Jahren also reichlich Spuren hinterlassen - das wichtigste natürlich unverdünnt: eine Theorie, die die Welt verändert hat.

Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3

  1. Acht Generationen Darwin
  2. Acht Generationen Darwin
  3. Sie lesen jetzt Acht Generationen Darwin
Leser empfehlen 

(SZ vom 12.02.2009/mcs)