Serie Geheimbünde Skulls & Bones

An den englischen und amerikanischen Eliteuniversitäten gibt es zahlreiche studentische Geheimgesellschaften. Eine der bekanntesten wurde an der Yale University gegründet.

An den englischen und amerikanischen Eliteuniversitäten gibt es zahlreiche studentische Geheimgesellschaften, von denen die meisten im frühen 19. Jahrhundert gegründet wurden.

Geheimlogen und philosophische Kreise fanden besonders in den College-Gemeinschaften von Cambridge begeisterte Aufnahme (Cambridge Apostles).

Absolventen der Universität brachten die akademischen Traditionen Großbritanniens in die USA, wo sich an vielen Universitäten noch heute geheime Verbindungen finden: Skull and Bones in Yale (New Haven (Connecticut), der Porcellian Club in Harvard (Cambridge, Massachusetts), die Owl Society an der Universität von Pennsylvania oder Sphinx Head in Cornell.

Auch an deutschsprachigen Hochschulen gibt es Studentenverbindungen, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen. Heute sind es Verbände derzeitiger und ehemaliger Studenten einer Universität mit eigenem Brauchtum und gewachsenen Traditionen.

Geheimbünde an den Universitäten werden von manchen Leuten gerne als studentischer Ulk heruntergespielt, aber oft dienen sie ihren Mitgliedern als Karrieresprungbrett in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Skull & Bones

Skull & Bones (Schädel und Knochen) ist eine studentische Geheimgesellschaft an der Yale University (USA), die 1832 von William Huntington Russel gegründet wurde. Russel soll die Idee für eine Studentenverbindung aus Deutschland mitgebracht haben, wo er ein Studienjahr verbracht hatte.

Manche Bräuche dieser studentischen Vereinigung erinnern tatsächlich an die der deutschen Burschenschaften. Der Geheimbund ist auch unter den Namen "Orden des Todes", "Der Eulogianische Club" und "Loge 322" bekannt. Jedes Jahr werden 15 Yale-Studenten aufgenommen, die nach der Initiation als "Bonesmen" (Knochenmänner) bezeichnet werden. Seit 1991 sind in dem Geheimbund auch Frauen als Mitglieder zugelassen ("Boneswomen").

Der Bund rekrutiert seine Mitglieder aus dem jeweils neuen Semester. Kein Student kann sich um die Mitgliedschaft bewerben, sondern wird von denen ausgewählt, die im Jahr zuvor ihre Initiation hatten. Anders als in deutschen Studentenverbindungen setzen sich die Aktiven aus nur einem einzigen Studienjahrgang zusammen. Eine Probezeit gibt es nicht.

Skull & Bones gehört keinem Dachverband an. Die Aufnahme der neuen Mitglieder geht in zwei Phasen vor sich: die Auslese und die Initiation, bei der verschiedene Zeremonien stattfinden; ein Aufnahmeritual ist beispielsweise, dass der Kandidat Blut aus einem Schädel trinken muss.

Verschwiegenheit und gegenseitige Hilfe

Ein wesentliches Gebot des Ordens ist die Verschwiegenheit, außerdem verpflichten sich die "Bonesmen", sich gegenseitig in ihrer Karriere zu helfen. Nach den Initiationsriten wird der Aufgenommene (Neophyt) von einem anderen "Bonesman" im Don-Quichotte- Kostüm zum "Ritter" geschlagen. Die Neophyten erhalten dann neue Ordensnamen.

Das Symbol der Organisation ist ein Totenschädel über den gekreuzten Knochen, auch die Zahl 322 gehört zum Logo. Es ist die Raumnummer des "Inneren Tempels" in der "Gruft", einem Haus im klassizistischen Stil auf dem Campus, wo die Treffen, Zeremonien und wahrscheinlich auch die Rituale von Skull & Bones stattfinden; über die Bedeutung dieser Zahl gibt es unterschiedliche Behauptungen.

Eine davon lautet, dass 322 das Todesjahr des griechischen Redners Demosthenes ist, was zwar stimmt, aber unbegründet ist und daher keinen wirklichen Sinn ergibt. Skull & Bones ist ein immerwährender Bund, der nicht mit dem Tod des einzelnen Mitglieds ("Ritters") endet, sondern von den folgenden Generationen weiter getragen wird.

Ein wesentliches Merkmal der Geheimgesellschaft ist, dass alle anderen Menschen als "Heiden" oder "Vandalen" bezeichnet werden. Damit grenzt der Geheimbund sich und seine Mitglieder von der übrigen Welt ab, wozu auch die eigene Zeitrechnung dient.

Diese Zeitrechnung, S. B. T. (Skull & Bones Time), weicht von der üblichen Zeit an der Ostküste um fünf Minuten ab. Die Mehrzahl der Mitglieder stammt aus einfluss- und traditionsreichen Familienclans mit jeweils einer Reihe von Yale-Absolventen in der Ahnengalerie.

Die Gesamtzahl der lebenden "Bonesmen" wird auf etwa 800 geschätzt. Darunter befinden sich einige führende Vertreter in Wirtschaft und Politik wie der Präsident der USA, George W. Bush (Ordensname "Temporary"), dessen Vater George Bush, ehemaliger US-Präsident, sowie G.W. Bushs Konkurrent um die Präsidentschaft 2004, John Kerry. Ein dritter "Bonesman", der es bis zum US-Präsidenten gebracht hatte, war William Howard Taft.